Home DesignHelsinki Design Week 2026: Finnisches Design zwischen Ikonen und Zukunft

Helsinki Design Week 2026: Finnisches Design zwischen Ikonen und Zukunft

von Markus Schraml
2026 läuft die HDW unter dem Motto „The Oncoming Other“. © Helsinki Design Week

Die Helsinki Design Week (HDW) macht die Stadt vom 28. August bis 6. September zur Bühne für Design, Architektur und urbane Zukunftsfragen. Im Mittelpunkt stehen heuer drei Projekte, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und doch eine gemeinsame Frage stellen: Wie lässt sich Gestaltung aus ihrer Geschichte heraus neu denken?

Helsinki ist wieder Designstadt: Von heute an bringt die HDW Ausstellungen, Installationen, Diskussionen und Workshops an unterschiedliche Orte im Zentrum. Das Festival verzichtet heuer auf einen zentralen Veranstaltungsort. Stattdessen verteilen sich die wichtigsten Projekte auf mehrere sogenannte HDW Meeting Points. Das passt zum diesjährigen Motto „The Oncoming Other“, das Begegnung und unterschiedliche Perspektiven in den Mittelpunkt stellt.

Aalto 90 Pavilion

Einer der auffälligsten Anlaufpunkte steht an der Eteläranta: Der Aalto 90 Pavilion übersetzt eines der bekanntesten finnischen Designobjekte in Architektur. Zum 90. Geburtstag von Alvar Aaltos berühmter Vase entsteht ein rund sieben Meter hoher Pavillon aus Aluminium, dessen Kontur die charakteristische Silhouette des Gefäßes aufgreift. Entworfen wurde die Konstruktion von Lars Beller Fjetland und TABLEAU CPH, umgesetzt mit kohlenstoffarmem Aluminium von Hydro.

Im Inneren wird die Architektur zum Ausstellungsraum. Der Fotograf Arno Rafael Minkkinen setzt sich in der Ausstellung „The Spirit of Aalto“ mit Aaltos Formensprache auseinander. Statt die Vase schlicht abzubilden, stellt Minkkinen ältere Arbeiten aus seinem Archiv neuen Fotografien gegenüber. Körper, Natur und Objekt treten dabei in einen visuellen Dialog. So wird aus einem Designjubiläum eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie eine ikonische Form über Generationen hinweg neue Bedeutungen entwickeln kann.

Fotograf Arno Rafael Minkkinen interpretiert Alvar Aaltos berühmter Vase. © Arno Minkkinen

Noch immer futuristisch

Noch unmittelbarer trifft Vergangenheit auf Gegenwart im Kaisaniemi Botanischen Garten. Dort landet während der Design Week das Futuro House von Matti Suuronen. Der 1968 entworfene Kunststoffbau war einst Sinnbild einer optimistischen Zukunftsvision und gehört heute zu den bekanntesten Beispielen finnischer Architektur- und Designgeschichte. Aus Anlass der HDW wird das „Gebäude-UFO“ gemeinsam mit Marimekko neu interpretiert.

Dabei ist der Innenraum als zeitgenössische Interpretation des Wohnens gestaltet. Zum Einsatz kommen unter anderem Muster der dänischen Textildesignerin Vibeke Rohland, die im Rahmen des Artist-in-Residence-Programms von Marimekko entwickelt wurden. Damit bleibt Futuro nicht ein museales Objekt, sondern wird erneut zum Versuchslabor.

Stadt neu denken

Eine andere Art von Zukunftslabor ist das HDW Lab an der Ecke Kluuvikatu und Aleksanterinkatu. Hier geht es weniger um das einzelne Objekt als um die Frage, wie eine Stadt künftig funktionieren kann. Workshops bringen Akteure aus Stadtplanung, Wirtschaft, Design und öffentlichem Leben zusammen. Im Erdgeschoß werden vom 1. bis 4. September anhand von Talks, Workshops und Live-Demonstrationen konkrete Möglichkeiten für die Nutzung von Erdgeschossflächen und öffentlichen Räumen gezeigt. Die Ergebnisse sollen perspektivisch in die Stadtentwicklung einfließen.

Damit reagiert die Design Week auf eine reale Veränderung urbaner Räume. Onlinehandel, Remote Work und veränderte Konsumgewohnheiten setzen die traditionelle Mischung aus Geschäften, Büros und Dienstleistungen unter Druck. Die HDW macht daraus ein Designthema – und fragt, welche neuen Funktionen Erdgeschosszonen künftig übernehmen könnten.

Daneben bietet das Festival ein gewohnt breites Programm: Der Design Market präsentiert finnisches und nordisches Design, die Children’s Design Week richtet sich an Familien, bei Open Studios öffnen Kreative ihre Arbeitsräume. Design Diplomacy bringt Designer in Botschaftsresidenzen zusammen, während die PechaKucha Night am 4. September mit kurzen, bildstarken Präsentationen unterschiedliche Bereiche der Kreativszene verbindet. Ergänzt wird das Programm durch weitere Ausstellungen, Partnerveranstaltungen und Satellitenprojekte.

Die eigentliche Stärke der Helsinki Design Week 2026 liegt damit weniger in der schieren Zahl der Veranstaltungen als in der räumlichen und inhaltlichen Verbindung ihrer Hauptprojekte. Aaltos Vase, Suuronens Futuro und das HDW Lab stehen für drei unterschiedliche Maßstäbe des Designs: das Objekt, den architektonischen Raum und die Stadt. Gemeinsam erzählen sie davon, wie aus finnischer Designgeschichte neue Fragen für die Zukunft entstehen können.


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