Die heutige Auswahl rückt die Beziehung zwischen Gestaltung und öffentlichem Leben in den Mittelpunkt. Georgia Merritt verwischt die Grenzen zwischen Möbel und Skulptur, während das Design Museum Gent Design ausdrücklich als gesellschaftliche Praxis versteht. Lichtensteins Arbeiten zeigen, wie präzise Bildsprache über Jahrzehnte hinweg aktuell bleiben kann. Bei Frame und Snøhetta steht dagegen die Nutzung von Räumen im Vordergrund: Gastronomie, Kunst und Architektur werden zu Orten der Begegnung, deren Bedeutung über ihre eigentliche Funktion hinausreicht.
Dezeen – Georgia Merritt verbindet Möbel, Skulptur und Architektur
Mit „Refrain“ zeigt die britische Designerin Georgia Merritt in einem Londoner Antiquitätengeschäft fünf neue Möbelobjekte, die sich nicht eindeutig einer Kategorie zuordnen lassen. Die Entwürfe greifen architektonische Stuckprofile des 18. Jahrhunderts und Elemente musikalischer Notation auf. Ihre skulpturalen Formen stehen dabei in einem spannenden Verhältnis zu den historischen Möbeln und Objekten des Ausstellungsorts. Gerade diese Gegenüberstellung macht die Präsentation interessant. Merritts Arbeiten treten nicht als isolierte Designstücke auf, sondern als zeitgenössische Interpretation einer Gestaltungstradition, die Architektur, Ornament und Gebrauchsgegenstand miteinander verbindet. Die Ausstellung läuft bis 31. Oktober bei M Kardana in East London. (Quelle: Dezeen, https://www.dezeen.com/2026/10/19/georgia-merritt-design-show-london-antiques-dealer/)
Domus – Kann ein Designmuseum die Demokratie stärken?
Nach vier Jahren Umbau hat das Design Museum Gent mit einem neuen Gebäudeflügel und einer veränderten Präsentation seiner Sammlung wiedereröffnet. Im Zentrum steht die Frage, welchen Beitrag Design zur demokratischen Gesellschaft leisten kann. Die Eröffnungsausstellung „Public Matter(s): Design and Democracy“ beschäftigt sich mit politischer Teilhabe, Wahlrecht und dem Ausschluss bestimmter Bevölkerungsgruppen – bis hin zur Frage, ob auch Flüsse, Wälder und Ökosysteme Rechte erhalten sollten. Der vom britischen Büro Carmody Groarke gemeinsam mit ATAMA entworfene Erweiterungsbau öffnet sich mit einem begrünten Innenhof und frei zugänglichen Bereichen zur Stadt. Das Museum soll damit nicht nur als Ort verstanden werden, an dem Design ausgestellt wird, sondern auch als Raum für Diskussion, Beteiligung und gemeinschaftliche Gestaltung. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/design/gallery/2026/10/14/design-museum-gent-reopening-design-democracy.html)
Wallpaper* – Roy Lichtenstein wirkt in New York aktueller denn je
Die Ausstellung „Roy Lichtenstein: Like New“ im Whitney Museum of American Art versammelt mehr als 130 Arbeiten aus sechs Jahrzehnten. Statt das Werk des Pop-Art-Künstlers streng chronologisch zu präsentieren, setzen die Kuratoren auf thematische Verbindungen zwischen Malerei, Druckgrafik, Spiegelmotiven und Lichtensteins Beschäftigung mit der Wahrnehmung. Eine Rekonstruktion seiner 29 Meter langen „Greene Street Mural“ bildet einen monumentalen Auftakt; in einem eigenen Bereich geht es um jene Experimente mit visueller Wahrnehmung, die Lichtenstein während seiner Studienzeit prägten. Die Ausstellung macht deutlich, dass hinter den scheinbar mechanischen Rasterpunkten, klaren Konturen und grellen Farben ein präzise kalkulierter Umgang mit Bildsprache steckt. Zu sehen ist sie bis 10. Mai 2027. (Quelle: Wallpaper*, https://www.wallpaper.com/art/exhibitions-shows/in-new-york-roy-lichtenstein-feels-more-modern-than-ever)
Frame – Vier neue Orte zwischen Gastronomie, Nachtleben und Kunst
Die aktuelle Auswahl von Frame zeigt, wie stark Innenarchitektur von den Aktivitäten geprägt wird, die in einem Raum stattfinden. In Amsterdam orientiert sich ein Pop-up an der Laufkultur – in Paris verbindet das neue Lokal Le Poisson Volant Restaurant, Bar und Club. Licht und Sound verwandeln den gastronomischen Raum dabei auch in einen Ort des Nachtlebens. Ergänzt wird die Auswahl durch weitere Neueröffnungen, darunter ein Kunstmuseum in Stockholm. Die Projekte stehen für unterschiedliche Formen der Begegnung. Räume werden nicht allein über Material und Möblierung definiert, sondern auch über Bewegung, Atmosphäre und das soziale Verhalten ihrer Besucher. (Quelle: Frame, https://frameweb.com/article/openings/from-a-paris-restaurant-and-club-to-a-stockholm-art-museum-four-spaces-to-step-into-this-season)
designboom – Snøhettas Opernhaus in Shanghai öffnet sein spiralförmiges Dach für alle
Mit dem Shanghai Grand Opera House hat Snøhetta ein 146.786 Quadratmeter großes Opernhaus am Huangpu-Fluss fertiggestellt. Drei Säle bieten insgesamt 4.200 Sitzplätze. Das architektonische Kennzeichen des Gebäudes ist jedoch das weit geschwungene weiße Dach, das sich spiralförmig aus der Landschaft erhebt. Eine große Treppe führt hinauf auf das begehbare Dach, das als Aussichtspunkt und öffentlicher Aufenthaltsraum auch Menschen offensteht, die keine Aufführung besuchen. Die Form nimmt sowohl Bezug auf die Bewegung des Flusses als auch auf die Geometrie eines traditionellen chinesischen Fächers. Mit dieser Verbindung von Kulturinstitution und frei zugänglichem Stadtraum erweitert das Projekt die Funktion eines Opernhauses über den eigentlichen Veranstaltungsbetrieb hinaus. (Quelle: designboom, https://www.designboom.com/architecture/snohetta-shanghai-grand-opera-house-spiraling-staircase-public-rooftop/)