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Das Wohnzimmer im Freien – Outdoortrends 2026

von Markus Schraml
Sofa „Olpe“ von VICAL in bezauberndem südländischem Setting. © VICAL

Die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum verschwimmen im Möbeldesign seit einigen Jahren zunehmend. Für die Outdoor-Saison 2026 setzt sich dieser Trend konsequent fort: Terrassen, Gärten und Dachlandschaften werden als vollwertige Wohnräume begriffen. Entsprechend orientieren sich viele Kollektionen formal und funktional an klassischen Interieurkonzepten. Modularität, langlebige Materialien und eine entspannte Ästhetik prägen das Bild. Neben der technischen Weiterentwicklung wetterfester Stoffe rücken zudem handwerkliche Details und nachhaltige Konstruktionen stärker in den Fokus. Die aktuellen Entwürfe internationaler Hersteller zeigen, wie vielfältig sich diese Entwicklung interpretieren lässt.

Modularität und informelle Eleganz

Der italienische Hersteller Cassina beschreibt seine neue Outdoorlinie als „Oasis of Now“ – eine Art ruhigen Rückzugsort unter freiem Himmel. Im Mittelpunkt steht das von Patricia Urquiola entwickelte System Vidalenta, das Wohn- und Essbereiche im Freien verbindet. Charakteristisch ist der Kontrast zwischen dem präzisen Metallrahmen und großzügig gepolsterten Sitzflächen. Die Struktur bleibt reduziert, während die weichen Konturen eine informelle, gastfreundliche Atmosphäre schaffen.

Auch das skandinavische Designlabel Bolia versteht Außenräume als Erweiterung des Wohnzimmers. Das modulare Sofasystem Arke Outdoor setzt auf weiche Formen, großzügige Sitzflächen und austauschbare Bezüge. Die Elemente lassen sich frei kombinieren und sind darauf ausgelegt, über viele Jahre hinweg genutzt zu werden.

Organische Formen und kulturelle Einflüsse

Die Outdoor-Kollektion von Minotti verfolgt ebenfalls die Idee eines fließenden Übergangs zwischen Innen und Außen. Internationale Designer wie Marcio Kogan, Hannes Peer und das japanische Studio Nendo prägen die Kollektion. Besonders markant ist das Sitzsystem Saki Outdoor, dessen geschwungene Rücken- und Armlehnen an sich öffnende Blüten erinnern – eine Form, von der auch der Name abgeleitet ist.

Die geschwungenen Rücken- und Armlehnen von Nendos „Saki Outdoor“ erinnern an sich öffnende Blüten. Foto © Studio Paola Pansini / Emanuele Camisassa

Der spanische Hersteller VICAL setzt dagegen auf eine etwas zurückhaltendere Formensprache. Die modularen Sofas Shol und Olpe verbinden weiche Kurven mit klaren Geometrien und verzichten auf demonstrativen Luxus zugunsten einer ruhigen, zeitlosen Eleganz (Foto: ganz oben).

Design zwischen Architektur und Handwerk

Ein besonders kontextbezogenes Projekt der aktuellen Outdoor-Saison präsentiert der dänische Hersteller Fritz Hansen mit der Serie Vind, entworfen von Kasper Salto. Die Kollektion entstand ursprünglich für das renommierte Louisiana Museum of Modern Art nördlich von Kopenhagen – ein Ort, dessen Architektur und Landschaft seit Jahrzehnten in engem Dialog stehen. Der Name Vind, das dänische Wort für Wind, verweist direkt auf die Umgebung des Museums. „Der Vind-Stuhl ist ein Werkzeug zum Sitzen – kein Kunstobjekt“, sagt der Designer. „Er ist dafür gemacht, dem Menschen zu dienen, wie ein guter Gastgeber, der nicht im Mittelpunkt stehen will.“ Entsprechend verbindet die Kollektion Robustheit und Komfort mit einer bewusst zurückhaltenden Ästhetik.

Einen anderen Ansatz verfolgt DEDON mit der Kollektion Mymi des Designerduos GamFratesi. Inspiriert von Pariser Caféterrassen, kombiniert sie kompakte Tische mit unterschiedlich geformten Sitzmöbeln. Charakteristisch ist das speziell entwickelte Geflecht aus DEDON-Faser, das handwerkliche Struktur mit industrieller Präzision verbindet.

Materialexperimente und sommerliche Referenzen

Viele Hersteller greifen traditionelle Flechttechniken auf und übersetzen sie in zeitgenössische Formen. So kombiniert der belgische Hersteller Vincent Sheppard beim Liegestuhl Wicked von Alain Gilles eine Aluminiumstruktur mit handgeflochtenen Elementen aus Korbmaterial. Auch die Kollektion Ribbons des Büros Bandada Studio für die Marke Diabla interpretiert traditionelle Flechtmöbel neu – als modulares System und spielerischen Linien.

Natürliche Materialien prägen den Lounge-Sessel Wrap von Gloster. Designer Henrik Pedersen beschreibt die Konstruktion aus Teakholz und geflochtenen Fasern als beinahe organisch gewachsen. Die Sitzschale scheint sich weich um den Rahmen zu legen und erzeugt so ein besonders entspanntes Sitzgefühl.

Von der Lounge zur Outdoor-Küche

Neben Sitzmöbeln gewinnt auch das Kochen im Freien zunehmend an Bedeutung. Hersteller wie Ernestomeda erweitern ihr Portfolio mit kompletten Outdoor-Küchen. Das System K-Garden von Giuseppe Bavuso überträgt die modulare Logik moderner Küchen in den Außenraum – mit Stationen für Vorbereitung, Grillen und Servieren.

Ähnlich versteht die Kollektion Williamsburg Outdoor des italienischen Herstellers Cesar die Outdoor-Küche als sozialen Treffpunkt. Konzipiert als Arbeitsstation im Freien, verbindet sie funktionale Ausstattung mit einer offenen, kommunikativen Nutzung.

Special Mention: Tufty-Time unter freiem Himmel

Zum zwanzigjährigen Jubiläum präsentiert B&B Italia eine Outdoor-Version des modularen Sofas Tufty-Time, das Patricia Urquiola 2005 entwarf. Für Tufty-Time 20 Outdoor wurde die Konstruktion vollständig überarbeitet. Korrosionsgeschützte Metallstrukturen, mechanisch recycelbare Polster und vollständig zerlegbare Komponenten sollen Langlebigkeit und Nachhaltigkeit sichern. Die großzügigen Proportionen und die charakteristische modulare Struktur bleiben jedoch erhalten und eignen sich nun auch für überdachte Terrassen und Veranden. Damit wird ein Entwurf, der ursprünglich für Innenräume gedacht war, Teil jener Entwicklung, die das Outdoor-Design der Gegenwart prägt: das Wohnzimmer im Freien.

Nach 20 Jahren wandert „Tufty-Time“ nach Draußen. © B&B Italia

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