Home DesignStummer Diener: Ein unterschätzter Möbeltypus

Stummer Diener: Ein unterschätzter Möbeltypus

von Markus Schraml
Roberto Lazzeronis „Chambre Close“ für Ceccotti Collezioni. © Mario Ciampi

Kleidung ablegen, Ordnung schaffen, den Raum gestalten: Der Stumme Diener ist ein funktionales Möbel mit langer Geschichte. Dass er auch als zeitgenössisches Designobjekt überzeugt, beweist Chambre Close von Ceccotti Collezioni. Der Entwurf von Roberto Lazzeroni feiert 2026 sein 30-jähriges Jubiläum.

Jackett, Hose, Hemd und Accessoires für den nächsten Tag griffbereit aufzubewahren, ist die ursprüngliche Aufgabe des Stummen Dieners. Was einst die Arbeit eines Hausangestellten war, übernahm später ein Möbelstück aus Holz oder Metall. Der Name Herrendiener verweist auf diese historische Funktion. Heute ist der Kleiderständer längst nicht mehr nur Männern vorbehalten, sondern eine praktische Ergänzung für Schlaf- und Ankleidezimmer.

Seine Gestaltung reicht vom klassischen Holzgestell bis zur reduzierten Konstruktion, die Kleiderbügel, Hosenhalter und Ablageflächen kombiniert. Italienische Hersteller haben den Möbeltyp immer wieder neu interpretiert. In den 1950er- und 1960er-Jahren prägten etwa die Kleiderdiener von Fratelli Reguitti das Bild. Später griffen Designer die Idee mit einer skulpturalen, bisweilen experimentellen Formensprache auf.

Stumme Diener Made in Italy

Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist Chambre Close von Ceccotti Collezioni. Roberto Lazzeroni entwarf das Möbel 1996, inspiriert vom Radical Design und japanischen Ideogrammen. Statt eines herkömmlichen Kleiderständers entstand eine leichte Konstruktion, die zugleich als Sitzgelegenheit dient. Rückenlehne, Jackenhalter, Hosenstange und seitliche Haken für Gürtel oder Krawatten sind zu einer klaren, fast zeichenhaften Form zusammengefügt. Das Möbel wiegt weniger als drei Kilogramm.

Gefertigt aus massivem amerikanischem Nussbaum, lässt sich Chambre Close durch unterschiedliche Holzoberflächen sowie Sitzbezüge aus Stoff oder Leder variieren. Sondereditionen zeigen, wie wandelbar der Entwurf ist. Für eine Zusammenarbeit mit Berluti kam handbemaltes Leder zum Einsatz. Eine auf 28 Exemplare limitierte Ausführung wurde aus Zypressenholz gefertigt, das wegen einer Erkrankung der Bäume in der historischen Ortschaft Bolgheri entfernt werden musste. 2021 wurde der Entwurf zudem in das Kulturprojekt Quirinale Contemporaneo aufgenommen, das italienisches Design und Kunst in den Räumen des Amtssitzes des Staatspräsidenten präsentiert.

Auch andere italienische Hersteller beweisen, dass der Stumme Diener mehr sein kann als ein zweckmäßiges Schlafzimmermöbel. Yannik von Cattelan Italia verbindet mattschwarzen Stahl mit Canaletto-Nussbaum und einer Sitzfläche aus Holz oder Leder. Liz-Valet von Giorgetti setzt auf Holz und eine eigenständige, elegante Gestaltung. Bei Bonaldos Luigio steht die reduzierte Metallkonstruktion im Mittelpunkt.

Special Edition von Chambre Close in zweifarbiger Lakierung. © Massimo Gardone

Diese Entwürfe zeigen, wie sich ein etwas aus der Mode gekommener Gebrauchsgegenstand mit neuen Formvarianten behauptet. Chambre Close ist dafür ein besonders überzeugendes Beispiel. Drei Jahrzehnte nach seiner Entstehung wirkt der Entwurf immer noch gewagt und modern. Zudem erfüllt er seine Aufgabe – Kleidung für den nächsten Tag geordnet bereit zu halten – und ruht sich nicht auf der außerirdischen Schönheit seiner Gestalt aus.


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