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Wenn Design mehr als dem Menschen dient

von redaktion
Die Living Seawalls des Reef Design Lab fördern mit künstlichen Riffstrukturen die Wiederbelebung mariner Lebensräume. Reef Design Lab, Sydney Institute of Marine Science, Living Seawalls, 2018, Foto © Luke Hayes

Mit More than Human – Design mit der Natur zeigt das Museum für Gestaltung Zürich ab dem 30. Januar 2026 erstmals in der Schweiz eine Ausstellung, die Design konsequent über den Menschen hinaus denkt. Die vom Design Museum London entwickelte Wanderschau versammelt rund 30 internationale Positionen aus Design, Kunst und Architektur und fragt, wie Gestaltung aussehen kann, wenn Pflanzen, Tiere und ganze Ökosysteme als gleichwertige Akteure mitgedacht werden.

Kuratiert von Justin McGuirk und Rebecca Lewin (Future Observatory) sowie Damian Fopp vom Museum für Gestaltung Zürich, versteht sich die Ausstellung als Spiegel einer wachsenden Bewegung, die den ökologischen Wandel nicht als Zusatzaufgabe, sondern als grundlegende Neuausrichtung des Entwerfens begreift. Ausgangspunkt ist die Erkenntnis, dass menschliches Handeln untrennbar mit anderen Lebensformen verflochten ist.

Die Schau gliedert sich in drei thematische Kapitel: Being Landscape untersucht kulturelle und künstlerische Perspektiven, die den Menschen als Teil von Landschaften und natürlichen Systemen begreifen. Historische Rituale, indigene Denkmodelle und zeitgenössische Kunstwerke verdeutlichen, wie tief Naturvorstellungen in gesellschaftlichen Praktiken verankert sind.

Making with the World richtet den Blick auf konkrete Gestaltungsansätze, die ökologische Regeneration fördern. Projekte aus Küsten-, Stadt- und Landschaftskontexten zeigen, wie Design aktiv zum Schutz und zur Wiederbelebung von Lebensräumen beitragen kann, indem es mit natürlichen Prozessen arbeitet statt gegen sie.

Im abschließenden Kapitel Shifting Perspective wird der Perspektivwechsel radikal: Besucher sind eingeladen, die Welt aus der Sicht nicht-menschlicher Lebewesen zu betrachten. Installationen und Exponate machen deutlich, wie Design neue Formen des Mitdenkens und Mitfühlens ermöglichen kann.

Allen in allem setzt die Ausstellung wichtige Impulse für ein über den Menschen hinausgehendes Verständnis von Design. Dabei gehen manche Beispiele über die rein aktionistisch-konzeptionelle Perspektive hinaus und regen dazu an, sowohl die konkrete ökologische Wirksamkeit als auch die methodischen und epistemologischen Herausforderungen dieser „mehr-als-menschlichen“ Ansätze zu hinterfragen.


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