Wenn sich der Innenhof des Palazzo Litta zur Milan Design Week erneut in einen Resonanzraum zeitgenössischer Gestaltung verwandelt, steht 2026 eine Architektin im Zentrum, deren Arbeit wie kaum eine andere auf leise Transformation setzt: Lina Ghotmeh. Die franko-libanesische Architektin wird auf Einladung von MoscaPartners mit einer ortsspezifischen Installation den konzeptionellen Auftakt der Variations 2026 (Motto: Metamorphosis) markieren. Dieses Format ist stets ein Fixstern im Programm der Mailänder Designwoche.
Ghotmehs Intervention stellt ihre erste Outdoor-Arbeit dieser Art in Italien dar. Sie versteht sie weniger objekthaft denn als räumliche Choreografie. Bewegung, Wahrnehmung und Erinnerung sollen sich zu einer Sequenz verschränken, die den Hof nicht überformt, sondern seine Schichten freilegt. „Bei meinem Eingriff in den Palazzo Litta nutze ich den Reichtum des barocken Innenhofs und seine Fähigkeit, Bewegung und Wahrnehmung zu choreografieren“, erklärt Ghotmeh. Metamorphose bedeute für sie eine architektonische Reise, „bei der ein einziger Raum mehrere Identitäten entfaltet“.
Diese Haltung ist typisch für Ghotmehs Gestaltungssprache. Ihre vielzitierte „Archäologie der Zukunft“ verbindet präzise Materialität mit poetischer Offenheit. Räume entstehen aus dem Dialog mit dem Ort – aus historischen Spuren ebenso wie aus gegenwärtigen Bedürfnissen. Statt ikonischer Gesten setzt sie auf Nuancen, Übergänge und das genaue Lesen von Landschaft und gebautem Kontext. Auch im Palazzo Litta „lauscht der Pavillon der Geschichte des Ortes“, so Ghotmeh, und transformiert ihn durch „subtile Verschiebungen und geschichtete Raumerfahrungen“, die Erinnerung verstärken und zugleich neue räumliche Möglichkeiten öffnen.
Dass diese Position ideal zum kuratorischen Anspruch von MoscaPartners passt, betont Caterina Mosca: „Lina ist eine der überzeugendsten Architektinnen der internationalen Szene, und ihre poetische Vision verbindet sich auf zugleich sensible und präzise Weise mit den Räumen des Palazzos und unserem Ausstellungsprojekt.“ Die Installation ermögliche es dem Publikum, sich bereits am Eingang mit dem Thema Metamorphose auseinanderzusetzen und verstärke damit die Botschaften der Aussteller.
So wird der Palazzo Litta einmal mehr zum Labor für zeitgenössische Entwurfsfragen – von neuen Materialien über Recyclingstrategien bis hin zu technologischen und kulturellen Transformationen. Ghotmehs Beitrag fungiert dabei als atmosphärischer Anker: eine Architektur des Wandels, die nicht auf Effekt zielt, sondern auf Tiefe. Eine Metamorphose, die bleibt, weil sie sich dem Ort einschreibt.

Ghotmehs weltweit publizierten und vielfach ausgezeichneten Arbeiten variieren in Maßstab und geografischem Kontext. Sie führten die Architektin und ihr Büro zu Ausstellungen und Projekten an renommierten Orten wie der Biennale von Venedig, dem MAXXI in Rom, dem Victoria & Albert Museum in London sowie dem Danish Architecture Center. Kürzlich wurde Lina Ghotmeh zur Architektin für die Renovierung des westlichen Flügels des British Museum ernannt. Zudem wurde sie in die Liste TIME100 Next 2025 aufgenommen und erhielt den Gold Award für „Best Architecture and Landscape“ für ihren Bahrain-Pavillon auf der Expo 2025 in Osaka.