Die heutige Auswahl zeigt, wie Gestaltung vertraute Formen und Orte neu interpretiert. Seungjin Yang macht aus einem vergänglichen Kindheitssymbol langlebige Möbel, während der Flugtag den experimentellen Charakter des Entwerfens in den Mittelpunkt rückt. Bei Nota Taverna und den von Frame vorgestellten Neueröffnungen prägen Bestand, Material und Nutzung die räumliche Gestaltung. Interni und Domus erweitern den Blick auf die kulturelle Dimension. Tankstellen werden zu filmischen Schauplätzen gesellschaftlicher Veränderungen, und Stefan Sagmeister beschreibt gestalterische Freiheit als Voraussetzung für eigenständige Ideen.
Wallpaper* – Seungjin Yang macht Ballons zu Möbeln
Was wie ein aufgeblasener Luftballon aussieht, ist tatsächlich ein belastbares Möbelstück. Der südkoreanische Designer Seungjin Yang überzieht Ballons mit mehreren Schichten Epoxidharz und verwandelt ihre flüchtige Form in Hocker, Sessel, Sofas und Bänke. Die transparenten oder farbigen Oberflächen bewahren den spielerischen Charakter des Ausgangsmaterials, während die ausgehärtete Hülle Stabilität gewährleistet. Die „Blowing Series“ ist ab 13. Oktober bei PAD London zu sehen und verbindet Kindheitserinnerung mit experimenteller Materialverarbeitung. (Quelle: Wallpaper*, https://www.wallpaper.com/design-interiors/seungjin-yang-profile)
Frame – Kreativzentrum aus Schiffscontainern und weitere Neueröffnungen
Umgenutzte Schiffscontainer, ein Restaurant am Rand des Sonienwalds und weitere neue Räume stehen im Mittelpunkt dieser Auswahl von Frame. Die Beispiele zeigen unterschiedliche Strategien, wie Architektur und Innenraumgestaltung auf vorhandene Orte und ihre Nutzung reagieren können. Besonders die Umwandlung von Containern in ein Kreativzentrum verweist auf modulare Bauweisen und die Möglichkeit, bestehende Elemente für neue Funktionen einzusetzen. Die Zusammenstellung macht deutlich, wie vielfältig sich neue Arbeits-, Kultur- und Gastronomieräume gestalten lassen. (Quelle: Frame, https://frameweb.com/article/openings/shipping-containers-turned-into-a-creative-centre-a-restaurant-on-the-sonian-forests-edge-and-more)
Interni – Tankstellen als Schauplätze des italienischen Kinos
Tankstellen sind im italienischen Kino weit mehr als Kulisse für kurze Zwischenstopps. Anhand von Filmen wie Federico Fellinis „La dolce vita“ und Dino Risis „Il sorpasso“ zeigt Interni, wie diese Orte gesellschaftliche Veränderungen und den Wandel der Mobilität spiegeln. Während sie in den Filmen der 1960er-Jahre für Aufbruch, Geschwindigkeit und den wirtschaftlichen Aufschwung stehen, werden sie später zu Schauplätzen von Einsamkeit, Krisen und persönlicher Begegnungen. Die Tankstelle erscheint damit als architektonischer und kultureller Ort, an dem sich das Verhältnis einer Gesellschaft zum Auto und zur modernen Lebensweise ablesen lässt. (Quelle: Interni, https://www.internimagazine.com/agenda/movies/un-pieno-di-cinema/)
Core77 – Flugmaschinen zwischen Erfindergeist und Absturz
Beim Red Bull Flugtag entwerfen und bauen Teams Fluggeräte, die ohne Motor von einer Rampe über dem Wasser starten. Die Konstruktionen reichen von erstaunlich durchdachten Ideen bis zu spektakulären Fehlversuchen. Anders als bei klassischen Technik-Wettbewerben zählen nicht allein die Flugweite, sondern auch Kreativität und Showeffekt. Core77 vergleicht den Wettbewerb mit einer unterhaltsameren Variante der Konstruktionsaufgabe aus dem Designstudium, bei der ein Ei einen Sturz überstehen muss. Der Flugtag zeigt, wie eng experimentelles Design, handwerkliche Umsetzung und die Bereitschaft zum Scheitern miteinander verbunden sind. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145611/Red-Bulls-Hilarious-Flugtag-DIY-Flying-Machine-Competition)
Domus – Stefan Sagmeister über fünf Lektionen des Grafikdesigns
Stefan Sagmeister hat mit Albumcovern für Lou Reed, David Byrne und die Rolling Stones sowie mit experimentellen Plakaten internationale Bekanntheit erlangt. Im Gespräch mit Domus blickt der österreichische Designer auf Entscheidungen zurück, die seine Arbeit geprägt haben: ein kleines Studio zu führen, auch Aufträge abzulehnen, Pausen einzulegen und sich nicht ständig zu wiederholen. Ein Plakat, für das ihm 1999 Schrift in die Haut geritzt wurde, machte den Herstellungsprozess selbst zum Teil der Botschaft. Sagmeisters Erfahrungen zeigen, dass grafische Gestaltung nicht nur eine Frage der Form ist, sondern auch davon abhängt, welche Inhalte vermittelt werden sollen und wie viel Freiheit dafür nötig ist. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/design/gallery/2026/10/07/stefan-sagmeister-5-graphic-design-lessons.html)
Dezeen – Nota Taverna übersetzt die Chicagoer Nachbarschaftskneipe nach Mexiko-Stadt
Für das Restaurant Nota Taverna in Mexiko-Stadt hat Formant Studio die Atmosphäre klassischer Chicagoer Tavernen in einen zeitgenössischen Innenraum übertragen. Das zweigeschossige Lokal befindet sich in einem früheren Wohnhaus, dessen historische Steinsäulen erhalten und restauriert wurden. Dunkel gebeizte Eichenmöbel, Sitzbänke mit mexikanischem Rosenholz, Metallleuchten und ein grauer Terrazzo-Boden verbinden robuste Materialien mit einer zurückhaltenden Gestaltung. Die maßgefertigten Möbel und die flexible Anordnung der Sitzplätze greifen die Idee eines vertrauten Nachbarschaftslokals auf, ohne den historischen Bestand zu überdecken. (Quelle: Dezeen, https://www.dezeen.com/2026/10/09/nota-taverna-mexico-city-formant-studio/)