Home DesignTesting Grounds Showroom? – Wie Form Us With Love den Showroom neu denkt

Testing Grounds Showroom? – Wie Form Us With Love den Showroom neu denkt

von Markus Schraml
Die jährliche Veranstaltung Testing Grounds ermöglicht es den Besuchern, Design im Kontext zu erleben. Foto © Jonas Lindström

Die Absage der Stockholm Design Week und der Stockholm Furniture Fair – künftig nur noch im Biennale-Rhythmus – traf die schwedische Designszene unerwartet. Für viele Studios und Marken bedeutete sie einen Einschnitt. Das Stockholmer Studio Form Us With Love (FUWL) nahm dies allerdings zum Anlass, eine grundsätzliche Frage zu stellen: Welche Rolle soll ein Showroom heute spielen?

Mit „Testing Grounds Showroom?“ überführt FUWL sein bisher einwöchiges Format in eine viermonatige Versuchsanordnung. Seit dem 2. Februar und noch bis 2. Juni 2026 wird das Studio selbst zum temporären Showroom, zum Lebensraum und Labor für neue Formen der Präsentation. Bereits in früheren Ausgaben von „Testing Grounds“ experimentierte FUWL mit Formaten, vom Co-Working-Lab bis zum voll funktionsfähigen Bistro. Nun richtet sich der Fokus auf den Raum selbst und seine Funktion.

„Der entscheidende Faktor war Zeit“, sagt Mitgründer Jonas Pettersson. „Traditionelle Messeformate sind auf wenige intensive Tage komprimiert. Sie erzeugen Sichtbarkeit, aber nur wenig Tiefe.“ Ihn habe interessiert, „was passiert, wenn man diese Logik umkehrt – wenn man Zeit ausdehnt, statt sie zu verdichten“. Ein über Monate angelegter Showroom ermögliche „vielschichtige Gespräche, wiederholte Besuche und ein sich entwickelndes Programm“. Der Fokus verschiebe sich „von bloßer Präsenz hin zu echter Auseinandersetzung“.

John Löfgren und Jonas Pettersson gründeten ihr Studio im Jahr 2005. © FUWL

FUWL formuliert drei Ziele: „Erstens: Kontinuität statt eines kurzfristigen Höhepunkts. Design ist kein Ereignis, sondern eine fortlaufende kulturelle Praxis. Zweitens: Raum für Dialog – nicht nur für Präsentation. Und drittens: Ideen über einen längeren Zeitraum in einem realen Umfeld zu erproben, anstatt sie in einem einzelnen Launch-Moment einzufrieren.“ Es gehe „weniger darum, Objekte auszustellen, sondern vielmehr darum, einen Kontext zu schaffen, in dem Ideen zirkulieren können“.

Konkret zeigt sich dieser Ansatz in zahlreichen Kooperationen. Mit BAUX entstehen akustische Elemente aus X-FELT, die den Raum zonieren und atmosphärisch prägen. Gemeinsam mit dem niederländischen Textillabel BYBORRE entwickelt FUWL eine neue Textilkollektion. „Wir sehen das Textildesign als Erweiterung unserer Praxis“, so Pettersson. „Wir haben uns auf Performance, Haptik und Skalierbarkeit konzentriert, nicht allein auf Ausdruck.“ Farbe begreife man „als funktionale Ebene“, die Räume langfristig unterstütze.

Weitere Partner wie String Furniture, Savo, Forming Function oder Tarkett sind integraler Bestandteil des Settings. Produkte werden nicht isoliert präsentiert, sondern im Gebrauch gezeigt – vom modularen Sitzsystem bis zu Vinylböden, die auch als Tischoberflächen eingesetzt werden. Ein begleitendes Programm aus Talks, Workshops und Live-Formaten, kuratiert mit Playground, vertieft die Leitfrage: Showroom?

Die Verschiebung der Möbelmesse in den Zweijahresrhythmus bewertet Pettersson nüchtern: „Das klassische Modell – große, zentralisierte Fachmessen – wird überall hinterfragt. Die Kosten steigen, Reisegewohnheiten verändern sich, und digitale Zugänge haben Exklusivität relativiert.“ Messen würden nicht verschwinden, „sie transformieren sich“. Zunehmend entstünden „dezentralere Formate, stadtweite Aktivierungen, langsamere Programme und stärker kuratierte Ökosysteme statt einzelner Epizentren“.

Für Stockholm sieht er darin eine Chance: „Schweden braucht nicht die lauteste Plattform, sondern die durchdachteste.“ Anstatt mit Mailand oder Kopenhagen im Maßstab zu konkurrieren, könne die Stadt „in Tiefe und Nachhaltigkeit führend sein – als Ort, an dem Ideen entwickelt und nicht nur präsentiert werden“.

Dass FUWL dabei verstärkt auf Community-Building setzt, versteht Pettersson nicht als Marketingstrategie, sondern als Erweiterung des Designbegriffs. „Design war schon immer relational. Produkte existieren innerhalb von Systemen, und Systeme innerhalb von Gemeinschaften.“ Community-Building sei „keine Marketing-Schicht, die dem Designprozess nachträglich hinzugefügt wird. Es ist von Beginn an integriert.“ Ziel sei es nicht, strategisch eine Community aufzubauen, sondern „sinnstiftende Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich Menschen auf natürliche Weise um gemeinsame Werte versammeln“.

Die neuen Schallabsorber, Gitter und Floating-Paneele von BAUX wurden entwickelt, um Akustik nahtlos in die Architektur zu integrieren. Hergestellt aus X-FELT, Design: FUWL. Foto © Mattias Södermark
Die neuen Schallabsorber, Gitter und Floating-Paneele von BAUX wurden entwickelt, um Akustik nahtlos in die Architektur zu integrieren. Hergestellt aus X-FELT, Design: FUWL. Foto © Mattias Södermark

Der Showroom wird so zur Plattform – nicht nur für Produkte, sondern für Beziehungen. In einer Designlandschaft im Wandel setzt FUWL auf Dauer, Dialog und Kontext. Es ist ein Test, ob der Showroom der Zukunft weniger Bühne als vielmehr Resonanzraum sein kann.


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