In Halle 3.0 verschmelzen auf der diesjährigen Heimtextil Technologie und Haptik zu einem immersiven Erlebnis. Mit ihrer Installation „among-all“ beweist die Star-Designerin Patricia Urquiola, dass Künstliche Intelligenz und menschliche Sinnlichkeit keine Gegensätze sein müssen.
Wer die Installation betritt, wird Teil einer Reihe von lebendigen Organismen, die neu und ungewöhnlich wirken. „among-all“ präsentiert die vielfältigen Möglichkeiten von Textilien – von weichen, fließenden Oberflächen bis hin zu strukturierten, starren Formen – und zeigt, wie Stoffe Raum, Gesten und Interaktion prägen können. Im Kern spiegelt die Installation Urquiolas Forschung zu Materialinnovation und Nachhaltigkeit wider. Sie demonstriert, wie der Lebenszyklus von Materialien von Anfang an in den Designprozess integriert werden kann und so zu zirkuläreren und verantwortungsvolleren Produktionsweisen führt.

Zudem werden die Bewegungen der Besucher durch KI Teil der Inszenierung. Es wird gezeigt, wie Textilien als transformative Materialien fungieren und eine Schnittstelle zwischen Menschen, Materialien und Maschinen bilden. „‚among-all‘ ist das zweite Kapitel unserer textilen Forschung, die sich durch Objekte, Prozesse und räumliche Experimente entwickelt. Anstatt als Container ist die Ausstellung als temporäres Ökosystem konzipiert, das Installationen aus regeneriertem Nylon, Textilabfällen und biobasierten Materialien zusammenführt“, erklärt Patricia Urquiola.
Richtig eingesetzt könne Künstliche Intelligenz Interieurs aufwerten, meint die spanische Designerin: „KI kann uns dabei helfen, Textilien und Räume zu entwerfen, die sensibler sind, die zuhören, reagieren und sich anpassen können. Immer mit der Idee, neue Wege zu finden, die Welt zu bewohnen.“

Abfall als Wertstoff
Ein Highlight der Installation sind die hängenden Gitterstrukturen, gefertigt aus sogenannten Cimosas. Diese Webkanten sind eigentlich Abfallprodukte der Textilproduktion, die hier zu skulpturalen Netzen veredelt werden. In Kombination mit Objekten aus ECONYL® setzt Urquiola hier ein starkes Zeichen für die Kreislaufwirtschaft. „Wir müssen aufhören, Abfall als Ende einer Kette zu sehen. In ‚among-all‘ wird das vermeintlich Wertlose zum Rückgrat der Ästhetik. Es geht um eine radikale Empathie gegenüber dem Material“, betont sie.
Die Ästhetik der Installation erinnert an organische Lebensformen: Pilzartige Skulpturen und weiche Sitzlandschaften wie die Polsterskulptur „Giano“ laden zum Verweilen ein. Urquiola gelingt das Kunststück, das „textile Denken“ in die Zukunft zu führen. Sie zeigt uns eine Welt, in der KI als Werkzeug dient, um nachhaltigere und emotionalere Räume zu schaffen. Ein Pflichttermin für jeden, der wissen will, wie wir morgen wohnen werden.