Home DesignDesign Miami 2025: Ein Spiegel der neuen Kultur des Sammelns

Design Miami 2025: Ein Spiegel der neuen Kultur des Sammelns

von Caroline Wanderberg
Der Best Gallery Presentation Award ging an die Charles Burnand Gallery. Foto © Jeanne Canto

Mit dem Ausklang der diesjährigen Design Miami feierte das globale Forum für sammelbares Design nicht nur sein 20-jähriges Bestehen, sondern auch den Triumph der gestalterischen Imagination. Unter dem kuratorischen Motto „Make. Believe.“ präsentierten Galerien und Designer visionäre Werke, die Handwerkskunst und kühne Fantasie eindrucksvoll verschmolzen. Die Messe unterstrich einmal mehr die zunehmende Bedeutung von Collectible Design als eigenständiger Kunstform und als lebendiger Kraft im internationalen Kunstmarkt.

In einer zunehmend digitalen Welt bieten diese oft limitierten, meisterhaft gefertigten Objekte eine Erdung in Materialität, Sinnlichkeit und menschlicher Erzählkunst. Sammlerdesign hat sich längst von reiner Funktionalität gelöst – seine Ausdrucksformen reichen heute vom Spekulativen über das Skulpturale bis hin zur Manifestation persönlicher Identität. Die diesjährigen Auszeichnungen machten diese Entwicklung deutlich.

Herausragende Preisträger

Die Jury prämierte Präsentationen, die das diesjährige Thema besonders überzeugend interpretierten und zugleich höchste kuratorische Qualität erkennen ließen. So gewann die Charles Burnand Gallery (London) den Best Gallery Presentation Award für „Monuments of Ether“ – eine poetische Ausstellung, deren Stücke über das Funktionale hinaus ins Atmosphärische und Erhabene reichen. Diese Präsentation traf das Motto „Make. Believe.“ mit großer Präzision und stellte die Kraft des Designs heraus, philosophische wie ästhetische Horizonte zu erweitern.

Die Charles Burnand Gallery gab ihrer Präsentation den Titel „Monuments of Ether“. Foto © Jeanne Canto

Als herausragendes historisches Objekt wurde ein seltenes Paar „Conoid Benches“ (1972) von George Nakashima, ausgestellt von der Moderne Gallery, ausgezeichnet. Gefertigt aus amerikanischem Schwarznussbaum repräsentieren diese Bänke das Studio-Handwerk auf höchstem Niveau und stehen exemplarisch für die zeitlose Wertschätzung meisterlicher Holzarbeit.

Die Auszeichnung Best Historic Work erhielt die Moderne Gallery. Foto © Jeanne Canto

Der Best Curio Presentation Award ging an Superhouse (New York) für die Ausstellung „American Art Furniture: 1980–1990“. Die Schau brachte eine experimentierfreudige, optimistische Ära des US-Designs zurück ins Bewusstsein – mit Stücken, die auch heute noch radikal und wegweisend wirken.

Best Curio Presentation Award für Superhouse. Foto © Matthew Gordon

Den Preis für die Best Contemporary Work erhielt „Sunrise Japan“ (2025) von Jorge Lizarazo, vorgestellt von der Cristina Grajales Gallery. Lizarazo, bekannt für textile Arbeiten, die traditionelles Weben mit architektonischen Denkweisen verbinden, unterstreicht mit diesem Werk die wachsende Bedeutung von Textilkunst als Medium des konzeptionellen Sammlerdesigns.

Den Preis für die beste zeitgenössische Arbeit erhielt „Sunrise Japan“ von Jorge Lizarazo. Foto © Jeanne Canto

FENDI, Lehanneur und Katie Stout: Besondere Projekte

Neben den Preisträgern sorgten mehrere Sonderpräsentationen für starke Resonanz. FENDI zeigte mit „ænigma“, entworfen von Lewis Kemmenoe, eine Kollektion, die handwerkliche Tiefe mit luxuriöser Materialität verband. Mathieu Lehanneur wiederum entwarf mit „PALAZZO“ eine elegante Fantasiewelt aus skulpturalen Möbeln, die zwischen Traum und Architektur schwebte.

Mit „Gargantua’s Thumb“ präsentierte die Künstlerin Katie Stout eines der poetischsten Projekte der diesjährigen Ausgabe. Als jährliche Design Commission des Miami Design District – in Zusammenarbeit mit dem Design Miami Curatorial Lab – markiert die Installation das zehnjährige Jubiläum des Programms. Stout entwickelte eine Serie großformatiger skulpturaler Bänke, deren Ursprung in winzigen, mit Hand geformten Tierfiguren aus Ton liegt. Die unregelmäßigen, leicht verzerrten Miniaturen wurden digital gescannt, monumental vergrößert und in physische Materialien übertragen.

„Gargantua’s Thumb“ von Katie Stout. Foto © Jeanne Canto

Mit dieser Jubiläumsausgabe setzte die Design Miami ein klares Zeichen: Collectible Design ist ein dynamischer, narrativer Raum, in dem Kreative nicht nur Objekte, sondern neue Realitäten entwerfen. Und der Markt für diese limitierten, konzeptionell anspruchsvollen Werke wächst weiter – getragen von einer Sammlerschaft, die in der Verschmelzung von Kunst, Handwerk und Funktion eine nachhaltige kulturelle Relevanz erkennt.


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