Home DesignAnna Maya: Wie brasilianisches Design Räume in Bewegung versetzt

Anna Maya: Wie brasilianisches Design Räume in Bewegung versetzt

von Markus Schraml
Wie Töne auf einem Notenblatt tanzen die Objekte von Samba an der Wand entlang. © Anna Maya

Die brasilianische Architektin und Designerin Anna Maya gehört zu jener Generation kreativer Stimmen, die dem zeitgenössischen brasilianischen Design eine neue Richtung geben. Seit fast drei Jahrzehnten bewegt sie sich zwischen Architektur, Interior Design und Produktgestaltung – mit einer Formensprache, die sich hartnäckig von folkloristischen Klischees entfernt. Statt tropischer Ornamentik oder nostalgischer Retro-Zitate setzt Maya auf klare Geometrien, rhythmische Strukturen und architektonische Präzision.

Im Zentrum ihrer gestalterischen Recherche steht die Kugel. Sie taucht in ihren Arbeiten immer wieder auf – als räumliches Prinzip, als konstruktives Detail und als Symbol für Balance und Bewegung. Inspiration findet Maya dabei sowohl im brasilianischen Modernismus als auch in klassischen Bauwerken, deren harmonische Proportionen sie in zeitgenössische Möbel übersetzt.

Samba als wandelbares Designsystem

Besonders deutlich wird dieser Ansatz in der Kollektion „Samba“, die zu den markantesten Entwürfen der Designerin zählt. Das modulare Regalsystem ist weniger als ein statisches Möbelstück zu verstehen, sondern vielmehr als wandelbare Komposition. Runde Stauraumelemente scheinen entlang horizontaler Linien zu tanzen und erzeugen eine visuelle Dynamik, die an musikalische Rhythmen erinnert – eine subtile Anspielung auf den namensgebenden brasilianischen Tanz. Je nach Komposition erinnert „Samba“ tatsächlich an ein Notenblatt – Töne, die auf Linien tanzen.

Gerade diese Offenheit macht „Samba“ außergewöhnlich vielseitig. Das System kann wachsen, sich verdichten oder neu konfigurieren lassen und fügt sich dadurch mühelos in unterschiedlichste Interieurs ein: vom minimalistischen Apartment über kreative Studios bis hin zu Hotellobbys, Bibliotheken oder repräsentativen Wohnräumen. Die skulpturale Wirkung bleibt dabei stets erhalten, ohne dominant zu wirken.

Auch im Detail zeigt sich Mayas gestalterische Konsequenz. Die Türen der Module öffnen sich über einen eigens entwickelten Mechanismus zunächst nach außen und rotieren anschließend um eine versetzte Achse. So entstehen fließende Bewegungen, die Funktion und Ästhetik miteinander verbinden. Materialien wie furniertes Holz und geflochtenes indisches Rattan verleihen der Kollektion zusätzliche Wärme und haptische Tiefe.

Design mit langfristiger Perspektive

Nachhaltigkeit versteht Anna Maya nicht als ein Schlagwort, sondern als integralen Bestandteil ihrer Arbeit. Zertifizierte Hölzer, wasserbasierte Lacke und eine langlebige modulare Konstruktion sollen sicherstellen, dass sich die Möbel über Jahre hinweg neuen Lebenssituationen anpassen können.

Mit der neuen Kollektion „Ginga“, die jüngst in Mailand präsentiert wurde, führt Anna Maya ihre Auseinandersetzung mit Rhythmus, Bewegung und modularen Strukturen nun konsequent weiter.


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