Home Coronavirus Designs für mehr Sicherheit in Krankenhäusern von Singapur

Designs für mehr Sicherheit in Krankenhäusern von Singapur

von Markus Schraml

Singapur ist eine Nation des Designs. Nichts hier ist natürlich oder passierte von sich aus“, sagt der singapurische Premierminister Lee Hsien Loong und gibt damit zu verstehen, dass die Stärke seines Stadtstaates im Design liegt. Diese Anforderung, alles gestalten zu müssen und zu wollen, kann auch in Zeiten von Krisen ein Vorteil sein. So engagieren sich mehrere Designstudios in Singapur im Bereich Social Design. In der derzeit herrschenden COVID-19-Pandemie hat sich vor allem das multidisziplinäre Team von STUCK Design mit Initiativen hervorgetan. Einige davon werden bereits in singapurischen Krankenhäusern getestet.

 

Während der Coronavirus-Krise bemühen sich die Kreativen von STUCK Design, ihre Fähigkeiten in den Dienst von Maßnahmen zu stellen, die Betroffene unterstützen und die Auswirkungen der Krankheit minimieren helfen. Gleichzeitig hat sich das Designstudio dazu verpflichtet, seine Entwürfe und somit sein geistiges Eigentum kostenlos der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen dieser Bemühungen wurde unter anderem X-Hood für ein großes Krankenhaus in Singapur entwickelt. Es ist ein leichter, komfortabler Gesichtsschutz in Form einer Haube, die aus nur zwei flachen Elementen besteht. Diese können kostengünstig mittels 3D-Druck hergestellt werden. Das Design der Haube erhöht den Schutz für Mitmenschen, indem durch die größere Fläche mehr Tröpfchen aufgenommen werden können. Hochgeschwindigkeitströpfchen, wie sie beim Niesen und Husten entstehen, wird mehr Raum zur Auflösung und Verlangsamung gegeben. Außerdem wird die Wahrscheinlichkeit des Austretens von infizierten Tröpfchen verringert. Ein Pluspunkt für die Trägerin ist ebenfalls durch die Größe bedingt. So bleibt mehr Raum zum Atmen – der Komfort steigt. Zusätzlich wurden an beiden Seiten der Haube kleine Öffnungen angebracht, wodurch der Träger besser hört und außerdem seine Brille richten kann. Das Design von X-Hood unterliegt kontinuierlicher Weiterentwicklung. So wird an den Ausatmungsfaktoren gefeilt und die Vor- bzw. Nachteile der Unterstützung des Luftstroms mittels angeschlossener Geräte untersucht. Dadurch könnte die Dauer des Tragens der Haube verlängert werden, würde aber andererseits auch mehr Desinfektionsaufwand bedeuten. Sollten die derzeitigen Testläufe und weiteren Verbesserungen erfolgreich sein, könnte X-Hood zu einem sicheren und zuverlässigen Tröpfchenschutz für Patienten und Krankenhauspersonal werden, der sowohl komfortabler als auch günstiger in der Herstellung wäre.

 

Ein weiteres Projekt trägt den Namen Parashield. Es ist ein leichter, besonders effektiver Aerosolschild, der in Zusammenarbeit mit der ICU (Intensive Care Unit) und Anästhesisten eines Krankenhauses in Singapur entwickelt wurde und der den üblichen Aufbau von Aerosol-Kästen überarbeitet. Der Schild besteht aus einem Stahlrahmen und einer Kunststoffabdeckung und ist sehr viel flexibler als die bisher verwendeten kastenförmigen Vorrichtungen, die das Gesundheitspersonal für medizinische Eingriffe an COVID-19-Patienten verwendet. Außerdem können Parashields mit einem geringen Kostenaufwand hergestellt werden. Die Form und der durchsichtige Kunststoff gewähren Mitarbeiter*innen des Gesundheitswesens einen ungehinderten Blick auf den Patienten während eines Eingriffs. Die Höhe und der generelle Raum wurden so designt, dass es genügend Platz für die notwendigen Handgriffe gibt. Der Zugriff erfolgt über runde, abgedichtete Öffnungen im weichen Kunststoff. Durch seine zusammenklappbare Struktur kann der Parashield leicht verstaut und transportiert werden. Aufgrund dieser Flexibilität eignet sich der Schild besonders für Notfälle. Insgesamt erinnert das Ganze ein wenig an die Regenabdeckung eines Kinderwagens.

Der Parashield wird derzeit in einem großen singapurischen Krankenhaus unter Realbedingungen an Patienten getestet und kontinuierlich verbessert. Sobald der Schild optimiert wurde, will STUCK Design die Instruktionen und Fertigungsdimensionen online zugänglich machen, um Communitys die Möglichkeit zu geben, darauf zugreifen und die Parashields selbst herstellen und einsetzen zu können.

Auf der Homepage von STUCK Design sind noch weitere Innovationen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie zu sehen. Etwa ein UV-Reiniger für Mund-Nasen-Schutzmasken. Es ist schon erstaunlich, wie sich Designstudios rund um den Globus dieser Krise annehmen und mit ihren einzigartig-holistischen Fähigkeiten Dinge entwickeln, die in dieser ungekannten Notsituation Lösungen liefern. Designstudios in Hongkong, Shanghai oder eben Singapur sind ihren Kollegen im Westen dabei voraus. Einerseits können sie auf Erfahrungen mit anderen Virus-Epidemien (SARS-CoV-1) zurückgreifen, andererseits begann die aktuelle Krise (SARS-CoV-2) in Asien einige Zeit vor der Verbreitung in anderen Weltteilen.

STUCK Design

Die multidisziplinäre „Innovationsagentur“ STUCK Design wurde 2009 gegründet und hat ihren Sitz in Singapur. Das Team besteht aus Technologen, Universitätslehrern, Forschern, Designern und anderen Kreativen. Die Projekte reichen von Industrial Design, UX und UI, Software-Entwicklungen über Forschung und Strategie bis hin zu Raumgestaltungen und Marketing-Aktivitäten. STUCK Design hat internationale Designawards genauso gewonnen wie auch den renommierten President‘s Design Award von Singapur.


 

Weitere TOP-Artikel

Diese Website verwendet Cookies. Bitte akzeptieren Sie, um fortzufahren. Akzeptieren Informieren