Home ArtVom Verlust zur Wiederverwertung – Kay Healys Stoffwelten in Philadelphia

Vom Verlust zur Wiederverwertung – Kay Healys Stoffwelten in Philadelphia

von Markus Schraml
Im Zentrum der Ausstellung steht die Arbeit „Pile“ – ein chaotischer textiler Haufen. © Kay Healy

Mit einer Ausstellung in ihren historischen Gebäuden erinnert die Initiative Village of Industry & Art (VIA) in Philadelphia an die Gründung einer Institution, die die Kunst- und Designlandschaft der Stadt nachhaltig geprägt hat. Vor 150 Jahren entstand hier das Pennsylvania Museum and School of Industrial Art (PMSIA). Aus der Einrichtung gingen später sowohl das Philadelphia Museum of Art als auch die University of the Arts (UArts) hervor.

Während das Museum weiterhin zu den bedeutenden Kunstinstitutionen der USA zählt, endete die Geschichte der UArts abrupt. Die traditionsreiche Kunsthochschule wurde 2024 überraschend geschlossen. Die Ausstellung „Don’t Trash a Good Thing“ der Künstlerin Kay Healy, die bis 31. Mai im ehemaligen Hamilton Hall der Universität zu sehen ist, nimmt dieses Ereignis zum Ausgangspunkt.

Erinnerungen aus Stoff

Healy ist eng mit dem Ort verbunden. Sie studierte an der UArts, unterrichtete dort später Siebdruck und lebte über zwei Jahrzehnte in unmittelbarer Nähe der Hochschule. Entsprechend persönlich beschreibt sie die Schließung: „Die Ankündigung war schockierend, wütend machend und zutiefst traurig. Ich trauere noch immer um diese kreative Ressource, die Wissen vermittelte und Zugang zu spezialisierten Werkstätten bot.“

In ihren Arbeiten verbindet Healy Zeichnung, Siebdruck, Nähen und textile Konstruktion. Alltägliche und häufig weggeworfene Gegenstände verwandelt sie in sorgfältig gefertigte Stoffobjekte. Viele basieren auf Interviews, in denen Menschen von Dingen aus ihrer Kindheit oder von verlorenen Erinnerungsstücken berichten.

Die Erfahrung der Krise

Zentrum der Ausstellung ist eine ortsspezifische Installation mit dem Titel „Pile“, ein dichter Haufen aus zahlreichen textilen Objekten. Die Arbeit entstand aus Healys Auseinandersetzung mit der Coronakrise. „Die einzelnen Objekte wirkten zu ruhig im Vergleich zu dem Lärm und der Anspannung jener Zeit“, erklärt sie. „Erst als ich sie zu einer großen, kakofonischen Gruppe zusammenfügte, fühlten sie sich wie die Erfahrung an, damals zu leben.“

Ergänzt wird die Installation durch Arbeiten wie „Recycling Can“, „Metal Can“ oder eine kleinere Serie mit dem Titel „Dog Poop Bags“. In ihnen rekonstruiert die Künstlerin scheinbare Müllhaufen in aufwendig gearbeiteten Textilbildern – vom Kaffeebecher bis zum Nährwertetikett detailgenau nachgebildet.

Kay Healy in der Ausstellung. Foto © Janean Malloy

Zwischen Kritik und Hoffnung

Der zeitintensive Herstellungsprozess steht im Kontrast zur Geschwindigkeit moderner Konsum- und Entsorgungspraktiken. „Mich interessiert unsere Gewohnheit, Dinge in eine Tüte zu stecken, sie wegzuschicken und so zu tun, als hätten sie nie existiert“, sagt Healy.

Der Ausstellungstitel ist auch ein Ausdruck der Hoffnung für die Zukunft dieses Ortes. „Ich hoffe, dass das Village of Industry & Art wie ein kreativer Phönix aus der Asche der UArts hervorgehen kann“, so die Künstlerin. „Mit der richtigen Pflege könnte dieser Ort wieder ein Zentrum für Künstler und Designer in Philadelphia werden.“


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