Die heutige Auswahl zeigt, wie Design zunehmend über die Gestaltung einzelner Objekte hinausgeht. Benayoun macht abstrakte menschliche Werte mithilfe von Technologie erfahrbar, während ArchDaily die soziale Funktion von Architektur und Wohnbau untersucht. Im privaten Raum verschwimmen die Grenzen zwischen Technik und Kunst, wie die Entwicklung des Fernsehers zum digitalen Bildträger zeigt. Bei The New Raw und Lúdika steht dagegen die Suche nach alternativen Materialien und Produktionsweisen im Vordergrund. Die transparenten Iglus von Unidome ergänzen diese Perspektive um eine temporäre Architektur, die neue Formen der Nutzung und Begegnung ermöglicht.
Interni – Maurice Benayoun macht menschliche Werte sichtbar
Welche Form hat Freiheit? Und wie lässt sich Liebe oder Macht gestalterisch darstellen? Mit „The Shape of Human Values“ präsentiert der französische Medienkünstler Maurice Benayoun im MEET Digital Culture Center in Mailand das Ergebnis eines siebenjährigen Forschungs- und Kunstprojekts. Die interaktive Installation verbindet visuelles Design, Technologie und Neurowissenschaften. EEG-Geräte erfassen die Gehirnaktivität der Besucher, deren Reaktionen auf unterschiedliche Reize in bewegte, farbige Formen übersetzt werden. Das Publikum wird damit selbst zum Produzenten der Kunstwerke. Die individuell generierten Ergebnisse können als NFTs mitgenommen und weitergegeben werden. Die Ausstellung ist bis 31. Jänner 2027 zu sehen. (Quelle: Interni, https://www.internimagazine.com/agenda/shows/al-meet-di-milano-la-nuova-mostra-the-shape-of-human-values-di-maurice-benayoun/)
ArchDaily – Sozialer Wohnbau wird zur öffentlichen Infrastruktur
Kann leistbarer Wohnbau mehr sein als die Bereitstellung von Wohnungen? ArchDaily stellt mehrere US-amerikanische Projekte vor, die Wohnraum mit öffentlichen und kulturellen Einrichtungen verbinden. In Chicago etwa kombiniert das von John Ronan Architects entworfene Independence Library and Apartments 44 Seniorenwohnungen mit einer öffentlichen Bibliothek. Die Sugar Hill Residences in Harlem vereinen 124 leistbare Wohnungen mit einem Kindermuseum und einer Bildungseinrichtung. Die Beispiele zeigen unterschiedliche Wege, wie Architektur soziale Infrastruktur in Wohnprojekte integrieren kann. Zugleich wird deutlich, dass solche Ansätze von den jeweiligen Finanzierungsmodellen und Auftraggebern abhängen. Besonders bei privatwirtschaftlichen Entwicklungen bleibt die Frage, wie dauerhaft leistbarer Wohnraum gesichert werden kann. (Quelle: ArchDaily, https://www.archdaily.com/1187571/beyond-affordable-housing-integrating-civic-infrastructure-in-us-mixed-use-developments)
Domus – Wenn der Fernseher zum Kunstwerk wird
Der Fernseher hat sich vom technischen Gerät zum Bestandteil der Innenraumgestaltung entwickelt. Statt als schwarzer Bildschirm an der Wand präsent zu sein, fügt er sich zunehmend, als Bild, Möbelstück oder dekoratives Objekt in den Wohnraum ein. Samsung hat mit „The Frame“ diese Idee früh als eigenständiges Produktkonzept etabliert; inzwischen bieten auch andere Hersteller Kunstprogramme und digitale Sammlungen an. LG Gallery+ etwa ermöglicht den Zugriff auf mehr als 5.000 Kunstwerke, darunter Arbeiten aus der Sammlung des Metropolitan Museum of Art. Auch Bang & Olufsen setzt auf eine Gestaltung, bei der die technische Funktion hinter einer skulpturalen Erscheinung zurücktritt. Domus beleuchtet damit eine Entwicklung, bei der die Grenze zwischen Unterhaltungselektronik und Kunstobjekt immer mehr verschwimmt. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/design/gallery/2026/09/21/televisions-art-interior-design.html)
Dezeen – Ausrangierte Schiffstaue werden zu beweglichen Sitzobjekten
Das Rotterdamer Studio The New Raw verwandelt ausgediente Kunststofftaue aus dem Hafen in eine Serie öffentlicher Sitzobjekte. Für das Projekt „Buoy“ werden die gesammelten Seile gereinigt, zerkleinert und mechanisch zu Kunststoffpellets verarbeitet, aus denen anschließend 3D-gedruckte Hocker entstehen. Ihre Farben ergeben sich unmittelbar aus dem Ausgangsmaterial; zusätzliche Pigmente oder Beschichtungen sind nicht erforderlich. Eine besondere Formgebung sorgt dafür, dass die Sitze beim Benutzen leicht schaukeln – eine Anspielung auf die Bewegung schwimmender Bojen. Die Objekte sind für den öffentlichen Raum am Rotterdamer Hafen bestimmt und verbinden lokale Kreislaufwirtschaft mit einer spielerischen Nutzungserfahrung. (Quelle: Dezeen, https://www.dezeen.com/2026/11/01/buoy-stools-the-new-raw/)
Wallpaper* – Ein Haus aus Hanfbeton als isländisches Bau-Experiment
Mit „Biobuilding“ hat das junge Architekturstudio Lúdika in ländlicher Umgebung Islands ein kleines Gebäude errichtet, das den Einsatz regionaler und biobasierter Baustoffe untersucht. Anna Karlsdóttir und Jan Dobrowolski reagierten damit auf eine Bauindustrie, die stark von Beton und importierten Materialien geprägt ist. Die Wände bestehen aus Hanfbeton, ergänzt durch Holztragwerk, Kalkputz und Wollmaterialien. Auch Details wie textile Fensterscreens aus isländischen Algen greifen lokale Ressourcen auf. Die Architekten orientierten sich unter anderem an japanischen Teehäusern. Das Gebäude ist bewusst kompakt gehalten und stellt die Beziehung zur Landschaft in den Vordergrund. Über zwei Jahre wurden Temperatur und Luftfeuchtigkeit beobachtet, um das Verhalten der Konstruktion zu dokumentieren. Das Projekt versteht sich damit nicht nur als Wohnraum, sondern auch als Forschungsbeitrag zu alternativen Bauweisen. (Quelle: Wallpaper*, https://www.wallpaper.com/architecture/hempcrete-biobuilding-ludica-iceland)
Core77 – Transparente Iglus für den winterlichen Stadtraum
Für die Eislaufbahn Glide bei der Londoner Battersea Power Station werden in dieser Saison transparente Iglus des britischen Unternehmens Unidome aufgestellt. Die runden, freistehenden Konstruktionen bieten Platz für private Aufenthalte und können für jeweils 90 Minuten gemietet werden. Anders als klassische Eventzelte verfügen sie über transparente Wände, die den Blick auf die Umgebung freigeben. Unidome arbeitet dabei mit dem Unternehmen Dream Domes zusammen, das die Installation übernimmt. Die temporären Räume zeigen, wie sich eine einfache Zeltstruktur durch Materialwahl und Form in ein eigenständiges Angebot für Gastronomie und Freizeit verwandeln lässt. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145772/Unidomes-Transparent-Igloos)