Home DesignDie spannendsten Ideen der Dutch Design Week 2025

Die spannendsten Ideen der Dutch Design Week 2025

von Markus Schraml
„Human Zoo“ war eine interaktive Installation, die auf der DDW Premiere feierte. Sie untersuchte, wie neue Technologien (KI, digitale Zwillinge, Bewegungserfassung) unsere menschliche Identität neu „gestalten“. Foto © Almicheal Fraay

Eindhoven präsentierte sich zur Dutch Design Week 2025 erneut als ein Labor für die Zukunft. Unter dem Motto „Past. Present. Possible.“ zeigte das Festival, wie Design aktiv dazu beitragen kann, Zukunft zu gestalten. Mehr als 2.500 Aussteller öffneten Werkstätten, Hallen und Museen, um Visionen für eine Welt im Wandel zu präsentieren – von Materialien über digitale Kultur bis zu urbanen Lebensformen.

Stadt der Experimente – zwischen Vielfalt und Überforderung

Das auch als Silicon Valley der Niederlande bezeichnete Eindhoven wurde zur Bühne für Entwürfe im Werden. Statt abgeschlossener Produkte stand einmal mehr das Forschen im Mittelpunkt. Diese Vielfalt an Prototypen und Prozesshaftem ist ein Markenzeichen der DDW – und zugleich ihre größte Herausforderung. Die schiere Menge an Installationen und Präsentationen führt zu einer permanenten Reizüberflutung. Besucher müssen selektiv navigieren, um zentrale Inhalte nicht zu übersehen. Andererseits zeigt sich gerade in dieser Überforderung die Energie der Veranstaltung: Eindhoven wirkt wie ein lebendiges Rechenzentrum, in dem Ideen ununterbrochen generiert, verknüpft und verworfen werden.

Rundgang durch die Ausstellung „Bridging Minds“ im Van Abbemuseum von Königin Máxima, die auch die 25. Dutch Design Week eröffnete. Foto © Max Kneefel

Kreislaufdesign mit industrieller Konsequenz

Eine der stärksten Antworten auf ökologische Fragen lieferte das Projekt Hydro R100. Aluminiumreste aus Eindhoven wurden aus einem Umkreis von 100 Kilometern gesammelt, aufbereitet und neu verarbeitet. Internationale Designer entwickelten daraus Möbel und Objekte, die das Potenzial der Kreislaufwirtschaft nicht nur symbolisch, sondern materiell aufzeigen sollten. Diese Form regionaler Wertschöpfung zeigt, wie Industrie, Handwerk und Gestaltung gemeinsame Sache machen können.

Projekt Hydro R100: Mit dabei Sabine Marcelis, ORBIT LIGHT lamps. © Einar Aslaksen for Hydro

Sinnlichkeit und Emotion

Zahlreiche Beiträge betonten nicht die Funktionalität, sondern das Atmosphärische: Licht, Textur, Akustik und Haptik verschmolzen zu Erlebnissen, die zeigten, wie stark Design auf unser Wohlbefinden wirkt. Hier rückten Gestalter das Zusammenspiel von Material und Emotion ins Zentrum, wobei nicht der viel beschworene und teils befürchtete Verzicht im Fokus stand, sondern der Umgang mit dem Vorhandenen als neue Form von Qualität.

Fünf Must-see-Ausstellungen

Bridging Minds (Van Abbemuseum, kuratiert von Miriam van der Lubbe)

Diese zentrale Ausstellung war das Herzstück der DDW und versammelte 100 Werke führender Designer wie Hella Jongerius, Formafantasma, Maarten Baas, Klarenbeek & Dros, Jalila Essaïdi und Marcos Kueh. Organisiert in zehn thematischen Räumen erkundete sie die verbindende Kraft des Designs in einer fragmentierten Welt.

Forward Furniture – Sammelobjekte für die Zukunft

Möbel zwischen Kunst und Alltag, die Innovation sichtbar machen: Entwürfe, die Räume prägen, statt sich darin zu verlieren. In einer 2.000 m² großen Industriehalle verwandelte Liv Vaisberg, Co-Founder der Design Biennale Rotterdam, den Raum in eine Bühne für die Zukunft des Möbeldesigns.

Grand Projects – im Stadtraum

Mit der Grand Projects-Schiene setzt die DDW auf öffentlich sichtbare und partizipative Installationen – an Plätzen und in Straßen der Stadt. Elf großformatige Projekte wurden ausgewählt und über die zentralen Räume wie Ketelhuisplein, Markt und Stadhuisplein hinweg verteilt. Laut Festivalleitung sollten diese Arbeiten nicht nur als Ausstellung fungieren, sondern den Stadtraum aktiv bespielen und Passanten zum Nachdenken, Mitmachen oder Innehalten einladen.

Umbra Pavilion – Solarenergie als Stadterlebnis

Die Umbra Pavilion-Installation (Teil der Grand Projects) wurde von Pauline van Dongen gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Tentech B.V. realisiert und war auf dem Platz Ketelhuisplein zu sehen. Im Zentrum stand das textile Solar­material „Heliotex“: Auf einer Fläche von 40 m² Textil wurden organische Photovoltaik­module (OPV) integriert, die eine Energiespeicher­kapazität von etwa 3 kWh bieten.

Digital Futures – Intuition statt Komplexität

Die Ausstellung „Digital Futures“ fand im Next Nature Museum statt. Darin ging es um Fragen nach der verändernden Kraft von Technologien wie Virtual Reality, Künstliche Intelligenz oder globale Plattformen. Im Zentrum standen 31 Präsentationen (Digital & AI HUB) verschiedenster Gestalter. Doch wie konkret waren die gezeigten Konzepte zu Themen, die so entscheidend für das zukünftige Leben der Menschen sind? In einem Umfeld mit vielen Prototypen muss gerade im digitalen Bereich die Diskrepanz zwischen innovativer Vision und alltags­tauglichem Design kritisch reflektiert werden – denn letzteres kommt oft zu kurz.

Ausstellung Digital Futures im Next Nature Museum. Foto © Almicheal Fraay

Generell überzeugte die Dutch Design Week 2025 dort, wo Vision und Umsetzung zusammenfanden. Sie irritierte hingegen, wenn Vielfalt in Beliebigkeit umzuschlagen drohte. Doch gerade diese Spannung macht den Reiz des Festivals aus. Design wird als offener Prozess erlebbar, der unsere Umwelt aktiv verändern kann. Gleichzeitig reflektieren auf diese Weise die Teilnehmer zwangsläufig ihre eigene Rolle – kritisch. Eindhoven zeigte damit einmal mehr, warum es zu den wichtigsten Orten für zeitgenössisches Design gehört. Hier wird Zukunft nicht vorgestellt, sondern verhandelt. Dazu kommt, dass es den Niederländern immer gelingt, ernste Anliegen mit Eventspaß zu verbinden.


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