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Bolia Design Awards 2025: Neue Impulse für eine Branche im Wandel

von Sebastian Zerlach
Die Gewinner-Projekte der Bolia Design Awards: links Synergi von Gustav Wijk, rechts LinumTube von Jonathan Radetz. Foto rechts © Tamara Eda Temucin

Mit den Bolia Design Awards 2025 setzt das dänische Möbelunternehmen erneut ein Zeichen für eine Designbranche im Umbruch. Seit 2007 würdigt der Wettbewerb international junge Talente, die funktionale Innovation, ästhetische Qualität und verantwortungsvolle Produktion miteinander verbinden. Vor dem Hintergrund steigender Materialkosten, veränderter Wohnformen und wachsender Nachhaltigkeitsanforderungen dient die Plattform heute mehr denn je als Experimentierfeld für zukünftige Marktstandards.

„Wir beobachten ein deutliches Umdenken bei der jungen Generation. Das Möbel wird nicht länger als fertiges Objekt betrachtet, sondern als Teil eines zirkulären Systems“, erklärt Juryvorsitzende Mette Christiansen. „Gleichzeitig bleibt der emotionale Wert entscheidend – Möbel müssen uns berühren, nicht nur bedienen.“

Jurypreis: Synergi von Gustav Wijk

Den Hauptpreis erhält in diesem Jahr der schwedische Designer Gustav Wijk für Synergi, ein Aufbewahrungsmöbel, das traditionelle Materialehrlichkeit mit einem ungewöhnlichen räumlichen Konzept verbindet. Der als flaches Sideboard konzipierte Entwurf besteht aus einer klar gestalteten, hellen Außenschale aus Holz. Im Inneren zeigt sich ein zweites, farbig akzentuiertes Volumen – wie ein Objekt im Objekt.

Diese Inszenierung erzeugt absichtlich Irritation: Das Auge sucht die Grenze zwischen Konstruktion und Täuschung. Die horizontal gegliederten Regalböden sind dabei nicht nur Stauraum, sondern „poetische Ebenen“, wie die Jury festhält. Wijk beschreibt seine Intention so: „Ich wollte ein Möbel schaffen, das Erinnerungsstücke respektiert und gleichzeitig sichtbar macht, welche Rolle sie in unserem Alltag spielen.“

Mit dieser Idee trifft Synergi einen Nerv des aktuellen Marktes. Die Nachfrage nach Möbeln, die Persönlichkeit ausstrahlen statt minimalistischer „Leere“ vermitteln, wächst spürbar. Gleichzeitig verzichtet das Projekt auf komplexe Mechanismen und setzt auf langlebige Holzverbindungen – ein Ansatz, der auch produzierenden Unternehmen entgegenkommt. „Synergi zeigt, wie sich gestalterische Raffinesse und Zugänglichkeit verbinden lassen“, heißt es in der Jurybegründung. „Es ist ein Möbel für reale Wohnverhältnisse, nicht für Fotostudios.“

Publikumspreis und Kreislauffähigkeit: LinumTube von Jonathan Radetz

Zum ersten Mal gehen der Preis für Kreislauffähigkeit und der Publikumspreis an dasselbe Projekt: LinumTube des deutschen Designers Jonathan Radetz ist ein gemeinsames Forschungsprojekt mit dem Fraunhofer WKI. Ziel ist die Entwicklung ökologisch nachhaltiger Sitzmöbel, die sich vollständig in den Materialkreislauf zurückführen lassen. Dabei kommen Komponenten aus reinen Materialien zum Einsatz, etwa funktionalisierte, offene Mehrlagengewebe in Kombination mit Stahlrohrstrukturen, die sich durch eine zerstörungsfreie Demontage voneinander trennen lassen.

So können die einzelnen Elemente wiederverwendet, neu angeordnet oder recycelt werden. Anhand verschiedener Demonstratoren wird untersucht, wie sich Nachhaltigkeit, Trennbarkeit und gestalterische Freiheit optimal zusammenführen lassen. Radetz betont: „Ich interessiere mich für die Frage, wie Produkte altern. Wenn ein Möbelstück wächst und sich anpasst, bleibt es relevant – sowohl emotional als auch ökologisch.“

Für Bolia ist das Thema längst Teil der Unternehmensstrategie. Nachhaltigkeitsmanagerin Sara Lund sagt: „Innovationen wie LinumTube helfen, das Angebot langfristig kreislauffähig zu gestalten. Die Gewinner beeinflussen, was in wenigen Jahren in unseren Stores stehen könnte.“ Aus Marktsicht sprechen die modulare Logistik und die materialsparende Herstellung zudem für ein wirtschaftlich überzeugendes Zukunftsprodukt.

Signal an die Branche

Die Bolia Design Awards 2025 zeigen eine Generation, die gestalterische Verantwortung als Wettbewerbsvorteil begreift. Vom emotional aufgeladenen Möbelstück bis zur konsequent zirkulären Konstruktion beweisen die ausgezeichneten Projekte, dass Nachhaltigkeit nicht asketisch sein muss – und dass Innovation sich immer stärker am tatsächlichen Wohnalltag orientiert.


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