Im heutigen Design-Ticker geht es auffallend oft davon, wie Umgebung unsere Wahrnehmung und Gestaltung prägt. Cesura verlagert Fotografien aus dem Museum in die Peripherie, Fabrizio Corneli macht Licht und Schatten zum eigentlichen Material seiner Arbeit, und der Flaneur erschließt die Stadt erst durch Bewegung und Beobachtung. Die Reetdach-Dörfer zeigen dagegen, wie stark Architektur aus lokalen Materialien und klimatischen Bedingungen entstehen kann. Beim Mailänder Hotelturm und Mafells Bohrstation wird derselbe Grundgedanke zeitgenössisch weitergeführt. Gestaltung gewinnt ihre Qualität nicht allein aus der Form, sondern aus der präzisen Reaktion auf Ort, Material und Nutzung.
Domus – Cesura bringt den Fotojournalismus an die Ränder der Stadt
Mit „Cesure. Lines of Fracture“ widmen die Nationalmuseen von Ferrara dem 2008 um Alex Majoli gegründeten Fotografenkollektiv Cesura eine große Ausstellung. Sieben Fotografen richten den Blick auf Krieg, Migration, soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Randzonen – darunter Gabriele Micalizzi mit Aufnahmen aus Gaza und der Ukraine, Francesco Bellina mit Arbeiten über Migration sowie Angelo Leonardo mit Bildern aus Mailänder Vorstädten. Bemerkenswert ist auch die Präsentation: Ein Teil der Fotografien verlässt das Museum und erscheint auf Plakatflächen in den Außenbezirken Ferraras. Damit wird das Verhältnis von Zentrum und Peripherie nicht nur zum Thema, sondern Teil des Ausstellungskonzepts. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/art/gallery/2026/09/24/cesura-exhibition-photojournalism-ferrara.html)
Architectural Digest – 14 Dörfer, in denen das Reetdach weiterlebt
Architectural Digest reist zu 14 Orten, an denen mit Stroh, Schilf, Palmblättern oder anderen Pflanzen gedeckte Dächer bis heute das Ortsbild prägen. Die Beispiele reichen von den Kapitänshäusern auf Föhr und den Cottages im englischen Milton Abbas bis zu den steilen Gassho-Dächern von Shirakawa-go in Japan, die große Schneemengen ableiten. Auch Santana auf Madeira, Thôn Tha in Vietnam oder die Rundhütten im namibischen Sambesi-Streifen zeigen, wie unterschiedlich sich dieselbe Grundidee an Klima und verfügbare Materialien anpasst. Der Überblick macht traditionelle Dachformen damit auch als frühe Beispiele lokal angepassten Bauens lesbar. (Quelle: Architectural Digest, https://www.architecturaldigest.com/gallery/beautiful-thatched-roof-villages)
Interni – Ein grünlicher Hotelturm für Mailand
Im Mailänder Stadtteil Portello wächst nach Plänen von AMDL CIRCLE und Michele De Lucchi ein 90 Meter hoher Hotelturm mit 22 Geschoßen und 173 Zimmern. Statt eines weiteren gläsernen Hochhauses setzt das Projekt auf eine mineralgrüne Hülle aus Stahl und Glas, deren Lamellen, Faltungen und zurückversetzte Fenster je nach Blickwinkel unterschiedlich wirken. Zwischen dem 18. und 21. Stock entstehen Restaurant, Sky Lounge und mehr als 350 Quadratmeter Terrassen – eine Art Tribüne über der Stadt. Das von Fondazione Fiera Milano entwickelte Hotel soll im September 2027 eröffnen; die Innenräume übernimmt Vudafieri Saverino Partners. (Quelle: Interni, https://www.internimagazine.com/agenda/openings/una-tribuna-verde-minerale-sullo-skyline-di-milano/)
Dezeen – Fabrizio Corneli zeichnet mit Licht und Schatten
Für die Brillenmarke Lindberg hat der italienische Künstler Fabrizio Corneli eine Installation entwickelt, bei der nicht das materielle Objekt, sondern sein Schatten zum eigentlichen Bild wird. Corneli arbeitet seit Jahrzehnten mit Lichtquellen und präzise konstruierten Elementen, die sich erst durch ihre Projektionen auf Wandflächen zu lesbaren Motiven zusammensetzen. Die Kooperation mit Lindberg überträgt dieses Prinzip auf die Welt der Brille – ein Gegenstand, der selbst eng mit Sehen und Wahrnehmung verbunden ist. So entsteht eine Arbeit an der Grenze zwischen Kunst, räumlicher Inszenierung und optischer Täuschung. (Quelle: Dezeen, https://www.dezeen.com/2026/09/25/fabrizio-corneli-installation-glasses-brand-lindberg/)
designboom – Der Flaneur und die Erfindung des modernen Stadtbeobachters
designboom blickt zurück ins Paris des 19. Jahrhunderts und auf die Figur des Flaneurs: jenen scheinbar ziellos durch die Stadt streifenden Beobachter, für den Straßen, Passagen und Boulevards zur Bühne des modernen Lebens wurden. Erst die großen urbanen Veränderungen jener Zeit schufen Räume, in denen sich Menschen zugleich bewegen, beobachten und selbst zum Teil des öffentlichen Spektakels werden konnten. Der Flaneur steht damit für eine neue Beziehung zwischen Architektur und Wahrnehmung. Stadt wird nicht nur gebaut und genutzt, sondern im Gehen gelesen und erlebt. (Quelle: designboom, https://www.designboom.com/architecture/flaneur-birth-modern-urban-spectator/)
Core77 – Eine Bohrstation für den modernen Holzbau
Der deutsche Werkzeughersteller Mafell hat mit der BST 460 S eine mobile Bohrstation entwickelt, die typische Probleme beim Abbund großer Holzkonstruktionen lösen soll. Statt zweier dünner Führungsstangen, die sich unter Belastung verformen können, läuft die Maschine auf einem massiven Aluminiumprofil. Besonders durchdacht ist der Schwenkmechanismus: Beim Verstellen des Bohrwinkels bleibt die Bohrerspitze auf derselben Achse, wodurch die zuvor gesetzte Markierung erhalten bleibt. Sechs Rollen umschließen den Bohrer zusätzlich und verhindern sein Verlaufen. Ein Spezialwerkzeug, bei dem konstruktive Details unmittelbar aus den Anforderungen des Handwerks entwickelt wurden. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145479/Mafells-Beefy-Portable-Drilling-Station-for-Timber-Framers)
