Home ArchitectureSiemens Campus Erlangen: Wie Milliardeninvestitionen Industriestandorte neu erfinden

Siemens Campus Erlangen: Wie Milliardeninvestitionen Industriestandorte neu erfinden

von redaktion
In vier hochmodernen „all-electric-buildings“ (3 davon fertiggestellt), die rein mit Wärmepumpen geheizt und gekühlt werden, sind rund 70.000 m² neue Büroflächen entstanden. © Siemens AG

Mit der Fertigstellung des Siemens Campus Erlangen endet eines der größten Transformationsprojekte in der jüngeren Unternehmensgeschichte des Technologiekonzerns. Rund eine Milliarde Euro investierte Siemens seit 2014 in die Neugestaltung seines weltweit größten Standorts. Es ist ein offener Campus mit 18 Neubauten, auf dem rund 16.000 Beschäftigte arbeiten. Zugleich handelt es sich um ein Beispiel für den Wandel klassischer Industrieareale zu vernetzten Innovationsquartieren.

Mit einem Knall wurde das Modul 8 offiziell eröffnet. V.l.n.r.: Martin Jandt, Jörg Volleth, Veronika Bienert, Jörg Vocke, Rainer Brehm, Christian Eichinger und Michael Six. © Siemens AG

Der Campus vereint Forschung, Entwicklung, Ausbildung und Kundenbetreuung an einem Ort. Wo früher ein abgeschlossener Forschungsstandort lag, befinden sich heute moderne Arbeitswelten, öffentliche Wege, Gastronomie und Grünflächen. Nachhaltigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle: Regenwassernutzung, begrünte Dächer, intelligente Gebäudetechnik sowie Holz-Hybrid-Bauten und vollelektrische Gebäude sollen den ökologischen Fußabdruck reduzieren. Siemens versteht den Campus zugleich als Schaufenster seiner eigenen Technologien in den Bereichen Automatisierung und industrielle Software.

Großvolumige Transformationsprojekte dieser Art gewinnen weltweit an Bedeutung. Unternehmen modernisieren ihre Standorte nicht mehr ausschließlich unter Effizienzgesichtspunkten, sondern schaffen Ökosysteme, in denen Forschung, Produktion, Start-ups, Hochschulen und Partner enger zusammenarbeiten können. Ziel ist es, Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen und gleichzeitig attraktive Arbeitsumgebungen zu schaffen.

Siemens steht mit diesem Ansatz nicht allein. Auch Bosch entwickelt seinen Forschungscampus in Renningen kontinuierlich als interdisziplinären Innovationsstandort weiter. Volkswagen verfolgt mit der Weiterentwicklung seines Werks in Wolfsburg ähnliche Ziele und richtet den traditionsreichen Produktionsstandort schrittweise auf Elektromobilität, Digitalisierung und neue Fertigungskonzepte aus.

Alle Siemens-Einheiten in einem Campus verbunden. Rund 16.000 Menschen arbeiten in Gebäuden entlang einer 2 Kilometer langen Grünachse auf dem Gelände. © Siemens AG

Für Siemens ist der Abschluss des Campus Erlangen deshalb weniger das Ende als vielmehr der Auftakt einer neuen Entwicklungsphase. Bereits läuft der Bau des Siemens Technology Campus auf dem benachbarten Entwicklungs- und Fertigungsgelände weiter. Damit setzt das Unternehmen seine langfristige Investitionsstrategie am Standort Deutschland fort. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass die Transformation historisch gewachsener Industriestandorte heute weit über neue Gebäude hinausgeht. Gefragt sind nachhaltige Quartiere, die Arbeiten, Forschung, Begegnung und künftig auch Wohnen miteinander verbinden.


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