Die Themen des heutigen Design-Ticker kreisen stärker als sonst um die Frage, wann aus einem vertrauten Objekt oder Ort etwas Neues entsteht. Der Rollhocker versteckt seine Technik, Adventskalender entwickeln sich zu aufwendigen Designobjekten und Portaluppis ehemaliges Studio erhält eine neue Funktion, ohne seine Geschichte zu verlieren. Einen grundsätzlicheren Blick liefert der Beitrag über die Situationisten: Ihre Forderung, Nutzer nicht nur reagieren, sondern Räume tatsächlich verändern zu lassen, wirkt angesichts heutiger interaktiver Gestaltung bemerkenswert aktuell. Johnny Depps Wechsel von der Malerei zur Skulptur und der neue Spector Craft Prize erweitern das Spektrum um zwei unterschiedliche Zugänge zur zeitgenössischen Kunst.
Domus – Johnny Depp zeigt erstmals eine Skulptur
Johnny Depp erweitert seine künstlerische Arbeit um die Bildhauerei. Auf der Contemporary Istanbul 2026 wird mit „Bunnyman Genesis“ seine erste Skulptur präsentiert. Die Figur eines anthropomorphen Hasen knüpft an eine Zeichnung an, die Depp bereits vor Jahren entwickelte, und überträgt die bisher vor allem aus seinen Bildern bekannte expressive Bildwelt ins Dreidimensionale. Dass ein internationaler Filmstar auf einer etablierten Kunstmesse als bildender Künstler auftritt, dürfte dabei mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit erzeugen wie das Werk selbst. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/news/2026/09/18/johnny-depp-sculpture-bunnyman-contemporary-istanbul-2026.html)
Core77 – Ein Rollhocker, der seine Rollen versteckt
Der japanische Industriedesigner Hirotaka Tako reduziert mit „Allround“ den klassischen Rollhocker auf wenige geometrische Grundformen. Die Besonderheit liegt unter dem kreisrunden Sockel. Dort sind Rollen verborgen, sodass der Hocker über den Boden zu schweben scheint. Gedacht ist er vor allem für Workshops und kollaborative Arbeitsumgebungen, in denen sich Nutzer schnell zwischen unterschiedlichen Gesprächssituationen bewegen. Eine höhere Variante ergänzt einen dritten Ring als Fußstütze. Der Name spielt sowohl auf die abgerundeten Kanten als auch auf die vielseitige Einsetzbarkeit des Möbels an. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145397/A-Minimalist-Wheeled-Stool-That-Doesnt-Look-Like-a-Wheeled-Stool)
designboom – Was die Situationisten dem heutigen Design voraus hatten
designboom blickt auf die Situationistische Internationale und deren Versuche zurück, aus passiven Zuschauern aktive Teilnehmer zu machen. Praktiken wie die „dérive“, das ziellose Umherschweifen durch die Stadt, sollten etablierte Bewegungsmuster aufbrechen, während Constant Nieuwenhuys mit „New Babylon“ eine veränderbare Stadt für den spielenden Menschen entwarf. Mehr als ein halbes Jahrhundert später wirken diese Ideen angesichts interaktiver Installationen und partizipativer Architektur erstaunlich aktuell. Der entscheidende Unterschied: Für die Situationisten bedeutete Teilnahme nicht nur Interaktion innerhalb vorgegebener Regeln, sondern die Möglichkeit, einen Raum tatsächlich zu verändern. (Quelle: designboom, https://www.designboom.com/architecture/situationists-spectators-participants/)
Interni – Neues Leben für Piero Portaluppis Studio
Nach zweijährigem Umbau ist Piero Portaluppis ehemaliges Mailänder Studio heute Sitz von Filippo Taidelli Architect – geführt vom Urenkel des bedeutenden italienischen Architekten. Statt einer historisierenden Restaurierung verbindet Taidelli erhaltene Elemente mit neuen Eingriffen. Portaluppis Diamantmotiv wird zur Lichtstruktur, historische Messinggriffe wurden nachgebaut und ein Boden aus rund 500 verschiedenen Marmorsorten wieder lesbar gemacht. Selbst der Luftschutzbunker unter dem Garten wurde restauriert. Künftig sollen hier neben der Büroarbeit auch Ausstellungen, Konzerte und Begegnungen stattfinden – aus dem architektonischen Erbe wird damit wieder ein produktiver Ort. (Quelle: Interni, https://www.internimagazine.com/agenda/new-life-for-portaluppis-studio/)
Interior Design – Neuer Preis stärkt zeitgenössisches Kunsthandwerk
Der erstmals vergebene Spector Craft Prize geht an den Keramikkünstler Sharif Bey. Der 1974 geborene Künstler beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit den Verbindungen von Material, Geschichte, Politik und Identität. Teil der Auszeichnung ist der Ankauf seines Werks „Raptor Return“ für die Sammlung des Crystal Bridges Museum of American Art in Arkansas. Zusätzlich erhalten Merryn Omotayo Alaka, Japheth Asiedu-Kwarteng, Demetri Broxton, Vivian Chiu und Luke-Thomas Tokimasa Henderson jeweils 10.000 Dollar und Mentoring als Emerging Artists. Der neue Preis soll vor allem dazu beitragen, zeitgenössisches Kunsthandwerk institutionell stärker sichtbar zu machen. (Quelle: Interior Design, https://interiordesign.net/designwire/the-spector-craft-prize-2026/)
Design Milk – Der Adventskalender wird zum Designobjekt
Vom Schokoladenfach zum aufwendig gestalteten Sammlerobjekt: Design Milk versammelt elf Adventskalender, bei denen die Verpackung fast ebenso wichtig wird wie der Inhalt. Dandelion Chocolate kombiniert 25 Süßigkeiten mit Illustrationen der dänischen Künstlerin Lisa Grue und nordischer Folklore, während Crate & Barrel ganze beleuchtete Miniatur-Winterlandschaften anbietet. Papier setzt auf wiederverwendbare Boxen mit Schreibwaren, Galison auf zwölf Puzzles mit Weihnachtsmotiven von Andy Warhol. Die Auswahl zeigt, wie aus einem einfachen Countdown längst eine eigene Kategorie für Packaging- und Produktdesign geworden ist. (Quelle: Design Milk, https://design-milk.com/best-advent-calendars-2026/)
