Was ist ein Gegenstand, wenn Licht und Farbe seine Wahrnehmung bestimmen? Diese Frage zieht sich durch das Werk von Sabine Marcelis. Die 1985 geborene Designerin, die ihr Studio in Rotterdam betreibt, arbeitet mit Materialien, deren optische Eigenschaften ebenso wichtig sind wie ihre Form. Transparenz, Spiegelungen, Farbübergänge und Lichtbrechungen werden zu Gestaltungsmitteln, die Objekte regelrecht verändern. Das Museum für Gestaltung Zürich widmet ihr nun mit „Sabine Marcelis – Light and Color“ erstmals eine umfassende Einzelausstellung.
Vom Objekt zur Wahrnehmung
Die Schau spannt einen Bogen über rund fünfzehn Jahre – von frühen Arbeiten wie „Tall Stripe“ bis zu aktuellen Projekten. Zu sehen sind Möbel, Leuchten und Spiegel ebenso wie experimentelle Einzelstücke und Installationen. Die Werkgruppe „Candy Cube“ etwa zeigt exemplarisch Marcelis’ Interesse an eingefärbtem Harz. Farbe sitzt hier nicht einfach auf einer Oberfläche, sondern durchdringt das Material und wird abhängig vom Lichteinfall unterschiedlich wahrgenommen.
Gerade diese Verbindung von Material und optischem Effekt ist charakteristisch für Marcelis. Ihre Entwürfe entstehen häufig aus der Auseinandersetzung mit Herstellungsverfahren und den Grenzen eines Materials. Harz kann Licht aufnehmen und weiterleiten, Glas erzeugt Transparenz und Brechung, verspiegelte Flächen vervielfachen Räume. Die geometrisch meist klaren Formen schaffen dafür eine Art Bühne.
Die Ausstellung will diesen Entstehungsprozess nachvollziehbar machen und zeigt deshalb auch Materialproben und Experimente. Marcelis geht es dabei nicht allein um die Entwicklung eines bestimmten Produkts. Vielmehr untersucht sie, was passiert, wenn sich Material, Licht und Bewegung gegenseitig beeinflussen.
Licht als räumlicher Effekt
Besonders unmittelbar lässt sich das in den eigens für die Ausstellung entwickelten Inszenierungen erleben. Ein Lichttunnel mit Leuchten der gemeinsam mit IKEA Schweiz entstandenen VARMBLIXT-Kollektion arbeitet mit Spiegelungen und erzeugt eine visuelle Tiefe, die weit über die tatsächlichen Abmessungen des Raumes hinausgeht.
Noch stärker wird der Ausstellungsraum selbst zum Bestandteil des Entwurfs bei „Mathmos Lava Columns“. Die von Marcelis für den britischen Hersteller Mathmos entwickelten überdimensionierten Lavalampen reichen bis zur Decke. Die sich langsam bewegenden farbigen Formen, ihr Licht und die Spiegelungen lassen den Raum weniger statisch erscheinen. Aus einer Reihe von Leuchten wird eine raumgreifende Installation.
Auch die Gestaltung der Ausstellung stammt von Marcelis’ Studio. Klare geometrische Elemente bilden den Rahmen für die Werke, während eine gezielte Beleuchtung deren unterschiedliche Materialwirkungen hervorhebt. Dadurch entsteht kein klassischer Parcours durch eine chronologisch geordnete Designkarriere. Vielmehr werden einzelne Arbeiten zu Stationen einer Untersuchung darüber, wie wir Farbe, Licht und Material überhaupt wahrnehmen.

Sabine Marcelis bewegt sich dabei zwischen Produktdesign, Kunst und Architektur, ohne diese Bereiche eindeutig voneinander zu trennen. Genau darin liegt die Besonderheit ihres Ansatzes. Ein Spiegel kann Skulptur werden, eine Leuchte zum Raumobjekt, ein Möbel durch seine Materialwirkung zur visuellen Installation. „Light and Color“ macht diese Übergänge nicht nur sichtbar, sondern lässt sie im wahrsten Sinn des Wortes erleben.
Sabine Marcelis – Light and Color, Museum für Gestaltung Zürich, Toni-Areal, 30. Oktober 2026 bis 4. April 2027.