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Ferrari Luce: Glatte Zukunft ohne Kanten?

von Markus Schraml
Der erste Elektro-Ferrari setzt auf Perfektion – und verliert dabei etwas Charakter © Ferrari

Mit dem Ferrari Luce schlägt Ferrari ein neues Kapitel auf. Der erste vollelektrische Ferrari ist technologisch ein Meisterstück: 1.050 PS, über 530 Kilometer Reichweite, vier Elektromotoren und ein hochkomplexes Fahrdynamiksystem markieren den ambitionierten Eintritt der Traditionsmarke in das Elektrozeitalter. Doch während die Technik beeindruckt, wirft vor allem das Design Fragen auf.

Denn mit dem Luce verabschiedet sich das Unternehmen sichtbar von jener kompromisslosen Formensprache, die Ferrari über Jahrzehnte geprägt hat. Wo einst die scharf geschnittenen Linien eines Testarossa Dominanz, Geschwindigkeit und mechanische Kraft visualisierten, herrscht nun glatte Harmonie. Die Karosserie wirkt weich modelliert, beinahe organisch. Statt dramatischer Keile und deutlicher Kanten dominieren fließende Rundungen und makellose Oberflächen.

Ferrari-Präsident John Elkann sieht im Luce ein Vorwegnehmen der Zukunft. © Ferrari

Zwischen Luxusobjekt und Designstudie

Ferrari spricht von „Klarheit“ und „Simplifizierung“ – tatsächlich erinnert der Luce jedoch stellenweise eher an ein luxuriöses Designobjekt als an einen emotionalen Supersportwagen. Vor allem die nahezu nahtlosen Flächen verleihen dem Fahrzeug eine sterile Perfektion. Man denkt weniger an klassische Ferrari-Ikonen als an ein futuristisches Konzeptfahrzeug oder gar ein überdimensioniertes Spielzeugauto.

Dabei zeigt sich deutlich der Einfluss des Designkollektivs LoveFrom rund um Jony Ive und Marc Newson. Ihre Handschrift – bekannt aus der Welt von Apple und High-End-Produktdesign – setzt konsequent auf Reduktion und visuelle Ruhe. Genau darin liegt aber auch die Schwäche des Luce: Ihm fehlt jene aggressive Spannung, jene visuelle Unruhe, die Ferrari-Modelle traditionell lebendig machte.

Selbst der neue Ferrari Amalfi, dessen weichere Linien bereits einen stilistischen Wandel andeuteten, bewahrte noch eine gewisse Charakterstärke. Der Luce hingegen wirkt fast zu perfekt. Die ikonische Dramatik weicht einer glatten Ästhetik, die eher Effizienz als Leidenschaft kommuniziert. So gesehen passt dieses Fahrzeug in eine futuristische Gesellschaft à la „Equals“, in der Individualismus verpönt und gleichgeschaltetes Wohlverhalten obligatorisch ist.

Technik mit Ferrari-DNA

Unbestritten bleibt allerdings Ferraris technologische Leistung. Die aktive Aerodynamik, die einzeln gesteuerten Räder und das eigens entwickelte Soundsystem zeigen, wie ernst Maranello den Anspruch nimmt, auch elektrisch ein emotionales Fahrerlebnis zu schaffen. Der Luce fährt Ferrari-typisch extrem schnell und hochpräzise – nur optisch fehlt ihm jener rebellische Ausdruck, der die großen Modelle der Marke einst unverwechselbar machte.

So markiert der Luce weniger eine Evolution der Ferrari-Formensprache als einen radikalen Bruch. Vielleicht ist genau das notwendig für die elektrische Zukunft. Vielleicht aber zeigt sich hier auch, wie schwierig es ist, digitale Perfektion mit automobiler Leidenschaft zu verbinden.


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