Home DesignZwischen Objekt und Atmosphäre – Die neue L10 von Tecta, Design: Lukas Heintschel

Zwischen Objekt und Atmosphäre – Die neue L10 von Tecta, Design: Lukas Heintschel

von Markus Schraml
Die Tischleuchte L10 von Tecta entfaltet ihre Wirkung als zurückhaltendes Lichtobjekt im architektonischen Kontext. © Tecta

Mit der Tischleuchte L10 erweitert Tecta sein Programm um einen starken Akzent im Bereich Licht. Das Unternehmen aus Lauenförde, international bekannt für seine Editionen klassischer Bauhaus-Entwürfe sowie für zeitgenössische Positionen im Geist der Moderne, führt Leuchten seit jeher eher ergänzend zum Möbelprogramm. Gerade diese Zurückhaltung verleiht neuen Entwürfen in diesem Segment besonderes Gewicht. Die L10 ist daher weniger als Ausweitung des Sortiments zu verstehen, sondern als präzise platzierte Ergänzung innerhalb eines klar kuratierten Portfolios.

Während historische Entwürfe wie Gerrit Rietvelds L25 das bauhausnahe Erbe Tectas im Bereich Beleuchtung markieren, schlägt die L10 einen eigenständigen, zeitgenössischen Ton an. Formal reduziert, aber nicht streng dogmatisch, bewegt sich der Entwurf zwischen architektonischem Objekt und atmosphärischem Lichtwerkzeug. Ein schlankes Aluminiumrohr trifft auf einen massiven Sockel aus Naturstein, wahlweise aus Marmor, Travertin oder Beton. Die Materialien bleiben sichtbar und bestimmen den Charakter der Leuchte ebenso wie ihre Proportionen.

Aluminiumrohr und massiver Steinsockel bilden bei der L10 eine spannende Material- und Formeinheit. © Tecta

Gestaltet wurde die L10 von Lukas Heintschel, der 2021 sein Studio in München gründete und zuvor Mitbegründer der Marke Neozoon war. Heintschels Arbeiten zeichnen sich durch eine reduzierte Formensprache aus, die technische Präzision mit narrativen Momenten verbindet. Sein Ansatz versteht Gestaltung nicht allein als Problemlösung, sondern als Mittel, Wahrnehmung und Nutzung emotional aufzuladen.

Die L10 verzichtet auf die Typologie der klassischen Tischleuchte mit Schirm. Stattdessen lenkt sie das Licht gezielt aus dem offenen Rohrkörper heraus. „Das Schöne ist, dass sie nicht als gewöhnliche Schirmleuchte auftritt“, sagt Heintschel. Ein integrierter Dimmer erlaubt die Steuerung der Lichtintensität und -farbe, der Akkubetrieb ermöglicht einen flexiblen Einsatz unabhängig vom Stromanschluss.

Die Lampe strahlt durch ihren Akku acht bis zehn Stunden und kann ebenso per Kabel betrieben werden – hier mit Travertin-Sockel. © Tecta

Im Interview beschreibt der Designer Licht als eigenständige Entwurfsebene: „Licht ist wie Form, Material, Haptik oder Farbe eine weitere Gestaltungsdimension.“ Entsprechend verändert sich die Wirkung der Leuchte im Betrieb deutlich – das kühle Metall tritt zurück, der Steinsockel wird zum ruhenden Träger des Lichts, das Objekt gewinnt an Wärme und Präsenz.

So positioniert sich die L10 innerhalb des Tecta-Programms nicht als Referenz an das historische Bauhaus, sondern als zeitgenössische Interpretation moderner Gestaltungsprinzipien – zurückhaltend, präzise und mit einem klaren Bewusstsein für die Wirkung von Licht im Raum.


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