Der Bundespreis Ecodesign, die höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland, hat in seiner jüngsten Ausgabe 14 Projekte prämiert. Seit seiner Etablierung im Jahr 2012 durch das Bundesministerium für Umwelt (BMUV) und das Umweltbundesamt (UBA) in Kooperation mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin (IDZ) würdigt der Wettbewerb herausragende Produkte, Konzepte und Dienstleistungen, die anspruchsvolle Designqualität mit vorbildlicher Umweltverträglichkeit verbinden. Die 14 prämierten Projekte stehen exemplarisch für einen Wandel in verschiedenen Bereichen, von der Materialwissenschaft über die Konsumgüterindustrie bis hin zu digitalen Lösungen für den Naturschutz.
Die Auswahl durch die unabhängige Expertenjury beleuchtet dabei nicht nur das Potenzial neuer, nachhaltiger Ansätze, sondern stellt die etablierten Wirtschaftszweige gleichzeitig vor die Herausforderung, die gezeigten Innovationen in die Breite zu tragen.
Zirkularität und die Wende bei Konsumgütern
Ein zentraler Fokus liegt auf der Schließung von Stoffkreisläufen. In der Kategorie „Konzept“ setzte sich unter anderem der Haushaltsgerätehersteller Miele mit einem zirkulären Staubsauger durch (Designstudie Vooper). Das Modell zeichnet sich durch einen besonders hohen Recyclinganteil aus, der bei bestimmten Kunststoffkomponenten bis zu 75 % erreicht. Während das Bemühen um langlebige und reparierbare Produkte in der Branche honoriert wird, bleibt die kritische Frage bestehen, inwieweit solche Pilotprodukte schnell zum Industriestandard avancieren können, um die Gesamtbilanz des Massenkonsums signifikant zu verbessern.

Einen radikalen Ansatz im Umgang mit dem Lebensende eines Produkts bietet der sogenannte Mushroom Coffin von Loop Biotech B.V. Der Sarg aus Myzel, dem Wurzelgeflecht von Pilzen, ist vollständig biologisch abbaubar. Er zersetzt sich deutlich schneller als herkömmliche Holzsärge und führt Nährstoffe in den Boden zurück. Dieses Konzept stellt eine ökologisch konsequente Bestattungsform dar, erfordert jedoch eine gesellschaftliche Akzeptanz, die traditionelle Bestattungsrituale infrage stellt. (Bild oben)
Neue Textilwege
Gleich mehrere Preise gingen an Entwicklungen, die etablierte Materialien durch nachhaltigere Alternativen ersetzen wollen. LOVR™, ein innovatives Hanf-Material, wurde für seinen biobasierten, veganen Lederersatz ausgezeichnet. Das Material nutzt industriellen Hanf und natürliche Additive und zielt darauf ab, die Umweltbelastung der Lederproduktion sowie von Kunstleder auf Erdölbasis zu reduzieren. Die Herausforderung für solche neuartigen Werkstoffe liegt oftmals in der Skalierbarkeit der Produktion sowie in der Gewährleistung der Langlebigkeit und Haptik, welche die Industrie von konventionellen Materialien gewohnt ist.

Einen regionalen und zirkulären Ansatz verfolgt das Projekt Felt the Future – walking with wool. Hierbei handelt es sich um eine Schuhkollektion, die auf recycelte Wolle und Filz setzt. Durch die Nutzung lokaler Ressourcen und die Minimierung von Transportwegen wird ein ganzheitlich ökologischer Produktionsprozess angestrebt. Die Kritik an solchen Produkten konzentriert sich meist auf den vergleichsweise höheren Preis, der die breite Marktdurchdringung erschwert.

Systemische und digitale Lösungen
Über reine Produkte hinaus wurden auch innovative Konzepte für Systeme und Prozesse gewürdigt. orto space erhielt eine Auszeichnung für sein modulares, digitales Service-System zur Erfassung und Wiederverwendung von temporären Bauten, insbesondere im Ausstellungs- und Messesektor. Da Bauten im Messewesen oft große Mengen an kurzlebigem Abfall generieren, bietet orto space eine nachhaltige Alternative durch standardisierte, datenbasierte Komponenten und kollaborative Planung. Der ökologische Vorteil ist evident, auch wenn die anfänglichen Investitionskosten für die digitale Infrastruktur und die im Vergleich zu maßgeschneiderten Bauten geringere gestalterische Flexibilität bei den Nutzern zunächst Überzeugungsarbeit erfordern.

Im Bereich des Naturschutzes wurde das digitale Projekt Amber – AI monitoring device ausgezeichnet. Die Lösung nutzt künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zur Früherkennung und Prognose von Borkenkäferbefall in Wäldern. Sensoren und Satellitenbilder ermöglichen eine gezieltere Intervention, wodurch der Einsatz von Insektiziden reduziert und die Effizienz der Forstwirtschaft gesteigert werden soll. Offen bleibt, ob eine flächendeckende und zuverlässige Infrastruktur im ländlichen Raum überhaupt verfügbar gemacht werden kann.

Die 14 Preisträger demonstrieren eindrücklich, dass ökologisches Denken längst ein fester Bestandteil im Design von heute ist. Es geht um die zukunftsweisende Symbiose in der Produktentwicklung, die Maßstäbe für eine Wirtschaft setzt, in der sich Ressourceneffizienz und Ästhetik vereinen.