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Design of Happiness – 20 Jahre Helsinki Design Week

von Markus Schraml
Happiness-Ausstellung: Mit dabei ist das Studio Com-pa-ny von Aamu Song & Johan Olin. Die beiden arbeiten als Künstler/Designer und sehen sich selbst mehr als Detektive. Zudem betreiben sie einen eigenen Shop in Salakauppa / Helsinki. Foto © Elina Simonen

Design ist ein wesentlicher Eckpfeiler Helsinkis, der Hauptstadt der glücklichsten Nation der Welt (World Happiness Report) und UNESCO-City of Design. Hier spielt Design eine grundlegende Rolle bei der Förderung der Lebensqualität. Die Helsinki Design Week (HDW), die diesen September zum 20. Mal stattfindet, ist dafür ein wichtiger Faktor und das größte Architektur- und Designfestival Skandinaviens.

„Ich würde die Helsinki Design Week als eine Plattform beschreiben, die unsere Design-Communitys auf kreative und kollaborative Weise zusammenbringt und sie mit der Stadt Helsinki verbindet. Wir sind stolz auf unseren Beitrag dazu, dass Helsinki eine echte Designhauptstadt geworden ist und bleibt“, betont Kari Korkman, der Gründer des Festivals.

Die 2005 gegründete Helsinki Design Week entstand als Teil einer gemeinsamen Anstrengung, Helsinki wieder als kreatives Zentrum zu etablieren. Damals war die Design- und Architekturlandschaft im europäischen Norden etwas isoliert. Mit dem Festival sollten mittels eines offenen und integrativen Ansatzes neue Verbindungen geschaffen und Design zu einem sichtbaren, zugänglichen Teil des städtischen Alltags gemacht werden.

Kann Glück designt werden?

Die diesjährige Hauptlocation ist das Suomitalo, ein „Granitpalast“ aus dem Jahr 1909 neben der Alten Kirche von Helsinki. Im Mittelpunkt steht dort die Hauptausstellung „Designing Happiness“, die von der Forscherin und Pädagogin Anniina Koivu kuratiert wurde. Unter ihrer Leitung wird die Frage aufgeworfen, ob Glück designt werden kann. „Ich glaube, die Ausstellung ‚Designing Happiness‘ feiert das Jubiläum der Helsinki Design Week, indem sie fragt, was in unserem Körper und Gehirn tatsächlich Glück erzeugt. Anschließend wird die Frage nach der Gestaltung von Glück anhand von Designbeispielen, immersiven Erlebnissen und kritischen Betrachtungen zur Wissenschaft des Glücks gestellt“, erklärt Koivu.

Programm Highlights

Ein Festivalklassiker, der Designmarkt, füllt am 6. und 7. September erneut die Kabelfabrik (Kaapelitehdas) mit hochwertigen Möbeln, Einrichtungsgegenständen und Kleidung. Ebendort findet auch die ARTEFAKTI-Abschlussausstellung von Studenten der Aalto-Universität statt sowie Workshops und die HDW Children’s Design Week mit der familienfreundlichen Disco des Skidit Collective. Weitere Höhepunkte sind die Open Studios (5. und 12. September), die Diskussionsreihe Design Diplomacy (10.–12. September), die PechaKucha-Nacht (12. September) in der Alten Kirche und die Präsentation der Ergebnisse des Wettbewerbs für das neue Architektur- und Designmuseum.

Das Gemeinsame

Die Ausstellung „Particularly festive – a house party of design“ von Studio Viippola ist eine Art Studie zum Thema Feiern am gemeinsamen Tisch. Als inhaltliche Grundlage fungierten Interviews zu Feierlichkeiten. Die Analyse dieser persönlichen Erzählungen mündete in einer Installation über das Feiern. Es geht darum, was uns als Menschen verbindet, nicht was uns unterscheidet. Die Ausstellung findet im Block Arabia 135 in einem Gebäude mit einem alten Keramikofen aus dem 19. Jahrhundert statt.

Freude an Bewegung

Die Ausstellung „Sports – Friends, Pleasure and Gears“ zeigt experimentelle Produktkonzepte für Sport-, Outdoor- und Trainingsausrüstung von Designstudenten der Aalto-Universität in der Hall of Heroes von TAHTO, einem Zentrum für Sport- und Bewegungsgeschichte. Ausgehend von alternativen Kernqualitäten des Sports wie Zusammengehörigkeit, Freude, aber auch ausgefeilte Technologie und Innovation in Bezug auf die Ausrüstung, entwickelten Masterstudenten des Studiengangs „Produkt und Form“ mutige Produktkonzepte, die auf gemeinschaftlicher Herstellung, technischem Wissen und der Freude an Bewegung basieren.

Spirit, Holzschnitt, Vietnam

Die HDW stärkt nicht nur die Verbindung von heimischer Designcommunity, Stadt und Bevölkerung, auch der Blick über den finnischen Tellerrand hinaus, ist ein Thema. Neben Ausstellungen zu Japan oder der Volkskunst aus Südungarn, widmet sich „Tranh Đông Hồ“ vietnamesischer Kunst und Kultur. Das zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehörende traditionelle vietnamesische Holzschnittgemälde Tranh Đông Hồ zeigt das Alltagsleben und Geschichten, die die Wünsche und Hoffnungen der Vietnamesen verkörpern. In dieser Ausstellung wird die Verwendung von Tranh Đông Hồ, die traditionell in Wohnzimmern oder in der Nähe von Ahnenaltären aufgehängt werden, in der modernen Inneneinrichtung erkundet. Es soll gezeigt werden, dass diese volkstümlichen Gemälde nicht nur als dekorative Elemente dienen, sondern auch tiefe kulturelle Bedeutung und spirituelle Werte transportieren können. Organisiert wird die Ausstellung von G-College, einer gemeinnützigen Organisation, deren Ziel es ist, das kulturelle Bewusstsein für Vietnam zu verbreiten und vietnamesischen Studenten exakte Informationen für ein Auslandsstudium bereitzustellen.

Kultur und Party

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der HDW wird nicht nur diskutiert und ausgestellt, sondern vor allem auch gefeiert. Partys wie die Helsinki Design Night (13.9.), APARTY! in Hämeentie 26-28 (12.9.) oder das DJ-Set von Laura Fiore bei To gather in Helsinki (13.9.) bieten genügend Gelegenheit dazu. Zudem feiert Fargo Vintage & Design am Freitag, dem 12. September, im Rahmen der Open Studios die offizielle Eröffnung seines Showrooms in Kruununhaka. DJs von Timmion Records sorgen für Stimmung und Erfrischungen werden serviert. Das 2013 gegründete Familienunternehmen Fargo Vintage & Design hat sich auf nordisches Design der 1930er bis 1970er Jahre spezialisiert. Die Kollektion umfasst Designer wie Paavo Tynell, Alvar Aalto, Yrjö Kukkapuro und Lisa Johansson-Pape.

Get together: Eröffnungsparty der HDW 2024. Foto © Justus Hirvi

Dies sind nur einige der vielen Programmpunkte, die vom 5. bis 14. September in der finnischen Hauptstadt über die Bühne gehen. In ganz Helsinki finden zahlreiche (an die 100) Ausstellungen, Diskussionen, Präsentationen und Vorträge statt.


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