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Die am Wandel arbeiten – Deutscher Nachhaltigkeitspreis Design

von Markus Schraml

Im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitspreises (DNP) wurden heuer erstmals auch ökologisch wirksame Leistungen im Bereich Design ausgezeichnet. Beim DNP Design wurden die 37 besten Produkte und Systeme aus 104 Finalist*innen geehrt. Darunter waren sowohl Start-ups und junge Talente als auch Großkonzerne und renommierte Hersteller. „Die vielen hervorragenden Einreichungen und die engagierte, erstklassige Jurybeteiligung haben uns darin bestärkt, dass wir mit unserem neuen Design-Wettbewerb ein sensibles und wichtiges Thema aufgegriffen haben, das trotz oder vielleicht auch gerade wegen der aktuellen Pandemie besondere Relevanz erhält“, sagt DNP-Initiator Stefan Schulze-Hausmann.

„Auffällig sind die vielen prozessorientierten Beiträge und Kreislaufsysteme, die wir ausgezeichnet haben. Design ist hier quasi unsichtbar, es zeigt sich besonders stark durch seine Funktionalität und die damit verbundene Wirkung“, erläutert Torsten Meyer-Bogya, Vorsitzender der Allianz Deutscher Designer (AGD) und Teil der über 40-köpfigen Expertenjury. So hat die bekannte Marke für Fahrradschläuche Schwalbe die Jury mit ihrem Rücknahme- und Recyclingsystem für Altschläuche überzeugt. Ausgezeichnet wurde auch das Shiftphone, das für den/die Nutzer/in leicht reparierbar ist und nach Gebrauch per Pfandsystem retourniert werden kann. Das Möbel-Start-up WYE mit seinem Werkstoff Neolign® aus Industrieabfällen setzt ebenfalls auf einen ganzheitlichen Ansatz mit Rücknahmeservice.

Gegen die Wegwerfkultur

Dinge selbst zu reparieren, war bei diesem Award ein wichtiges Thema. Die Sieger-Auszeichnung ging an die Online-Community von Ifixit, die konkrete Hilfestellung bei der DIY-Reparatur gibt. Zu den Gewinnern zählt auch das Netzwerk Reparatur-Initiativen, das bundesweit kostenlose Reparaturveranstaltungen anbietet. Das per Baukastenprinzip konstruierte Küchengerät SOUL (Florian Wittmann) lässt sich einfach und von jeder/jedem selbst reparieren.

Nachhaltige Mode und Textilien sind stark auf dem Vormarsch, was die Vielzahl der Sieger*innen aus dem Bereich Kleidung und Accessoires belegt. Hier finden sich die FlipFlops „Cocolette“ aus ökologischen Materialien, Biodiversität fördernde Mode von Cocccon, biologisch abbaubare Textilien von OceanSafe, das britische Label Fanfare, Biounterwäsche von Erlich Textil sowie nachhaltige Businesskleidung für Frauen von Nina Rein. Durchgesetzt haben sich zudem Materialinnovationen aus unterschiedlichen Bereichen wie Bananatex® (QWSTION), das weltweit erste technische Gewebe aus Fasern der Bananenpflanze. Auch Continental gewann mit seinem neuartigen, aus in Deutschland angebautem Löwenzahn-Kautschuk Urban Taraxagum, ebenso wie das aus Bioabfällen hergestellte äußerst robuste Material Apeel von Youyang Song.

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

Produkte aus nachwachsenden, recycelten und wiederverwertbaren Werkstoffen bildeten eine große Gruppe unter den Siegern des DNP Design: Im Bereich Bau und Einrichtung überzeugten die nahezu komplett kreislauffähige Leuchte AYNO von Midgard sowie Lea Schückings neuartige Fliesen Shards aus mineralischen Bauabfällen. Außerdem zählt das umweltfreundliche Hauskonzept Wikkelhouse aus Pappe zu den Siegern. Aber auch Designklassiker können nachhaltig sein: Der Wiener Kaffeehausstuhl 214 von Thonet und der Artek-Hocker Stool 60 sowie die Staubsauger-Ikone DC01 von Dyson fanden die breite Zustimmung der Jury.

Im Bereich Packaging kamen bekannte Namen zum Zug: Zum Beispiel der Lippenpflegestift Samtweich von Kneipp mit seinem nachhaltig gestalteten Verpackungsdesign sowie die kreislauffähigen Verpackungen von Frosch. Prämiert wurden Zukunftsvisionen aus dem Bereich nachhaltiges Bauen im urbanen Raum: Mit dem WOODSCRAPER haben Partner und Partner Architekten ein klima- und ressourcenpositives Gebäudeprinzip für Hochhäuser entwickelt. urban:eden lab (Paulina Grebenstein) wiederum ist ein städteplanerisches Konzept für ein innovatives, dezentrales Regenwassermanagementsystem. Bemerkenswerte Lösungen gab es auch bei ressourcenschonenden Produkten: die Zahnputztabletten Denttabs, plastikfreie Putzmittel-Tabs von everdrop, die wiederverwendbare Menstruationstasse Lunette sowie die Mehrwegwindel Sumo. Darüber hinaus gewannen das proteinreiche Tierfutter aus Insekten von MjAMjAM sowie das Wassersystem GROHE Blue mit Filter-, Kühl- und Sprudeltechnologie in ein und derselben Armatur Preise.

Die Kraft der Sonne

Im Bereich Mobilität erhielt der Personenzug Mireo von Siemens Mobility, der mit Batterie und zukünftig auch auf Basis von Wasserstoff angetrieben werden kann, eine Auszeichnung. Das Thema erneuerbare Energien spiegelt sich in den Siegern SolteQ, Hersteller von Solardachziegeln, dem Solarstromspeicher sonnenBatterie sowie den Solarpanelen für den Balkon SolMate von EET wider. Das Auswahlgremium prämierte zudem vorbildhafte Kampagnen wie „Weniger ist leer“ von Brot für die Welt, die seit 15 Jahren auf die ungerechte Verteilung von Nahrungsmitteln aufmerksam macht. Mit dem Furniture Footprint, einem interaktiven System zur Bewertung der Nachhaltigkeit seiner Produkte, zählt auch der Möbelhersteller Zeitraum zu den Siegern des DNP Design 2021.

Die Preisverleihung fand als Hybridveranstaltung im MARITIM Hotel Düsseldorf statt. Die Finalisten sowie der Großteil der Jurymitglieder waren per Video zugeschaltet. Auch Dieter Rams, der den ersten Ehrenpreis des DNP Design erhielt, bedankte sich mit einer Videobotschaft. Einen Tag nach dieser Preisvergabe wurde der 13. Deutsche Nachhaltigkeitspreis auf die gleiche Art und Weise in den anderen Kategorien verliehen. Den Preis für nachhaltige Architektur erhielt das Holzhochhaus SKAIO vom Berliner Büro Kaden+Lager in Heilbronn. Über alle Preisträger*innen können sich Interessierte auf der Website des Deutschen Nachhaltigkeitspreises näher informieren.

Sieger des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Architektur: Holzhochhaus SKAIO von Kaden+Lager. Foto: Bernd Borchardt

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