Die heutige Auswahl zeigt, wie Design Bedeutungen vermittelt und Erlebnisse prägt. In der Theaterproduktion von Thom Yorke wird Musik zum dramaturgischen Gegenüber eines klassischen Textes und die Ausstellung im M+ verfolgt, wie Mythen und Monster über Generationen hinweg neue kulturelle Formen annehmen. Auch Architektur und Innenraumgestaltung erzählen Geschichten. Das Napa Bistro übersetzt regionale und europäische Vorbilder in ein neues Ambiente, während Bvlgari Kunst in den Markenraum integriert. ArchDaily zeigt die wirtschaftliche Dimension solcher Inszenierungen. Der Flaschenentwurf von Rock Wang und Agoood setzt schließlich einen anderen Akzent. Hier entsteht Mehrwert nicht durch zusätzliche Effekte, sondern durch konstruktive Details, die Ressourcen sparen.
Wallpaper* – Thom Yorke bringt Radiohead und Shakespeare auf die Bühne
Was passiert, wenn die Musik eines Radiohead-Albums auf Shakespeares „Hamlet“ trifft? In „Hamlet Hail to the Thief“ werden die 14 Songs des 2003 erschienenen Albums mit der Tragödie zu einer rund 90- bis 100-minütigen Theaterproduktion verbunden. Thom Yorke hat die Stücke für die Bühne neu arrangiert. Regisseurin Christine Jones und Choreograf Steven Hoggett entwickelten dazu eine Inszenierung, in der Schauspieler und Musiker gemeinsam auftreten. Das Bühnenbild mit gerüstartigen Konstruktionen greift die Atmosphäre eines Aufnahmestudios ebenso auf wie die eines akustischen Versuchslabors. Die Musik illustriert den Shakespeare-Text dabei nicht einfach, sondern wird zu einem eigenständigen dramaturgischen Element. Nach Stationen in Manchester und Stratford-upon-Avon kommt die Produktion nun ins Londoner Barbican Theatre, wo sie vom 31. Oktober 2026 bis 23. Jänner 2027 läuft. (Quelle: Wallpaper*, https://www.wallpaper.com/art/exhibitions-shows/radiohead-thom-yorke-on-hamlet-hail-to-the-thief-interview)
Domus – Von Godzilla bis „Chihiros Reise ins Zauberland“: Warum wir Monster brauchen
Was haben Godzilla, die Geisterwelt aus Hayao Miyazakis „Chihiros Reise ins Zauberland“ und der Roboter Astro Boy gemeinsam? Sie alle verarbeiten menschliche Ängste, Wünsche und gesellschaftliche Konflikte in fantastischen Figuren. Die Ausstellung „Myths and Monsters: The Art of Fantasy in Asia“ im M+ in Hongkong zeichnet diese Bildwelt über zwei Jahrhunderte nach – von japanischen Holzschnitten des 19. Jahrhunderts über Manga und Anime bis zu zeitgenössischen digitalen Arbeiten. Zu sehen sind unter anderem Werke von Keiichi Tanaami, Cao Fei und Ayoung Kim. Die Ausstellung zeigt, wie sich übernatürliche Wesen mit den Medien und Vorstellungen ihrer Zeit verändern. Was einst als Warnung, religiöses Symbol oder Ausdruck des Unbegreiflichen diente, findet heute neue Formen in Popkultur und virtuellen Welten. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/art/gallery/2026/10/17/godzilla-spirited-away-myths-monsters-mplus-hong-kong.html)
Design Milk – Ein Bistro in North Carolina verbindet Paris mit dem Napa Valley
Ein ehemaliges Taco-Restaurant in Charlotte, North Carolina, wurde von FictionWorks in ein Bistro verwandelt, das französische Gastronomie mit der Atmosphäre eines kalifornischen Landhauses verbindet. Statt den bestehenden Raum lediglich neu zu möblieren, gliedert der Entwurf die rund 604 m² große Fläche in mehrere unterschiedlich gestaltete Bereiche. Dunkelgrüne Lederbänke, warme Holztöne, Mosaikfliesen und maßgefertigte Leuchten schaffen eine wohnliche Umgebung. Ein besonderes Detail ist eine Installation aus mundgeblasenen Glasrondellen, deren Form an die Vertiefung am Boden einer Weinflasche erinnert.(Quelle: Design Milk, https://design-milk.com/napa-bistro-charlotte-fictionworks/)
Interni – Bvlgari macht seine Mailänder Boutique zum Ausstellungsraum
Mit der Ausstellung „Aphrodite“ erweitert Bvlgari in Mailand sein Markenuniversum um einen kulturellen Zugang. Der Künstler Luca Pignatelli präsentiert auf der dritten Etage des Flagship-Stores Arbeiten aus seiner Serie „Muse Immortali“, in der weibliche Archetypen statt konkreter mythologischer Figuren im Mittelpunkt stehen. Die gemalten Figuren werden durch großformatige, juwelenartig wirkende Applikationen ergänzt, die den Bildern eine plastische Tiefe verleihen. Die Ausstellung tritt in einen Dialog mit der Gestaltung des Geschäfts, in der römische Bezüge und die Architekturgeschichte Mailands zusammenfinden. (Quelle: Interni, https://www.internimagazine.com/agenda/shows/entrare-da-bvlgari-a-milano-per-immergersi-nellarte/)
ArchDaily – Wie der Postmodernismus die Sprache amerikanischer Unternehmen prägte
Als Robert Venturi, Denise Scott Brown und Steven Izenour 1972 „Learning from Las Vegas“ veröffentlichten, stellten sie die Vorstellung infrage, Architektur müsse ihre Bedeutung allein aus Form und Funktion entwickeln. Die kommerzielle Landschaft von Las Vegas mit ihren Leuchtreklamen, Casinos und Werbeschildern wurde zum Untersuchungsfeld für eine Architektur, die auch über Symbole und populäre Bilder kommuniziert. In den 1970er- und 1980er-Jahren griffen Unternehmen diese Sprache zunehmend auf, um sich in einem wettbewerbsintensiven Markt zu unterscheiden. Das AT&T Building von Philip Johnson und John Burgee etwa brach mit der neutralen Glasfassade des klassischen Büroturms und zitierte historische Formen. Michael Graves’ Hotels für Walt Disney World machten Architektur wiederum zum Teil einer inszenierten Erlebniswelt. Der Beitrag zeigt, wie der Postmodernismus kommerzielle Identität räumlich übersetzte – und damit eine Verbindung zwischen Architektur, Markenbildung und Konsum schuf, die bis heute nachwirkt. (Quelle: ArchDaily, https://www.archdaily.com/1187113/learning-from-capitalism-how-postmodern-architecture-became-the-language-of-american-business)
Core77 – Flaschendesign, das Abfall schon vor dem Recycling reduziert
Der taiwanesische Industriedesigner Rock Wang und das Designstudio Agoood haben für die Marke Hosay eine Flaschenserie für Reinigungs- und Körperpflegeprodukte entwickelt, bei der die Verringerung von Verpackungsmüll bereits beim Entwurf beginnt. Der Verschluss lässt sich als Trichter zum Nachfüllen verwenden; zugleich wurde der Aufdruck auf den Flaschen reduziert, um zusätzliche Etiketten möglichst überflüssig zu machen. Die Behälter bestehen aus 100 Prozent recyceltem Kunststoff aus Verbraucherabfällen. Auch die Verpackung wurde mitgedacht: Flaschenverschlüsse und Böden lassen sich ineinanderstecken, wodurch weniger Schutzmaterial nötig ist und die manuelle Verpackung vereinfacht wird. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145716/A-Clever-Design-for-Waste-Reducing-Bottles)