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ORGATEC 2026: Arbeitswelten zwischen Wohlbefinden, Akustik und Begegnung

von Markus Schraml
Ein Thema, das immer mehr Aufmerksamkeit erhält, ist die Akustik in Büroräumen. © © Koelnmesse GmbH, Oliver Wachenfeld

Vom 27. bis 30. Oktober wird Köln zum Treffpunkt für die Gestaltung zukünftiger Arbeitswelten. Im Rahmen der ORGATEC steht Designgeschichte neben neuen Raumkonzepten und Fragen nach zeitgemäßer Arbeitskultur finden Antworten in konkreten Lösungen für bessere Arbeitsumgebungen.

Vom Arbeitsplatz zum sozialen Ökosystem

Wie müssen Räume gestaltet sein, damit sie konzentriertes Arbeiten ebenso ermöglichen wie Austausch, Kreativität und Erholung? Diese Herausforderung steht im Zentrum der ORGATEC 2026. Unter dem Leitthema „From rooms to relationships: designing spaces in an ever-changing world“ richtet die internationale Fachmesse den Blick auf Interieurs, die sich veränderten Aufgaben, Teams und Organisationsformen anpassen. Das Büro wird dabei weniger als Ansammlung einzelner Arbeitsplätze verstanden, sondern als räumliches Gefüge unterschiedlicher Funktionen und sozialer Beziehungen.

Dass diese Auseinandersetzung auch historische Wurzeln hat, zeigt eine Sonderausstellung zum Eames Pavilion System von Kettal (in Zusammenarbeit mit dem Eames Office). Zwei begehbare Ausführungen, ergänzt durch Zeichnungen, Fotografien und Filme, vermitteln Einblicke in das architektonische Werk von Charles und Ray Eames und ihre Überlegungen zu flexiblen, anpassungsfähigen Strukturen.

Ein Höhepunkt auf der kommenden Orgatec ist die Sonderausstellung zum Eames Pavilion System. © Salva Lopez. 2026 Eames Office, LLC., 2026 Kettal, SL

Was die fachliche Einordnung neuer Entwicklungen betrifft, erhalten herausragende Beispiele zum 14. Mal den Innovationspreis Architektur+ Office. Ausgewählte Produkte und Konzepte werden aus architektonischer Perspektive bewertet und während der Messe in einer Sonderausstellung präsentiert. Guided Tours ergänzen das Angebot mit thematischen Rundgängen zu Gesundheit, Flächenoptimierung, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und künstlicher Intelligenz.

Auch die Arbeitskultur selbst wird zum Gegenstand des Austauschs. Das „Wherever Whenever – Work Culture Festival“ versammelt in Halle 6 Vorträge, Panels, Workshops und interaktive Formate. Die Schwerpunkte reichen von Arbeitsumgebungen, die Menschen stärken, über Zusammenarbeit und Unternehmenskultur bis zu Nachhaltigkeit, Innovation und KI.

Sedus: Das Büro als Lebensraum

Mit „Spaces that Care – Wellbuilding for Human Nature“ legt Sedus den Fokus auf das Verhältnis zwischen räumlicher Gestaltung und menschlichem Wohlbefinden. Der Ansatz geht über einzelne Komfortangebote oder Rückzugsräume hinaus. Entscheidend ist vielmehr, wie eine Arbeitsumgebung unterschiedliche Bedürfnisse im Tagesverlauf berücksichtigt und den Wechsel zwischen Konzentration, Kommunikation, Bewegung und Erholung unterstützt.

Im Vorfeld der ORGATEC 2026 stellt Sedus sein Messemotto „Spaces that Care – Wellbuilding for Human Nature“ vor. © Sedus

Marketing Director Ernst Holzapfel beschreibt das Büro als Ökosystem verschiedener Habitate. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Menschen weder durchgehend Ruhe noch ständig Austausch benötigen. Je nach Aufgabe und Situation sind unterschiedliche räumliche Bedingungen gefragt. Eine gut organisierte Arbeitsumgebung sollte deshalb Wahlmöglichkeiten schaffen, statt allen Beschäftigten dieselbe Arbeitsweise vorzugeben.

Der Begriff „Wellbuilding“ verbindet Wohlbefinden mit der Gestaltung von Architektur, Einrichtung, Atmosphäre und Arbeitsorganisation. Das Büro sollte nicht nur funktional sein, sondern Bedingungen schaffen, unter denen sich Menschen orientieren, miteinander in Verbindung treten und zugleich ungestört arbeiten können. Für Unternehmen kommt eine weitere Anforderung hinzu – Räume müssen sich an veränderte Teams und Arbeitsabläufe anpassen lassen.

Auf der ORGATEC will Sedus diesen Ansatz anhand neuer Produkte, Produkterweiterungen und räumlicher Lösungen zeigen. Im Mittelpunkt steht das Zusammenspiel der einzelnen Elemente und ihrer Nutzung, nicht das isolierte Möbelstück.

Haworth: Akustik als strategische Raumplanung

Neben der räumlichen Flexibilität gehört die Akustik zu den zentralen Herausforderungen moderner Büros. Der Arbeitsplatz ist häufig auch ein Ort permanenter sprachlicher Ablenkung. Gespräche von Kollegen, Telefonate und Besprechungen beeinträchtigen die Konzentration, selbst wenn sie nicht unmittelbar am eigenen Tisch stattfinden.

Wie verbreitet das Problem ist, zeigen von Leesman erhobene Daten. Nur 35 Prozent der Befragten sind mit dem Lärmpegel in ihrem Büro zufrieden. Bei den besonders gut bewerteten Arbeitsumgebungen liegt der Wert bei 45 Prozent. Der Unterschied deutet darauf hin, dass sich die akustische Qualität durch eine durchdachte Gestaltung verbessern lässt.

„One Work“ von Framery ist eine 2,5 m² große Kabine, die für private Momente im Großraumbüro sorgt – akustisch abgeschirmt. © Framery

Haworth setzt dabei auf ein differenziertes Verständnis von Sprachverständlichkeit. Gespräche sollen dort gut zu verstehen sein, wo Teams Informationen austauschen und gemeinsam arbeiten. In angrenzenden Konzentrationsbereichen ist dagegen weniger verständliche Sprache erwünscht. Akustik bedeutet somit nicht, sämtliche Geräusche zu unterdrücken, sondern sie abhängig von Tätigkeit und Raum gezielt zu steuern.

Dafür lassen sich vier Strategien kombinieren: Schall absorbieren, abschirmen, einschließen und störende Aktivitäten räumlich verlagern. Absorbierende Oberflächen reduzieren den Nachhall. Abschirmungen begrenzen die Ausbreitung von Geräuschen zwischen unterschiedlichen Bereichen. Geschlossene Telefon- und Arbeitskabinen halten Gespräche am Entstehungsort zurück und schaffen Privatsphäre. Ergänzend können informelle Kommunikationszonen so angeordnet werden, dass kurze Gespräche nicht unmittelbar neben konzentriert arbeitenden Personen stattfinden.

Aus dieser Kombination entsteht ein akustisches Ökosystem, das verschiedene Anforderungen innerhalb eines Büros berücksichtigt. Die Beschäftigten können je nach Aufgabe eine passende Umgebung wählen. Gerade wenn das Büro stärker als Treffpunkt für Zusammenarbeit genutzt wird, gewinnt diese Differenzierung an Bedeutung.

Unterschiedliche Bedürfnisse, gemeinsame Aufgabe

Die Ansätze von Sedus und Haworth verdeutlichen zwei miteinander verbundene Aspekte der Büroplanung. Wohlbefinden entsteht nicht allein durch ergonomische Möbel oder attraktive Aufenthaltsbereiche. Ebenso wichtig sind die räumliche Organisation, die Möglichkeit zum Wechsel zwischen unterschiedlichen Arbeitsformen und eine Akustik, die sowohl Austausch als auch Rückzug zulässt.

Die ORGATEC 2026 führt diese Fragen mit unterschiedlichen Perspektiven auf die Arbeitskultur zusammen. Vom 27. bis 30. Oktober bietet Köln einen Überblick darüber, wie sich Arbeitsräume künftig weniger an standardisierten Arbeitsplatzmodellen und stärker an den tatsächlichen Anforderungen ihrer Nutzer orientieren können.


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