Im heutigen Design-Ticker geht es um Erinnerung und Transformation. Das Nieuwe Instituut macht aus einem riesigen historischen Archiv eine interaktive räumliche Erfahrung, während Es Devlin zeigt, wie aus Szenografie temporäre Räume für gemeinschaftliche Erlebnisse entstehen. Auch im Kleinen wird transformiert: Ein beengter Londoner Anbau wird zur neuen Wohnlandschaft, transluzentes Leder verändert die Wahrnehmung eines alltäglichen Portemonnaies und ein Fragment wird im Palazzo Strozzi vom Zeichen des Verlusts zum eigenständigen Kunstgegenstand. Selbst die vermeintlich harmlose Ästhetik des „Cuteness“ erweist sich bei genauerem Hinsehen als kulturelles Gestaltungsmittel mit überraschend vielen Bedeutungen.
Dezeen – Die niederländische Designgeschichte wird zum begehbaren Archiv
Für die neue Collection Gallery des Nieuwe Instituut in Rotterdam hat Space Popular eine ungewöhnliche Form der Sammlungspräsentation entwickelt. Rund vier Millionen Objekte umfasst die National Collection for Dutch Architecture and Urban Planning – von Zeichnungen und Modellen bis zu Korrespondenzen und Entwurfsmaterialien. Statt diese Fülle chronologisch hinter Vitrinen auszubreiten, übersetzt die Ausstellung sie in eine interaktive räumliche Erfahrung aus Projektionen, Spiegeln, Modellen und Zeichnungen. Thematische Zusammenhänge reichen von Wohnungsnot und Gartenstädten über koloniale Architektur bis zur Digitalisierung und der Rolle von Architektinnen. (Quelle: Dezeen, https://www.dezeen.com/2026/10/04/space-popular-nieuwe-instituut-collection-gallery-rotterdam/)
Interni – Es Devlin macht Raum zur Erfahrung
Die Ausstellung „Es Devlin: Other Worlds“ im Londoner Design Museum ist die erste europäische Retrospektive der britischen Szenografin und umfasst drei Jahrzehnte ihrer Arbeit. Devlin hat Bühnen für Beyoncé, U2, Adele und The Weeknd ebenso entwickelt wie Installationen, Theater- und Opernprojekte. Die Ausstellung zeigt nicht nur bekannte Großprojekte, sondern auch Skizzen, Modelle, Tagebücher und einen Nachbau ihres Studios. Im Zentrum steht ein eigens entwickelter „30-Year Desk“, an dem sich die verschiedenen Disziplinen ihrer Arbeit überlagern. Devlin versteht Szenografie dabei weniger als Kulisse denn als Möglichkeit, durch Licht, Bewegung, Material und Sprache temporäre Gemeinschaften entstehen zu lassen. (Quelle: Interni, https://www.internimagazine.com/no-category/es-devlin-la-scenografa-che-trasforma-lo-spazio-in-unesperienza/)
Wallpaper* – Eine Londoner Erweiterung macht aus wenig Raum mehr
In West Ealing haben Brown Urbanism und Kitchen Bee Design einen zu kleinen Anbau aus der Nachkriegszeit durch eine neue Erweiterung ersetzt. Die „Ealing Return“ genannte Lösung vergrößert die Küche und schafft einen offenen Bereich für Kochen und Essen, ergänzt um Hauswirtschaftsraum, Gäste-WC, Stauraum und eine eingebaute Sitzbank. Tageslicht gelangt über Oberlichter und die Erweiterung bis tief in das Erdgeschoß. Gewölbte Öffnungen und freiliegende Dachbalken verbinden dabei die neue Architektur mit dem Charakter des bestehenden Reihenhauses. Das Projekt zeigt, wie eine relativ kleine bauliche Intervention die gesamte Raumorganisation eines Stadthauses verändern kann. (Quelle: Wallpaper*, https://www.wallpaper.com/architecture/residential/west-london-extension-brown-urbanism-kitchen-bee-uk)
Domus – Wenn ein Fragment zum neuen Kunstwerk wird
„Broken“ im Palazzo Strozzi in Florenz untersucht die ästhetische und kulturelle Bedeutung beschädigter, fragmentierter und unvollständiger Kunstwerke. Die Ausstellung spannt einen Zeitraum von rund 4.300 Jahren und reicht von antiken Skulpturen und archäologischen Fragmenten bis zu Werken moderner und zeitgenössischer Künstler. Im Zentrum steht dabei nicht nur die Frage, was durch Zerstörung verloren geht, sondern auch, welche neue Bedeutung ein Fragment erhalten kann. Der Bruch wird damit vom Zeichen des Verlusts zum eigenständigen ästhetischen Zustand – und die Ruine vom beschädigten Objekt zum Ausgangspunkt einer neuen Lesart. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/art/gallery/2026/10/01/broken-palazzo-strozzi-artworks-fragments.html)
Core77 – Ein Portemonnaie aus durchsichtigem Leder
Der südkoreanische Ledermacher Eriist experimentiert mit einem Material, das zunächst wie Kunststoff aussieht. Tatsächlich besteht das Portemonnaie aus hauchdünnem, transluzentem Schafsleder. Möglich wird die ungewöhnliche Optik durch ein spezielles Gerbverfahren, mit dem bereits seit den 2000er-Jahren sehr dünne und lichtdurchlässige Leder hergestellt werden können. Der klassische Federstahlverschluss erinnert dagegen an traditionelle Münzbörsen. Gerade dieser Kontrast macht das Objekt interessant. Eine vertraute Form erhält durch ein ungewöhnliches Material eine völlig andere visuelle Wirkung. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145551/Translucent-Leather-Wallets)
designboom – Die Kunst des „Cuteness“
Das Louvre-Lens widmet der Ästhetik des Niedlichen eine ungewöhnlich breit angelegte Ausstellung. „So Cute! The Art of Happiness“ verfolgt die Geschichte des „Cute“ von der Antike bis zur Gegenwart und versammelt mehr als 300 Werke – darunter Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Filme, Bücher und Installationen. Tiere, die Farbe Rosa, Stofftiere, Glitzer und das japanische Kawaii stehen ebenso im Mittelpunkt wie die Frage, warum bestimmte Formen und Figuren positive Emotionen auslösen. Zugleich bleibt die Ausstellung nicht bei der harmlosen Oberfläche stehen. Cuteness kann auch für Konsum, Propaganda oder gesellschaftliche Kritik eingesetzt werden. (Quelle: designboom, https://www.designboom.com/art/louvre-lens-exhibition-cuteness-art-history-pink-toys-kawaii/)
