Home ArtIm Feuer vollendet: PichiAvos temporärer Tempel als rituelles Kunststatement

Im Feuer vollendet: PichiAvos temporärer Tempel als rituelles Kunststatement

von redaktion
„Tempel“ aus Pappmaché von PichiAvo anlässlich der diesjährigen Fallas. © PichiAvo

Im Rahmen des traditionsreichen Fallas de Valencia verwandelte das Künstlerduo PichiAvo die Straßen von Valencia in eine Bühne für ein ebenso ephemeres wie symbolisch aufgeladenes Kunstwerk. Ihre Installation „Per ofrenar“ existierte – wie bei diesem Volksfest üblich – nur wenige Tage, bevor sie im rituellen Feuer der „La Cremà“ vollständig zerstört wurde.

Making-Of-Video von PichiAvo. © PichiAvo

Formal orientierte sich die Arbeit an einem ionischen Tempel, inspiriert vom antiken Vorbild des Athena-Nike-Tempels. Doch im Inneren offenbarte sich ein zeitgenössischer Diskurs. Ein Altar aus recyceltem Papier – Überreste eines Künstlerbuchs – trug eine fein austarierte Waage mit zwei Kerzen, die sinnbildlich für klassische Kunst und Graffiti standen. Diese Dualität ist zentral für die Arbeit von PichiAvo, die seit Jahren zwischen Hochkultur und urbaner Bildsprache vermittelt.

Bemerkenswert ist auch der partizipative Ansatz. Besucher hinterließen eigene Botschaften, schrieben direkt auf die Wände und machten das Werk zu einer sich ständig wandelnden Oberfläche – fast wie ein kollektives Graffiti.

Dass die Installation schließlich verbrannte, folgt nicht nur der Tradition der Fallas, sondern vollendet das Konzept, Kunst als Opfergabe, als Prozess und als flüchtigen Moment zwischen Konstruktion und Zerstörung zu begreifen.


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