„Alles begann an einem Küchentisch – mit ein paar Zeichenwerkzeugen und einem Faxgerät“, erinnert sich Architekt und Designer Piero Lissoni an die Gründung seines Büros im Jahr 1986. Gemeinsam mit Nicoletta Canesi legte er damals in Mailand den Grundstein für ein Studio, das sich in vier Jahrzehnten zu einer festen Größe der internationalen Architektur- und Designszene entwickelt hat. Was klein begann, reicht heute von Möbeln und Interieurs über Hotels bis hin zu Stadtentwicklungsprojekten auf mehreren Kontinenten.
Vom Küchentisch zur Markenwelt
Prägend für die frühen Jahre war die Zusammenarbeit mit dem Küchenhersteller Boffi. Lissoni übernahm bereits 1986 die Art Direction – eine Aufgabe, die er rückblickend als große Herausforderung beschreibt. Statt sich auf einzelne Produkte zu beschränken, entwickelte er Küchen, Showrooms, Kataloge und das gesamte visuelle Erscheinungsbild des Unternehmens. Aus dieser engen Verzahnung von Produkt, Architektur und Kommunikation entstand jener ganzheitliche Gestaltungsansatz, der später auch Partnerschaften mit Marken wie Living Divani, Porro, Lualdi oder Sanlorenzo prägen sollte.
Während das Studio zunächst vor allem für Interieur- und Produktdesign bekannt war, rückte ab den späten 1990er-Jahren zunehmend die Architektur in den Mittelpunkt. Projekte wie das Conservatorium Hotel in Amsterdam oder das Dorothea Hotel in Budapest machten Lissoni international als Architekten bekannt. Heute umfasst das Portfolio luxuriöse Wohnhochhäuser in New York und Miami ebenso wie Masterpläne für Metropolen wie Peking oder Shanghai. Trotz der wachsenden Dimensionen sieht Lissoni seine Arbeit in einer Linie: „Heute sind die Projekte vielleicht einfach größer geworden. Was sich jedoch nie verändert hat, ist die Energie.“
Teamarbeit statt Geniekult
Der öffentliche Blick richtet sich häufig auf Piero Lissoni als kreativen Kopf des Büros. Er selbst weist dieses Bild jedoch seit Jahren zurück. Bereits zum 30-jährigen Bestehen erklärte er in einem Interview mit dem italienischen Wirtschaftsmagazin BusinessPeople, Inspiration entstehe nicht im Alleingang, sondern im ständigen Austausch mit seinem Team und den Partnerunternehmen.
Diese Haltung spiegelt sich auch in der Organisation des Studios wider. Rund 80 Spezialisten arbeiten heute in unterschiedlichen Disziplinen zusammen – von Architektur über Interior- und Produktdesign bis hin zu Grafik, Branding und visueller Kommunikation. Für Lissoni ist Gestaltung keine stilistische Fingerübung, sondern das Ergebnis einer interdisziplinären Zusammenarbeit, bei der unterschiedliche Kompetenzen zu einer konsistenten Identität verschmelzen. Und trotz der Größe des Büros bleibt er seinem Arbeitsprozess treu. Viele Entwürfe entstehen noch immer mit Stift und Papier am Zeichentisch seines Mailänder Ateliers.
Die Kraft der leisen Eleganz
Dass Lissoni & Partners auch nach vier Jahrzehnten international zu den gefragtesten Studios zählt, unterstreichen aktuelle Auszeichnungen wie der Red Dot Design Award 2026 für den SKS Flagship Showroom in Chicago. Auffälliger als einzelne Preise ist jedoch die bemerkenswerte Kontinuität der gestalterischen Handschrift. Statt spektakulärer Effekte setzt Lissoni auf Präzision, ausgewogene Proportionen und eine zurückhaltende Eleganz, die oftmals Raum für einen „Hauch von Unvollkommenheit“ lässt.
Für den Architekten markiert das Jubiläum deshalb weniger einen Schlusspunkt als den Auftakt zu einem neuen Kapitel. Oder, wie er selbst sagt: „Die Neugier, jeden Morgen so zu beginnen, als wäre alles neu, ist dieselbe wie 1986.“ Übrigens – das 40-jährige Bestehen von Lissoni & Partners fällt in ein besonderes Jahr für seinen Gründer, feiert Piero Lissoni doch in wenigen Tagen seinen 70. Geburtstag. Beide Daten stehen für eine bemerkenswerte Kontinuität – nicht nur einer Karriere, sondern einer Haltung zur Gestaltung, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat.
Happy Birthday!