Home AnniversaryZwischen Fragment und Prozess – 20 Jahre DWA

Zwischen Fragment und Prozess – 20 Jahre DWA

von Markus Schraml
Alberto Artesani und Frederik De Wachter gründeten ihr Studio irgendwann im Jahr 2005. Foto © Claudia Zalla

Zum 20-jährigen Bestehen legt DWA Design Studio eine Publikation vor, die sich bewusst gegen die Konventionen klassischer Monografien stellt. Das von LaTigre gestaltete Buch ist weniger Rückschau als ein vielschichtiges Objekt, das Erinnerung, Material und Gestaltung ineinander verschränkt. Statt linearer Chronologie entfaltet sich ein Geflecht aus Fragmenten, das die Arbeitsweise des Mailänder Studios präzise spiegelt.

„Vielleicht hat alles an irgendeinem Tag im Jahr 2005 begonnen. Oder vielleicht werden Anfänge immer erst im Nachhinein konstruiert“, sagt Alberto Artesani. „Mit der Zeit haben wir Spuren gesammelt: Zeichnungen, Fotografien, Materialien, Notizen. Einige davon prägen noch heute unsere Gestaltungssprache, andere sind verstummt – doch jede einzelne hat ihren Platz.“

Die beiden Gründer bezeichnen ihre Arbeit als „interstitiell“ (in den Zwischenräumen liegend). Es geht um Prozesse, die durch den Austausch von Ideen und Unvollkommenheiten befeuert werden. Foto © Claudia Zalla

Frederik De Wachter führt diesen Gedanken weiter und schärft die Haltung des Studios: „Das ist keine Geschichte – es gibt keine Ordnung, keinen linearen Verlauf. Was bleibt, ist eine Abfolge von Handlungen oder Gesten. Jemand hat einmal gesagt, dass DWA in den Zwischenräumen dieser Handlungen liegt. Vielleicht stimmt das.“

Ein Archiv ohne Anfang und Ende

Das Buch verweigert folgerichtig eine klare Erzählstruktur und begreift Gestaltung als offenen, prozesshaften Ansatz. Formal übersetzt die Mailänder Kreativagentur LaTigre diese Haltung in ein haptisch erfahrbares Konzept. Unterschiedliche Papiere, Drucktechniken und sogar unaufgeschnittene Seiten, die mit einem beiliegenden Brieföffner erst zugänglich gemacht werden müssen, aktivieren die Leser. Die limitierte Auflage von 100 Exemplaren unterstreicht den Charakter als persönliches Artefakt.

Das Buch ist so gestaltet, dass es einer Entdeckungsreise gleicht. Foto © Claudia Zalla

Inhaltlich reicht das Spektrum von freien Interpretationen des Kürzels „DWA“ durch Wegbegleiter bis hin zu Projektfragmenten aus zwei Jahrzehnten. Doch statt Vollständigkeit geht es um Verdichtung: um Details, Spuren und Perspektiven. So entsteht ein bewusst unabgeschlossenes Porträt, das weniger dokumentiert als reflektiert – und gerade darin seine Stärke entfaltet.


Weitere TOP-Artikel