Home Design Kein Platz fürs Homeoffice? – damit gehts dennoch

Kein Platz fürs Homeoffice? – damit gehts dennoch

von Markus Schraml
Chapter, Schönheit, Loehr

Wenn die Wohnung eigentlich zu wenig Platz fürs Homeoffice bietet, gibt es raffinierte Lösungen, die so kompakt und reduziert sind, dass sie in jeden Winkel passen. Das Wichtigste für die Büroarbeit zu Hause ist der Schreibtisch. Wer nicht auf Ess- oder Couchtisch seine berufliche Zeit am Laptop verbringen will – es spricht einiges dagegen – muss eine platzsparende Variante finden. Glücklicherweise gibt es eine ganze Reihe von Möbelherstellern, die dafür kleine Schreibtische und Sekretäre entwickelt haben. Viele Produzenten verwenden den Begriff Sekretär, obwohl das präsentierte Möbelstück dem historischen Vorbild mit Fächern und Verschließbarkeit nicht entspricht. Oft sind es einfach sehr kleine, minimalistische Tische.

Das Schreibtischchen „Nida“ von DVO, das mit seiner zeitgemäß reduzierten Gestaltung ein Paradebeispiel heutiger Sekretäre ist, kann zumindest mit einer Schublade ausgestattet werden. Der hintere Aufbau versteckt die Verkabelung, bietet durch seine Höhe aber auch Sichtschutz. Ob dieser im Heimbüro notwendig ist, sei dahingestellt. Das Thema des einfachen Transports sowie Auf- und Abbaus steht beim Tisch „Plato“ von Müller Möbelwerkstätten im Fokus. Das Unternehmen griff dabei einen Entwurf dreier junger Designer, Alissa Arends, Leon Bucher und Yelim Kim auf, die dafür beim Pure Talents Contest 2018 ausgezeichnet wurden. Durch seine Einfachheit eignet er sich nicht nur als Schreibtisch, sondern auch als Ess- oder Anrichte-Tisch. Auffällig ist die asymmetrische Konstruktion der Basis, die dem Tisch allerdings soviel Stabilität verleiht, dass man auch ohne Probleme darauf sitzen kann.

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Der Schreibtisch „pisa“ von TEAM 7 erinnert schon eher an einen traditionellen Sekretär. Der natürliche Holztisch verfügt über einen Aufbau, der als praktische Ablage dient. Als besonderes Feature kann der Tisch elektrisch stufenlos in der Höhe verstellt werden und ermöglicht so das Arbeiten auch im Stehen. Die Hubtechnologie ist in eine schräg eingebaute Metallsäule integriert. Deshalb erscheint die Tischbasis wie bei „Plato“ asymmetrisch.

„pisa“-Sekretär von TEAM 7. Design: Kai Stania. © TEAM 7
„pisa“ ist stufenlos höhenverstellbar. © TEAM 7

Ein weiterer kleiner Schreibtisch, an dem im Sitzen wie im Stehen gearbeitet werden kann, ist „Solo Sit-to-Stand“ von Steelcase. Er ist sehr kompakt gehalten und unterstützt dennoch das wichtige Wechseln der Arbeitsposition. Damit die Höhenverstellung auch schnell und mühelos funktioniert, hat der Hersteller laut Eigenaussage einen starken Motor eingebaut. Auch der neue se:desk home von Sedus ist ein vielseitiger, höhenverstellbarer Sitz-/Steharbeitstisch. Mit einer Arbeitsfläche von 70 x 120 cm passt der Tisch auch in kleine Räume und bietet gleichzeitig genügend Platz für die technische Ausstattung. Das integrierte Ablageboard, als zweite Ebene mit einer Tiefe von 17 cm, eignet sich um z. B. einen zusätzlichen Bildschirm zu platzieren. Sämtliche Kabel können über einen perforierten Durchlass im Filz-Element vom Tisch zur Stromquelle geführt werden.

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Meister der Reduktion

Die absolute Spitze in puncto minimale Arbeitsplätze für zu Hause nehmen Möbel ein, die an der Wand montiert werden können. So hat Sebastian Schönheit für das Berliner Label LOEHR ein Produkt entwickelt, das auf die Anforderungen hybrider Arbeitsweisen antwortet. „Wir schätzen Sebastian sehr für seine konzeptionelle und durchdachte Designsprache. Die Idee und formale Qualität des ersten, noch rohen Entwurfs bot sofort einen Ansatz, um in eine gemeinsame Auseinandersetzung über Sinnhaftigkeit, Relevanz und Ästhetik dieses so zeitgemäßen Produkts einzutauchen“, beschreibt David Loehr den Designprozess von „Chapter“. Durch die Konzentration auf Linien und Flächen entsteht eine radikale Reduktion, die sich aus den konstruktiven Elementen ergibt. Die klappbare Arbeits- und Ablagefläche bildet gleichzeitig die Abdeckung eines versteckten Stauraums für den Laptop, persönliche Gegenstände und Kabelmanagement. Die schräggestellte Rückwand dient als Ablage oder als Display.

Der Arbeitsplatz maximal vereinfacht. Sebastian Schönheit hat „Chapter“ für LOEHR entworfen. Foto © Stefan Höderath

Eine weitere bestechende Reduktionsvariante kommt von AMBIVALENZ, ebenfalls ein Label aus Berlin, das 2012 von Malte Grieb gegründet wurde. Das Fläpps System ist ein modulares Regalsystem mit vielerlei Gestaltungsmöglichkeiten. Unter anderem können die ausklappbaren Elemente als Schreibunterlagen oder Laptop-Tische fungieren. Durch die Funktion des Aufklappens stellen sie eine Neuinterpretation des klassischen Sekretärs dar, der in der Regel verschlossen werden konnte.

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Auf eine etwas andere Art spielt „Nubo“ von GamFratesi mit dem Thema Reduktion. Das platzsparende, ausklappbare Wandregal erinnert in seiner Wolkenform nicht zufällig an die blauen Stoffreisekoffer der Air France aus den 1960er-Jahren. Der französische Hersteller Ligne Roset hat damit ein ziemlich einmaliges Objekt in seinem Portfolio, das durch die Verwendung von Eichenholz warm, ja fast skandinavisch wirkt. Mit einer Tiefe von nur 14 cm bietet „Nubo“ in geöffneter Form dennoch genügend Platz für eine praktische Arbeitsfläche, die mit einem Kabelschlitz und einer Haltestange für Unterlagen punktet. Die Außenseite der Arbeitsfläche ist mit Polyesterschaum und aquamarinfarbener Divina-Wolle bezogen. Andere Farben sind verfügbar.

Wandregal mit Retro-Charme. GamFratesi ließen sich für Nubo von Air France-Koffern aus den 60er-Jahren inspirieren. © Ligne Roset

Ein ganz anderes Kaliber ist der „Layout secrétaire“, der von Michele De Lucchi für Alias erdacht wurde. 2018 auf der Orgatec vorgestellt, bezeichnet es der Hersteller gar als Schranksystem. In Zentrum stand dabei der Umgang mit Strangpressaluminium. Daraus wurde ein zentrales ovales Element gefertigt, an das weitere Elemente befestigt werden können, sodass eine Art Schrankkoffer entsteht, der sich mit einer einfachen Bewegung öffnen lässt. Weil aber im Zentrum eine Schreibtischfläche und an den beiden Türen Auflageflächen montiert sind, wird daraus ein Sekretär. Es ist ein Objekt, das wie eine Skulptur im Raum wirkt. Da der Layout secrétaire auf Rollen steht, kann er schnurstracks an einen anderen Ort verschoben werden. De Lucchi hat damit ein absolut zeitgemäßes Möbelstück geschaffen, das vor allem aufgrund seiner Eigenständigkeit eine Sonderstellung einnimmt.

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Um die Funktionen des historischen Sekretärs zu erfüllen, eignet sich das System von USM Haller nahezu perfekt. Die Türen der Aufbewahrungselemente ergeben in geöffnetem Zustand ganz automatisch eine Arbeitsfläche. Dazu müssen die Schweizer ihr System gar nicht groß anpassen.

Ganz selbstverständlich eignet sich das Regal- und Verstausystem von USM Haller auch fürs Homeoffice. © USM Haller

Nun aber noch einmal zurück zu Sekretären, die eigentlich keine sind oder so stark reduziert wurden, dass sie die Funktion des Verschließens nicht und die des Verstauens nur mehr bedingt erfüllen können. Dafür sind sie aber wunderschön anzusehen in ihrer minimalistischen Perfektion. Ein Beispiel dafür ist der „Sekretär“ PS20 von müller. Mit dem Red Dot Award: Product Design 2021 und dem German Innovation Award 2021 ausgezeichnet, bietet er vor allem für die digitale Arbeitswelt genügend Platz. Der „Aufsatz“ im hinteren Bereich dient hauptsächlich als Stauraum für die dafür notwendigen Kabel und Ladegeräte.

Für sein Design mehrfach ausgezeichnet – PS20 Schreibtisch von müller. Design: Kressel + Schelle. © müller

Accessoires für den aufgeräumten Schreibtisch

Hält die kleine Schreibtischfläche im Homeoffice keine Verstaumöglichkeiten bereit, kann es hilfreich sein, auf Accessoires zurückzugreifen. So gibt es etwa von Bene eine Kollektion von 3D-gedruckten Schreibtisch-Accessoires, für die das Material von recycelten Gegenständen aus pflanzlichem Kunststoff verwendet wird. bFRIENDS entstand in Partnerschaft mit den Designern von Pearson Lloyd. Die Produktpalette umfasst vier Linien: die Stifthalter und Aufbewahrungstools Pots, die praktischen Trays, die flexiblen Stands sowie Haken und Clips. Die bFRIENDS sind in unterschiedlichen Größen verfügbar, wodurch sich die Anzahl der Einsatzmöglichkeiten signifikant erhöht.

bFRIENDS von Bene sind praktische 3D-gedruckte Schreibtisch-Accessoires. © Bene GmbH

Accessoires fürs Büro finden sich auch im Office-Programm von Vitra. Jüngst hat Konstantin Grcic die Locker Box gestaltet, die ausreichend Platz für allen notwendigen Arbeitskleinkram bietet, der nach Arbeitsende bequem mitgenommen und verstaut werden kann. Ebenso flexibel, aber als Sitzgelegenheit, ist „Chap“ (Design: Grcic). Der stapelbare Hocker verfügt über eine Beinkonstruktion, die als Halterung für eine schalenförmige Ablage dient – das Chap Tray. Je nach Befüllung können auch mehrere Behälter unter dem Sitz gestapelt werden, um Telefon, Kabel, Papiere usw. unterzubringen. Chap und Chap Tray werden aus dem Kunststoff recycelter Industrieabfälle hergestellt und sind ihrerseits zu 100 % recycelbar.

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