Mit „Future Fossils“ gelingt Kilian Vos ein bemerkenswerter Brückenschlag. Für Moooi entwickelte die Amsterdamer Designerin eine Teppichkollektion, die vollständig aus generativer CGI hervorgeht – und dennoch eine verblüffend physische Präsenz entfaltet. Was wie mineralische Strukturen, geologische Einschlüsse oder kristalline Brüche erscheint, ist das Resultat algorithmischer Prozesse. Vos übersetzt Code in scheinbar gewachsene Formen und entwirft damit eine spekulative Materialgeschichte der Zukunft.

Dieser Ansatz ist kein einmaliges Experiment, sondern prägt ihr gesamtes Werk. Vos bewegt sich konsequent im Spannungsfeld zwischen virtueller Simulation und realer Objektwelt. Ihre Projekte entstehen häufig zunächst als digitale Räume oder Artefakte, die eine eigene, fast immersive Logik entwickeln, bevor sie in physische Objekte überführt werden. Dabei geht es weniger um klassische Produktgestaltung als um Wahrnehmung.
Arbeiten wie der „KAYU ONE“-Hocker oder das „FORMA TWO“-Chair Object zeigen, wie stark Vos mit organischen, fast fluiden Geometrien operiert. Oberflächen wirken weich modelliert, als wären sie im digitalen Raum geformt und anschließend materialisiert worden. Ähnlich verhält es sich mit dem „YŪN“-Beistelltisch oder raumgreifenden Szenarien wie der „NOWHERE“-Gallery, in der Möbel, Architektur und virtuelle Inszenierung ineinander übergehen. Hier wird CGI nicht nur als Werkzeug verstanden, sondern als eigenständiges Entwurfsmedium, das neue ästhetische Logiken hervorbringt.
Kennzeichnend ist dabei eine wohl absichtliche Ambivalenz. Vos’ Objekte erscheinen zugleich vertraut und fremd. Sie zitieren natürliche Strukturen, ohne ihnen zu entsprechen, und erzeugen so eine eigentümliche Hybridität. Gerade diese Irritation macht den Reiz ihrer Arbeiten aus – und verweist auf ein Designverständnis, das weniger in Kategorien von Funktion und Typologie denkt als in Szenarien und Atmosphären.
Mit „Future Fossils“ überträgt Vos diese Haltung nun in den Kontext eines internationalen Designlabels. Die Kollektion markiert nicht nur ihr Debüt bei Moooi, sondern auch einen programmatischen Moment: die konsequente Öffnung von Produktdesign hin zu digitalen Entwurfsprozessen. Präsentiert wird die Serie derzeit im Rahmen der Milan Design Week – ein passender Ort für Arbeiten, die die Zukunft des Gestaltens zwischen Realität und Simulation verorten.