Was erzählen Landschaften, wenn man sie nicht nur als Kulisse menschlicher Geschichte betrachtet? Mit dieser Frage beschäftigt sich der saudi-arabische Künstler Ayman Zedani in seiner Installation „In the Bellies of the Rocks“, die während der Paris Art Week bei Paris Internationale zu sehen ist. Ausgangspunkt seiner Arbeit sind die Landschaften und die Kulturgeschichte von AlUla im Nordwesten Saudi-Arabiens. Dort treffen archäologische Zeugnisse auf eine Natur, deren Bedeutung weit über ihre menschliche Nutzung hinausreicht.
Zedani verbindet einen Zweikanalfilm mit skulpturalen Arbeiten und räumlichen Interventionen. Archivmaterial, Feldforschung und dreidimensionale Scans bilden das Fundament einer künstlerischen Erzählung, in der sich dokumentierte Vergangenheit und spekulative Fiktion überlagern. Dabei wird in der Ausstellung keine Rekonstruktion historischer Wirklichkeit gezeigt, sondern es wird eine Welt entworfen, in der unterschiedliche Zeitebenen ineinandergreifen und die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und Vorstellungskraft verschwimmen.
„Aus faktischen und fiktionalen Elementen gewoben, schafft die Ausstellung eine Welt, die die Verwandtschaft zwischen Menschen, Land und nichtmenschlichen Wesen aus einer lokalen Perspektive untersucht“, erklärt Zedani. Der Gedanke verweist auf ein Verständnis von Landschaft, das den Menschen nicht ins Zentrum stellt. Gestein, natürliche Prozesse und überlieferte Spuren werden zu eigenständigen Trägern von Erinnerung. Die Felsen im Titel sind damit mehr als geologische Materie. Sie stehen für Zeiträume und Zusammenhänge, die sich menschlicher Wahrnehmung nur teilweise erschließen.
Die Pariser Präsentation führt ein Projekt weiter, das im Rahmen des Artists Residency Programme in AlUla entstand und 2026 erstmals in der Ausstellung „Arduna“ gezeigt wurde. Für Paris entwickelte Zedani zusätzliche Skulpturen und räumliche Elemente. Das Werk bleibt somit in Bewegung – ein Ansatz, der auch dem Aufbau der Sammlung des AlUla Contemporary Art Museum zugrunde liegt. Kunst wird nicht als abgeschlossenes Objekt verstanden, sondern als Ergebnis fortlaufender Forschung und Auseinandersetzung mit einem Ort.
Die Präsentation ist Teil der kulturellen Zusammenarbeit zwischen Saudi-Arabien und Frankreich.
20. — 24. Oktober 2026, Paris Internationale, 187-198 Quai de Valmy, 75010 Paris