Wo einst Autos auf einer versiegelten Fläche parkten, ist in Antwerpen ein öffentlicher Freiraum entstanden, der Stadtklima, Wassermanagement und Aufenthaltsqualität miteinander verbindet. Der Zuidpark wurde mit dem European Prize for Urban Public Space 2026 ausgezeichnet. Das Projekt von Tractebel, atelier adr und Georges Descombes überzeugte die Jury mit der Transformation eines städtischen Unorts in eine vielseitig nutzbare Parklandschaft.
Die Geschichte des Areals reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Die ehemaligen Hafenbecken der Gedempte Zuiderdokken wurden in den 1960er-Jahren zugeschüttet und später als Parkplatz genutzt. Die großflächige Asphaltierung ließ die Umgebung im Sommer zur Hitzeinsel werden und verhinderte, dass Regenwasser auf natürlichem Weg versickern konnte. Mit der Neugestaltung wurde diese Fläche nicht einfach begrünt, sondern als Teil einer umfassenderen städtischen Infrastruktur neu gedacht.
Landschaft als funktionale Infrastruktur
Die historische Gliederung der früheren Docks bildet weiterhin die Grundlage für die räumliche Organisation. Eine große zentrale Wiese, ein linearer Wassergarten, Rückzugsorte und Sportbereiche schaffen unterschiedliche Möglichkeiten der Nutzung. Drei Plätze verbinden die einzelnen Parkbereiche mit dem umliegenden Viertel, seinen Museen und Cafés. Der Freiraum ist damit nicht nur Erholungsgebiet, sondern auch ein Bindeglied zwischen Nachbarschaft und Stadtraum.
Entscheidend ist die Verbindung von Gestaltung und Ökologie. Versiegelte Flächen wurden entfernt, zahlreiche Bäume und andere Pflanzen gesetzt. Das entstehende System sammelt und bewirtschaftet das Regenwasser des gesamten Bezirks. Auch die Vergangenheit bleibt sichtbar. Steine der ehemaligen Hafenbecken wurden wiederverwendet und in die neue Anlage integriert.

Die Jury würdigte insbesondere, wie technische Infrastruktur, historische Erinnerung und Landschaftsarchitektur zusammenwirken. Der Zuidpark zeigt, dass ökologische Stadtentwicklung nicht allein eine technische Aufgabe ist. Sie muss zugleich Räume schaffen, die im Alltag funktionieren und unterschiedliche Formen öffentlicher Nutzung ermöglichen.
Eine besondere Erwähnung erhielt das Projekt Round About Baths des Architekten Leopold Banchini im spanischen Logroño, das die Bedeutung öffentlicher Brunnen für das städtische Leben hervorhebt. Der Wettbewerb verzeichnete mit 381 Einreichungen aus 38 europäischen Ländern eine Rekordbeteiligung. Seit 2000 zeichnet der European Prize for Urban Public Space beispielhafte Projekte zur Gestaltung, Umgestaltung und Wiedergewinnung öffentlicher Räume aus.