Die heutige Auswahl verbindet analoge und digitale Erfahrungswelten. Apples neue Music Hall ist von Anfang an zugleich Konzertsaal und Medienproduktionsort, während die Installation bei „Uncanny Shifts“ die zunehmende digitale Vermessung des Menschen kritisch betrachtet. Einen interessanten Gegenpol bildet die Schablonenmaschine von 1940: Ihre rein mechanische Benutzeroberfläche funktioniert mehr als acht Jahrzehnte später noch immer. Auch die übrigen Beiträge handeln auf unterschiedliche Weise von Erfahrung und Inszenierung – vom nie gebauten unterirdischen Campus in Wyoming über die Materialexperimente des London Design Festival bis zum temporären Wildwest-Refugium vor Manhattan.
Wallpaper* – Apple eröffnet eigene Konzerthalle in London
In der Battersea Power Station hat die Apple Music Hall eröffnet, ein neuer Veranstaltungsort, der Livekonzert und professionelle Medienproduktion miteinander verbindet. Die Architektur nimmt mit Ziegel, geriffelten Bögen und bronzenen Balkonen Elemente des historischen Kraftwerks auf, während eine große Glasfront den Blick auf die Halle und die Themse öffnet. Technisch ist der Raum für Spatial-Audio-Aufnahmen, sendefertige Tonmischungen und Multikamera-Produktionen ausgestattet. Apple schafft damit nicht nur eine Bühne für intime Konzerte, sondern einen Ort, an dem Live-Erlebnis und digitale Verwertung von Beginn an zusammengedacht werden. (Quelle: Wallpaper*, https://www.wallpaper.com/art/apple-music-hall-is-a-new-venue-designed-to-inject-more-power-into-the-capitals-music-scene)
Domus – Valerio Olgiatis unterirdische Stadt für Kanye West
2020 beauftragte Kanye West den Schweizer Architekten Valerio Olgiati mit einem außergewöhnlichen Projekt in Wyoming: einer weitgehend unterirdischen Anlage in der Wüstenlandschaft. Aus der Zusammenarbeit entstand der Entwurf für einen monumentalen Campus, der Architektur und Landschaft auf radikale Weise miteinander verbinden sollte, aber nie realisiert wurde. Nun dokumentiert eine Publikation das Projekt und macht Pläne, Modelle und Überlegungen zu einem Entwurf zugänglich, der bislang weitgehend im Verborgenen geblieben war. Damit wird aus einem gescheiterten Bauvorhaben ein eigenständiges architektonisches Dokument. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/news/gallery/2026/09/22/valerio-olgiati-kanye-west-wyoming-project-book.html)
designboom – Der Optiker als Satire auf die Selbstvermessung
Für die Ausstellung „Uncanny Shifts“ verwandelt sich ein Optikergeschäft in eine Kunstinstallation über die zunehmende Vermessung des eigenen Körpers. Ausgangspunkt ist die Geschichte einer explodierenden Smartwatch, über die eine Welt aus biometrischen Daten, Tracking und scheinbarer Selbstoptimierung entwickelt wird. Die vertraute Umgebung eines Geschäfts, das traditionell der Verbesserung des Sehens dient, wird dabei zur Bühne für eine kritisch-absurde Auseinandersetzung mit Technologien, die immer tiefer in den Körper und Alltag eindringen. Gerade die Nähe zur realen Warenwelt macht die Grenze zwischen Produktpräsentation und Kunstinstallation zunehmend unscharf. (Quelle: designboom, https://www.designboom.com/art/opticians-shop-turned-art-installation-satirizes-bio-tracking-tech-at-uncanny-shifts/)
Core77 – Was eine Maschine von 1940 über gutes Interface-Design erzählt
Die Marsh Model H Stencil Machine kam 1940 auf den Markt und wird bis heute verwendet und verkauft. Core77 richtet den Blick dabei weniger auf die Mechanik als auf ihre Benutzeroberfläche: Buchstaben und Zahlen werden über ein großes Drehrad ausgewählt, anschließend stanzt ein Hebel die entsprechenden Zeichen in das Schablonenmaterial. Die Bedienung erschließt sich unmittelbar aus der Anordnung der mechanischen Elemente und benötigt weder Display noch verschachtelte Menüs. Gerade im Vergleich zu heutigen digitalen Interfaces zeigt die mehr als 80 Jahre alte Maschine, wie langlebig eine klar ablesbare Verbindung zwischen Bedienhandlung und Funktion sein kann. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145430/The-UI-of-a-Stencil-Machine)
Interior Design – London Design Festival: Material wird wieder wichtig
Interior Design zieht eine Bilanz des London Design Festival 2026, das vom 12. bis 20. September die britische Hauptstadt bespielte. Im Fokus stehen vor allem jüngere britische Designer, die mit Materialien, Handwerk und neuen Herstellungsmethoden experimentieren. Auffällig ist weniger ein einzelner dominanter Stil als die Vielfalt der Ansätze. Traditionelle Techniken treffen auf neue Produktionsweisen, expressive Oberflächen auf funktionale Möbel und Installationen. Das Festival zeigte damit eine Designszene, in der die Frage, wie und woraus etwas hergestellt wird, wieder stärker in den Vordergrund rückt. (Quelle: Interior Design, https://interiordesign.net/designwire/london-design-festival-2026/)
Design Milk – Wildwest-Glamping mit Blick auf Manhattan
Nur acht Fährminuten von Lower Manhattan entfernt bringt Urban Cowboy seine maximalistische Americana-Ästhetik auf Governors Island. Das 325 Quadratfuß große Zelt im Glamping-Areal von Collective Retreats wurde von Urban-Cowboy-Mitgründer Lyon Porter gestaltet und kombiniert rote Pendleton-Textilien, Vintage-Möbel, alte Kunstwerke und Fundstücke mit modernem Komfort. Zum eigenen Bad gehört eine rund 500 Pfund schwere gusseiserne Vintage-Badewanne, die auf den Sonnenuntergang über dem Hafen ausgerichtet ist. Bis Ende November entsteht so ein bemerkenswerter Kontrast: inszenierte Wildwest-Romantik mit Blick auf Freiheitsstatue und Skyline. (Quelle: Design Milk, https://design-milk.com/urban-cowboy-tent-governors-island/)
