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Designs zum Sammeln in Miami Beach

Emotional Rocks, Design Miami/

Erstmals in Miami: Emotional-Rocks von Apical Reform Studio, 2021 bei Zeel Studio erhältlich. © Apical Reform Studio

„Human Kind“ (der Mensch) ist das Thema der 17. Ausgabe von Design Miami/. Die Messe kehrt 2021 in den Pride Park zurück und hat mit Wava Carpenter eine neue Hauptkuratorin engagiert. Über 35 Galerien und sogenannte „Curio“-Ausstellung bilden das Programm, in dem Design im Vordergrund steht, das es Wert ist, gesammelt zu werden. Zudem stellen die Organisatoren die Frage, wie Design zu einer besseren Welt beitragen kann.

Design Miami/ wird als Hybrid-Veranstaltung durchgeführt. Das heißt, es gibt sowohl physische als auch digitale Formate. Darunter ein Online-Programm von Design Talks und virtuelle 3D-Touren. Alle in der wirklichen Welt ausgestellten Exponate werden eine Zeit lang auf designmiami.com zum Verkauf angeboten. „Da der Markt für Design-Sammlerstücke sowohl im physischen als auch digitalen Bereich immer stärker wächst, freuen wir uns viele neue Mitglieder in der Design Miami/-Familie begrüßen zu dürfen“, zeigt sich Jennifer Roberts, CEO von Design Miami/ begeistert.

Métropole no. 305 chairs, 1950 von Jean Prouvé, in der Galerie Patrick Seguin. © Galerie Patrick Seguin

Die eigentümliche Blanc-Collection von Jean-Luc Le Mounier (2021) ist bei Todd Merrill Studio verfügbar. © Todd Merrill Studio

Die neue Kuratorin Wava Carpenter legte den Fokus des Programms auf Design-Visionen für eine gerechtere und vernetztere Zukunft. „Designschaffende haben im Grunde immer darauf abgezielt, eine bessere Zukunft zu schaffen. Aber in den letzten Jahren haben die globalen Herausforderungen, denen sich die Menschheit gegenübersieht, existenzielle Ausmaße angenommen. Deshalb müssen sich Designer*innen in der Frage, was es in dieser Welt bedeutet, Mensch zu sein, grundlegend neu orientieren. Wir alle müssen bessere Hüter der Natur und voneinander werden”, betont Carpenter.

Physisch-virtueller Spielplatz

Wava Carpenter hat gemeinsam mit Anna Carnick (Anava Projects) eine Installation für den Miami Design District kuratiert. Für diese jährliche Auftragsarbeit wurden die Kreativateliers Studio Proba und Enjoy The Weather beauftragt. Mit diesem Projekt, das den Titel „Tomorrow Land“ trägt, wird das Viertel und speziell der Eingang zur Messe zu einem interaktiven Spielplatz – mit einer Reihe von Skulpturen, Sitzgelegenheiten und Ornamentierungen von Studio Proba. Die physische Installation dient dabei als Grundlage für ein interaktives, virtuelles Spiel von Enjoy The Weather. Eine eigene App mit AR-Technologie und Proximity-Beacons ermöglicht es den Besucher*innen, die von Studio Proba entwickelten Formen zu „sammeln“, anzupassen und ihre ganz eigenen Totems in ihre Wohnumgebung und darüber hinaus zu platzieren.

Neben vielen weniger bekannten Arbeiten sind bei Design Miami/ stets auch Galerien zu finden, die über Top-Designs des heutigen Markts für Sammlerdesigns verfügen. Darunter sind sowohl Meisterstücke aus dem 20. Jahrhundert wie etwa von Pierre Jeanneret, Charlotte Perriand oder Verner Panton als auch zeitgenössische Highlights von Daniel Arsham, Katie Stout oder den Haas Brothers.

Die „Moderne Gallery“ zum Beispiel präsentiert eine Auswahl an sehr seltenen Mid-Century-Designs mit einem Schwerpunkt auf Studio Craft Movement-Stücken. Einzigartig ist der erste Möbelentwurf von George Nakashima: der Karuizawa-Stuhl (1935), gefertigt für die katholische Kirche St. Pauls in Karuizawa, Japan. Bis vor Kurzem waren weltweit nur zwei dieser Stühle bekannt. Über dem Cryptomerie-Rahmen des Stuhls ist eine Sitzfläche aus gewebten Grasfäden gespannt. Hier finden traditionelle Materialien und moderne Sensibilität zueinander.

Karuizawa-Stuhl, 1935 von George Nakashima in der Moderne Gallery. © Moderne Gallery und George Nakashima

Kurioses und Neues

Die Ausstellungsplattform „Curio“ verbindet Designer*innen, Architekt*innen, Kurator*innen und Galerist*innen, um Objekte, Texturen, Artefakte und Ideen zusammenzubringen, die über den Tellerrand von vertrauten Design-Narrativen hinauszublicken. Die 19 „Curios“ sind im Galerieprogramm verteilt und stellen Momentaufnahmen der heutigen Designlandschaft dar. Darunter befinden sich 13 bisher wenig bekannte Namen wie Bea Interiors Design, Bohinc Studio, James de Wulf, Objective Gallery, PELLE, Tuleste Factory oder Verdi.

Die Non-profit Organisation und Plattform „House of Today“ kehrt nach ihrer ersten Curio-Präsentation im Jahr 2017 mit einer Einzelausstellung des libanesischen Designers Khaled El-Mays nach Miami zurück. Diese neue Werkserie entstand in Zusammenarbeit mit Kunsthandwerkern in Mexiko-Stadt und ist eine Fortsetzung der langjährigen Kooperation zwischen El-Mays und House of Today. Die fünfteilige Serie trägt den Titel „New Nature“ und umfasst zwei Spiegel, eine Bar, eine Bank und den allerersten Stuhl des Designers aus Leder, Holz, Bast und Korbgeflecht sowie Keramik, einem neuen Material für El-Mays.

Stuhl mit Wuschelkopf: der NN-Chair, 2021 von Khaled El-Mays ist bei House of Today zu sehen. © House of Today / Khaled El-Mays

Zu den Highlights der diesjährigen „Curio“-Präsentationen zählen die Erstaussteller Apical Reform & ZEEL Studio – eine Zusammenarbeit zwischen den Designern Amrish Patel, Darshan Soni und Gordana Zgonjanin, die von dem in Miami ansässigen ZEEL-Studio präsentiert wird. Ihr Debüt heißt „Emotional Rocks“, eine Installation, die darauf abzielt, die Essenz der Zeit durch den Einfluss der immateriellen Aspekte von Emotionen auf harte Objekte wie Steine einzufangen. Die „Emotional Rocks“ sowie die „kinetischen Bänke“ Blurry Stars werden auch in den öffentlichen Bereichen der Design Miami/ platziert sein und bieten den Besucher*innen einen Ort zum Ausruhen und Zeit, um ihre Beziehung zur Welt zu überdenken.

Utopien des Lichts

Davide Groppi bringt seine Ausstellung „Buio. Utopias of light“ nach der erfolgreichen Premiere auf der Mailänder Designwoche im September nun nach Miami. Bei „Luminaire Lab“ zeigt der Lichtdesigner eine Art Labyrinth, wobei die Lichtkreationen wie ferne Schimmer aus völliger Dunkelheit auftauchen. Es sind Werke der völlig freien Fantasie, Negationen der Funktionalität oder Rationalität, Widersprüche, Allegorien und Utopien. Die einzelnen Bilder sind auch als Hommagen zu verstehen. Zum Beispiel an René Magritte, Ingo Maurer, Yves Klein, John Cage oder Achille Castiglioni. Die Schau läuft vom 2. bis 31. Dezember 2021.

Das Bild „Afrikanische Nacht“ ist von der Poesie Fausto Melottis inspiriert und Teil der Ausstellung „Buio. Utopias of light“ von Davide Groppi. © Davide Groppi srl

Die Utopie „Fireflies“ ist eine Hommage an den legendären Lichtdesigner Ingo Maurer. © Davide Groppi srl

Davide Groppis „Dancing in the dark“ soll an die innovativen Mobile Alexander Calders erinnern. © Davide Groppi srl

Wer braucht schon neue Formen – das Readymade „Millepiedi“ der Ausstellung „Buio“ besteht aus im Handel erhältlichen Teilen. Groppi hatte dabei den Meister Achille Castiglioni im Kopf. © Davide Groppi srl

Die Design Miami/ findet vom 1. bis 5. Dezember im Pride Park gegenüber dem Miami Beach Convention Center, Florida statt.


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