Mit „ELEMENT: METALL“ setzt Schloss Hollenegg for Design im Mai 2026 seinen Materialzyklus fort und richtet den Blick auf einen Werkstoff, der die Geschichte der Menschheit entscheidend geprägt hat. Die von Alice Stori Liechtenstein kuratierte Ausstellung verbindet historische Artefakte aus der Sammlung des Schlosses mit zeitgenössischen Positionen aus Design und Kunst. Silbergeschirr, Waffen oder architektonische Beschläge treffen dabei auf neu entwickelte Arbeiten internationaler Gestalter – ein Dialog zwischen Handwerkstradition und aktueller Formensprache.
„Überall im Schloss gibt es Metall. Während der Vorbereitung der Ausstellung habe ich begonnen, in jedem Raum Metallelemente zu entdecken: strukturell, funktional und dekorativ. Immer dann, wenn etwas über lange Zeit bestehen, Druck aushalten oder intensiver Nutzung standhalten muss, ist Metall meist das Material der Wahl“, beschreibt Liechtenstein den kuratorischen Ausgangspunkt.
Metall erscheint hier nicht nur als Material, sondern als kultureller Träger. Seit der Kupferzeit steht es für Macht, Fortschritt und Wertsysteme. Die Ausstellung greift diese Bedeutung auf und versteht sich als Reflexion über technische Innovation, gesellschaftliche Strukturen und ästhetische Transformationen.
Zeitgenössische Positionen: Handwerk und Konzept
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die eigens für Hollenegg entstandenen Arbeiten. Die japanische Künstlerin Junko Mori entwickelt ihre skulpturalen Metallrahmen aus einem prozesshaften Arbeiten heraus: Ohne Vorzeichnungen entstehen organisch wachsende Strukturen aus geschmiedetem Stahl und gegossenem Silber. Ihre Werke rahmen nicht nur physisch, sondern lenken den Blick auf Details des Schlosses – ein Spiel mit Wahrnehmung, Erinnerung und Raum.

Einen kontrastierenden Ansatz verfolgt der amerikanische Künstler Elliott Hundley. Seine Arbeiten verbinden kunsthistorische Referenzen mit mythologischen Erzählungen und zeitgenössischen Materialien. In Hollenegg zeigt er unter anderem einen Spiegel mit bronzenem Rahmen, der auf antike Gießtechniken zurückgreift, sowie einen vielschichtigen Kronleuchter, der unterschiedliche Materialien zu einer dichten, beinahe theatralen Bildwelt verdichtet.

Was beide Positionen eint, ist der physische Anspruch des Materials. Aus gestalterischer Perspektive ist Metall kein leicht zugänglicher Werkstoff. Seine Verarbeitung gilt als arbeitsintensiv, oft schmutzig und technisch anspruchsvoll – es verlangt Kraft, Präzision und ein tiefes Verständnis für Materialeigenschaften.
Materialinnovation und Industrie
Neben den künstlerischen Positionen bildet die Zusammenarbeit mit dem Aluminiumhersteller Hydro einen weiteren Schwerpunkt. Projekte von international etablierten Designern wie Sabine Marcelis, Philippe Malouin und Max Lamb demonstrieren das gestalterische Potenzial von recyceltem Aluminium. Dabei geht es weniger um reine Formgebung als um ein erweitertes Verständnis von Materialkreisläufen, industriellen Prozessen und nachhaltiger Produktion.
Marcelis etwa nutzt Licht als integralen Bestandteil ihrer Arbeiten und verwandelt extrudiertes Aluminium in atmosphärische Objekte. Malouin hingegen untersucht modulare Strukturen und entwickelt Systeme, die sich flexibel anpassen und reparieren lassen – ein Ansatz, der Langlebigkeit als gestalterisches Prinzip versteht.

Nachwuchs und kuratorische Praxis
Der Blick hinter die Kulissen der Ausstellung zeigt zudem, wie komplex der Umgang mit historischem Metall sein kann. „Für mich lag die größte Herausforderung zunächst darin zu verstehen, welches Metall ich in der Hand habe? Wie reinigt man es? Wer kann es restaurieren? Viele Metalle imitieren andere, was es nicht immer einfach macht, ihren Wert einzuschätzen oder den richtigen Umgang damit zu finden“, so Liechtenstein. Die kuratorische Arbeit bewegte sich hier zwischen materialkundlicher Recherche und konservatorischer Verantwortung.
Erstmals integriert die Ausstellung auch eine Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien. Studierende der TransArts-Abteilung entwickeln eigene Arbeiten, die sich zwischen Installation, Skulptur und konzeptueller Forschung bewegen. Diese Beiträge erweitern die Ausstellung um experimentelle Perspektiven und verankern sie zugleich im aktuellen Designdiskurs.
Metall als verbindendes Element
„ELEMENT: METALL“ überzeugt weniger durch spektakuläre Einzelstücke als durch die Dichte ihrer Bezüge. Historische Objekte und zeitgenössische Arbeiten stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern treten in Beziehung. Metall fungiert dabei als verbindendes Element, das Vergangenheit und Gegenwart zusammenführt und zugleich Fragen nach Zukunft und Verantwortung aufwirft.

Die Ausstellung macht deutlich, dass Material nicht neutral ist. Es trägt Geschichten, Ideologien und Möglichkeiten in sich. Auf Schloss Hollenegg wird Metall so zum Medium, das weit über seine physische Beschaffenheit hinausweist – als Spiegel kultureller Entwicklung und als Ausgangspunkt für neue gestalterische Ansätze.
Die Metall-Ausstellung bildet den Abschluss des Material-Zyklus auf Schloss Hollenegg. Sie läuft von 9. bis 31. Mai 2026.