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Cersaie 2026: Designvielfalt und Kostendruck

von Markus Schraml
„Orobica“ von Casalgrande Padana orientiert sich an Dolomit-Brekzie und deren unregelmäßigen Einschlüssen. © Casalgrande Padana

Natursteinoptik und Kunstharzeffekte, skulpturale Waschbecken und passgenaue Duschen: Die Cersaie 2026 zeigte, wie breit das Angebot für Architektur und Badgestaltung ist. Wirtschaftlich fiel die Bilanz nüchterner aus. Denn eine stabile Messe ist noch kein Beleg für einen Aufschwung der Branche.

Zur 43. Ausgabe kamen laut Veranstalter 92.352 Besucher nach Bologna, um 2,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Während die italienische Besucherzahl um 3,7 Prozent auf 47.852 sank, blieb der internationale Zuspruch mit 44.500 Besuchern und einem Minus von 0,9 Prozent nahezu konstant. Der Auslandsanteil erreichte 48,2 Prozent. Auf 145.000 Quadratmetern in 16 Hallen präsentierten sich 595 Unternehmen: 314 aus dem Fliesenbereich, 96 aus der Badeinrichtung und 185 aus Verlegung, Rohstoffen, neuen Oberflächen und Dienstleistungen. 233 Aussteller kamen aus dem Ausland. Insgesamt waren 24 Länder vertreten.

Materialwirkung und räumliche Präzision

Bei den Oberflächen stehen unterschiedliche ästhetische Ansätze nebeneinander. Casalgrande Padana beispielsweise überträgt mit „Premium“ den Eindruck handwerklich verarbeiteten Kunstharzes auf Feinsteinzeug. „Orobica“ orientiert sich dagegen an Dolomit-Brekzie und deren unregelmäßigen Einschlüssen. Beide Kollektionen verdeutlichen einen etablierten Entwicklungsweg. Keramik verbindet die Optik anderer Materialien mit ihren eigenen technischen Eigenschaften. Die Differenzierung liegt dabei zunehmend in Nuancen und Oberflächenwirkungen.

Mit „Premium“ übertragt Casalgrande Padana den Eindruck handwerklich verarbeiteten Kunstharzes auf Feinsteinzeug. © Casalgrande Padana

Im Bad reicht das Spektrum von individueller Anpassung bis zum ausdrucksstarken Einzelobjekt. Duka setzt auf maßgefertigte Duschlösungen und Öffnungssysteme für enge Grundrisse. Eine Drehfalttür erleichtert den Zugang, wenn Möbel oder Sanitärobjekte wenig Bewegungsraum lassen. Glass Design Italy verfolgt mit „Essenza Murano“ einen anderen Ansatz. Das Aufsatzwaschbecken aus Muranoglas besitzt eine geschwungene, kelchartige Form. Farbe, Transparenz und handwerkliche Verarbeitung bestimmen seinen Charakter. Funktionale Raumnutzung und dekorative Eigenständigkeit sind somit beides Themen der Badgestaltung.

Auch die Ceramics of Italy Tile Competition machte erweiterte Einsatzmöglichkeiten sichtbar. Bei der ausgezeichneten Villa Delago am Gardasee von JM Architecture dienen großformatige Platten von Casalgrande Padana zur Verkleidung des Daches. Der besonders erwähnte „Staples Table“ des Londoner Büros Smiths erprobt Feinsteinzeug als Konstruktion. Seine Flächen werden ohne Klebstoffe oder mechanische Befestigungen montiert und durch ihr Eigengewicht stabilisiert. Die Demontierbarkeit eröffnet eine Perspektive in Richtung Wiederverwendung.

Investitionen als entscheidende Größe

Der wirtschaftliche Spielraum bleibt begrenzt. Laut Confindustria Ceramica stiegen 2025 die verkauften Mengen italienischer Fliesen um 2,3 Prozent, während der Umsatz um 0,4 Prozent auf rund sechs Milliarden Euro sank. Die Investitionen gingen um 16 Prozent auf 321 Millionen Euro zurück. Energie- und CO₂-Zertifikatskosten belasten nach Verbandsangaben die Erträge. Für einen exportorientierten Industriezweig ist das eine schwierige Ausgangslage.

Die nächste Cersaie findet vom 27. September bis 1. Oktober 2027 statt. Bis dahin wird sich zeigen, ob aus der Designvielfalt auch höhere Nachfrage entsteht – und ob die Hersteller genügend Mittel für effizientere Produktion und weitere Entwicklungen aufbringen können.


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