Home DesignSummer by Design: Warum der schönste Sommer gestaltet ist

Summer by Design: Warum der schönste Sommer gestaltet ist

von Markus Schraml
Eine Gasse in Koilani auf Zypern mit weinbewachsener Pergola. Foto © Etan J. Tal - Own work, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10593858

Es gibt diese Sommertage, an denen einfach alles zusammenpasst. Die Luft ist warm, aber nicht drückend. Ein leichter Wind bewegt die Blätter, das Sonnenlicht zeichnet Muster auf den Boden und der Kaffee schmeckt auf einmal besser als sonst. Solche Momente wirken zufällig. Tatsächlich sind sie oft das Ergebnis guter Gestaltung.

Kaum eine Jahreszeit macht Design so unmittelbar erlebbar wie der Sommer. Denn jetzt verlagert sich das Leben nach draußen. Terrassen werden zum zweiten Wohnzimmer, Parks zum Büro, Plätze zum Treffpunkt. Architektur, Möbel und Landschaftsgestaltung müssen plötzlich mehr leisten, als nur gut auszusehen. Sie schaffen Aufenthaltsqualität – und damit Atmosphäre.

Entscheidend sind dabei häufig Details, die kaum auffallen. Ein Baum spendet genau dort Schatten, wo Menschen verweilen. Eine Sitzbank ist so ausgerichtet, dass man auf den Sonnenuntergang statt auf den Verkehr blickt. Naturstein speichert die Wärme des Tages und gibt sie am Abend langsam wieder ab. Leinen bewegt sich im Wind, Holz bleibt angenehm unter den Händen, während Metall die Hitze reflektiert. Gutes Design drängt sich nicht in den Vordergrund. Aber es sorgt dafür, dass sich ein Ort richtig anfühlt.

Draußensein mit Stil

Diese Qualität zeigt sich auch bei vielen Outdoor-Kollektionen der vergangenen Jahre. Hersteller wie Vitra oder Kettal denken Garten und Terrasse längst nicht mehr als separate Bereiche, sondern als Erweiterung des Wohnraums. Möbel werden leichter, Materialien widerstandsfähiger und Farben orientieren sich an der Natur. Der Komfort bleibt derselbe – nur die Wände verschwinden.

Sommersetting von Vitra: Wire Chair LKR (Charles & Ray Eames, 1951, Bikini Chair), Metal Side Table von Ronan & Erwan Bouroullec (2004). © Vitra

Dass Gestaltung weit über Möbel hinausgeht, beweisen temporäre Architekturen wie die Serpentine Pavilions in London. Jeden Sommer entstehen hier Räume, die Menschen zum Verweilen, Diskutieren oder einfach zum Nichtstun einladen. Sie zeigen, dass Architektur nicht spektakulär sein muss, um Wirkung zu entfalten. Manchmal genügt ein schattiges Dach, eine offene Konstruktion und die richtige Proportion.

LANZA atelier wählte Ziegel als Hauptmaterial, um die typisch englische Gartentradition zu würdigen. © LANZA
LANZA atelier wählte Ziegel als Hauptmaterial für die Gestaltung des diesjährigen Serpentine Pavilion – um die typisch englische Gartentradition zu würdigen. © LANZA atelier

Auch der öffentliche Raum wird im Sommer auf die Probe gestellt. Besonders Städte wie Kopenhagen haben in den vergangenen Jahren vorgemacht, wie hochwertig gestaltete Uferpromenaden, Hafenbäder oder großzügige Sitzlandschaften die Lebensqualität verändern können. Wo früher Verkehrsflächen dominierten, entstehen Orte, an denen man den Nachmittag verbringt, sich trifft oder spontan ins Wasser springt. Design schafft Angebote des sozialen Lebens.

Nyhavn in Kopenhagen, Foto © Jakub Hałun – Own work – CC BY-SA 4.0
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=121406149

Good Vibrations

Dabei geht es nicht um Perfektion. Der schönste Sommer ist selten der auffällig inszenierte, vielmehr lebt er von kleinen Gesten: vom Schatten einer Pergola, einer Bank unter alten Bäumen, einer Leuchte, die den Abend unaufdringlich verlängert, oder einem Stoff, der sich mit jeder Brise bewegt. Es sind genau diese unscheinbaren Elemente, die Erinnerungen prägen.

Viel spricht dafür, dass das die größte Stärke guten Designs ist: nicht ständig Aufmerksamkeit heischen, sondern den Rahmen für Erlebnisse schaffen, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Im Sommer wird das besonders deutlich. Jetzt entscheidet sich, ob ein Platz nur schön aussieht oder ob Menschen bleiben möchten. Ob eine Terrasse lediglich eingerichtet ist oder tatsächlich zum Lieblingsort wird.

Der Acapulco-Stuhl ist bis heute ein Sinnbild für unbeschwerte Leichtigkeit – entstanden in den 1950er-Jahren in Mexiko. Foto © Lionel Gustave, https://unsplash.com/de/fotos/blauer-flip-flop-neben-dem-stuhl-c1rOy44wuts

Der Sommer ist die Jahreszeit, in der sich auch Design entblättert. Denn zwischen Sonne, Wind und langen Abenden zählt am Ende nicht die spektakulärste Form, sondern das Gefühl, angekommen zu sein. Eben dort, wo Gestaltung fast unsichtbar wird – und gerade deshalb ihre größte Wirkung entfaltet.


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