Home ArchitectureEndlich eröffnet: Das Grand Egyptian Museum in Gizeh

Endlich eröffnet: Das Grand Egyptian Museum in Gizeh

von redaktion
Eröffnungszeremonie des Grand Egyptian Museum in Gizeh. Foto © Marvin Ibo Güngör

Nach fast zwei Jahrzehnten Verzögerung, Baupausen und immer neuen Ankündigungen hat Ägypten am 1. November 2025 sein wohl ambitioniertestes Kulturprojekt der Moderne eröffnet: das Grand Egyptian Museum (GEM). Das Mammutvorhaben direkt neben den Pyramiden von Gizeh sollte ursprünglich zu den Jubiläumsjahren der Tutanchamun-Entdeckung, dann im Jahr 2023 seine Pforten öffnen – doch erst jetzt feiert die Kulturwelt den historischen Moment.

Zur Eröffnung reisten internationale Gäste an, darunter zahlreiche Politiker, aber auch Menschen, die an der Gestaltung des Museums mit gearbeitet haben, wie Shirin Frangoul-Brückner, Geschäftsführerin und Mitbegründerin von ATELIER BRÜCKNER. Das in Stuttgart ansässige Büro verantwortet die Gestaltung der neuen Tutanchamun-Galerie – Herzstück des mit über 90.000 m² weltweit größten Museums für altägyptische Kultur.

„Es war ein Privileg, an einem Projekt mitzuwirken, das über Generationen hinweg Bestand haben wird“, sagt Frangoul-Brückner. „Zu wissen, dass unsere Arbeit Teil dieses kulturellen Erbes ist, erfüllt mich mit großem Stolz.“

Was einst der ertragreichste Fund für Ägyptologen war (der Grabschatz Tutanchamuns), findet endlich eine repräsentative Ausstellungsumgebung. © ATELIER BRÜCKNER

Ein Schatz in neuem Licht

Zum ersten Mal wird der vollständige Grabschatz des Kindkönigs Tutanchamun öffentlich präsentiert: rund 5.600 Objekte, darunter etwa 3.000 Artefakte, die bislang nie gezeigt wurden. Die Galerie umfasst zwei 180 Meter lange Flügel mit bis zu 16 Meter hohen Wänden – eine immersive Erlebniswelt, bereits 2017 von ATELIER BRÜCKNER konzipiert. Ein schwarzes Bodenpanel, der „Kuratorische Pfad“, führt als erzählerische Linie durch Leben, Tod und Jenseits des Pharaos. Über den Besuchern zieht sich der „Pfad der Sonne“ als leuchtendes Pendant an der Decke entlang.

Die Ausstellung gliedert sich in fünf Themenbereiche – von der Biografie des Herrschers über Alltag und Mumifizierung bis zur Entdeckung seines Grabes im Tal der Könige. Zwei Besucherwege strukturieren das Erlebnis: eine chronologische Reise durch die Welt Tutanchamuns und eine wissenschaftliche Perspektive, die dem Archäologen Howard Carter folgt. Ein medial inszeniertes 1:1-Modell der Grabkammer macht eindrücklich sichtbar, wie eng all diese Schätze einst auf einer Fläche von nur 35 m² verborgen lagen. Den emotionalen Höhepunkt bildet die Totenmaske des Pharaos, inszeniert mit 14 Lichtspots in einem eigenen Raum.

Mehr als ein Museum

Auch das monumentale Atrium trägt die Handschrift der Stuttgarter Gestalter. Der über elf Meter hohe Ramses II. empfängt die Besucher bei den „Grand Stairs“, die mit rund 90 Statuen und Objekten den Prolog des Museums bilden. Zusätzlich konzipierte ATELIER BRÜCKNER das 3.465 m² große Kindermuseum, das sich spielerisch dem kulturellen Erbe Ägyptens nähert.

Der über elf Meter hohe Ramses II. empfängt die Besucher. Foto © Rehab Eldalil

Ein Jahrhundertprojekt

Mit dem Grand Egyptian Museum erhält Ägypten ein neues kulturelles Aushängeschild – und die weltweite Archäologie einen Ort, der das Geheimnis Tutanchamuns in neuem Licht erfahrbar macht. Was lange und mit vielen Rückschlägen währte, ist nun ein Museum von globaler Strahlkraft: eine Hommage an die Vergangenheit, die für die Zukunft gebaut wurde.


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