Home Design-TickerDer Design-Ticker | 12. September 2026

Der Design-Ticker | 12. September 2026

von redaktion

Die heutige Auswahl zeigt deutlich, wie sehr gutes Design von konkreten Anforderungen und Nutzungssituationen ausgeht (ausgehen muss). Beim Madring müssen Sicherheit, Geschwindigkeit und Zuschauererlebnis zusammenspielen, der AWEchair verbindet Mobilitätshilfe mit hochwertigem Möbeldesign und selbst der kleine Klebebandabroller zeigt, wie viel Verbesserungspotenzial in einem alltäglichen Werkzeug steckt. Einen anderen Zugang eröffnen Nari Ward, das London Open House Festival und LSM: Hier geht es darum, wie Räume durch Kunst, Öffentlichkeit oder individuell entwickelte Innenarchitektur eine zusätzliche Bedeutungsebene erhalten.

Domus – Nari Ward verwandelt Hydras Schlachthaus in einen Erinnerungsraum

Für „Until That Day“ bespielt Nari Ward das ehemalige Schlachthaus der DESTE Foundation auf der griechischen Insel Hydra. Der in Jamaika geborene Künstler arbeitet mit gefundenen Gegenständen wie Koffern, Decken und Feuerwehrschläuchen und verknüpft sie mit Geschichten afro-griechischer Gemeinschaften. Dabei treffen Fragen von Migration, Identität und Erinnerung auf die raue Architektur des ungewöhnlichen Ausstellungsortes. Gerade die Materialien, die ursprünglich dem Transport, Schutz oder der Rettung dienen, erhalten in Wards Installationen eine neue symbolische Bedeutung. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/news/gallery/2026/09/11/nari-ward-hydra-deste-exhibition.html)

Architectural Digest – Wie man eine Formel-1-Strecke entwirft

An diesem Wochenende feiert der neue Madring beim Großen Preis von Spanien seine Formel-1-Premiere. Architectural Digest spricht mit Streckendesigner Jarno Zaffelli über die Gestaltung des neuen Kurses in Madrid. Der Rundkurs mit 22 Kurven kombiniert bestehende Straßen mit eigens für das Rennen gebauten Abschnitten. Dabei geht es nicht nur um Geschwindigkeit. Kurvenradien, Höhenunterschiede, Überholmöglichkeiten, Sicherheit und die Perspektive der Zuschauer müssen zu einer Strecke verbunden werden, die fahrerisch anspruchsvoll ist und zugleich eine spannendes Rennen für die Zuschauer ermöglicht. Rennstreckendesign erweist sich damit als hochkomplexe Verbindung von Ingenieurwesen, Sport und räumlicher Inszenierung. (Quelle: Architectural Digest, https://www.architecturaldigest.com/story/f1-madring-circuit-designer-created-brand-new-madrid-track)

Core77 – Ein cleverer Klebebandabroller mit einem kleinen Problem

Die Industriedesigner David Suhami und Nitzan Shafat von Scratch Design kombinieren bei „ClampTape“ zwei einfache Werkzeuge: Schraubzwinge und Klebebandabroller. Der Abroller sitzt direkt am Drehpunkt der Klemme und lässt sich dadurch an einer Tisch- oder Werkbankkante befestigen – das Klebeband bleibt griffbereit, ohne Arbeitsfläche zu beanspruchen. Core77 gefällt die Grundidee, sieht aber noch Verbesserungspotenzial bei der praktischen Bedienung. Ein schönes Beispiel dafür, dass selbst eine überzeugende Produktidee erst durch Details wirklich ausgereift ist. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145325/A-Great-Design-in-Need-of-Basic-Improvement-This-Clamp-Based-Tape-Dispenser)

Design Milk – Ein Lift-Sessel, der nicht danach aussieht

Der AWEchair von Janet Feldman versucht ein bekanntes Problem barrierearmer Möbel zu lösen. Funktionale Unterstützung soll nicht zwangsläufig nach medizinischem Hilfsmittel aussehen. Der Ledersessel verbindet die Proportionen eines klassischen Clubsessels mit einem motorisierten Mechanismus, der Menschen mit eingeschränkter Mobilität beim Aufstehen und Hinsetzen unterstützt. Fußstütze und Technik verschwinden weitgehend, wenn sie nicht gebraucht werden. Deutsche Ingenieursarbeit, ein in China entwickelter Motor und italienisches Leder verbinden sich so zu einem Möbel, bei dem Inclusive Design nicht als Sonderlösung sichtbar werden soll. (Quelle: Design Milk, https://design-milk.com/awechair-accessible-lift-chair-design/)

Wallpaper* – London öffnet mehr als 600 Türen

Vom 12. bis 20. September lädt das London Open House Festival wieder dazu ein, die Architektur der britischen Hauptstadt aus nächster Nähe zu erkunden. Mehr als 600 Gebäude und Orte sind diesmal zugänglich – darunter private Wohnhäuser, öffentliche Bauten und normalerweise verschlossene Räume. Hinter dem Festival steht die Organisation Open City, die Architektur nicht nur während dieser neun Tage, sondern über das gesamte Jahr stärker öffentlich vermitteln will. Der Erfolg des Formats zeigt, wie groß das Interesse daran ist, Architektur nicht nur von außen zu betrachten, sondern Räume tatsächlich zu betreten und ihre Nutzung zu verstehen. (Quelle: Wallpaper*, https://www.wallpaper.com/architecture/architecture-events/2026-london-open-house-festival-uk)

Interior Design – 35 Jahre maßgeschneiderte Arbeitswelten von LSM

Interior Design blickt mit den Gründern Debra Lehman-Smith und Jim McLeish auf 35 Jahre LSM zurück. Das 1991 in Washington gegründete Büro entwickelte sich vom kleinen Team ehemaliger SOM-Mitarbeiter zu einem international tätigen Studio mit Standorten in Washington, New York und London. Bekannt wurde LSM vor allem mit individuell entwickelten Corporate Interiors für Unternehmen wie Bloomberg, Samsung und internationale Anwaltskanzleien. Charakteristisch ist die enge Verbindung von Innenarchitektur und Kunst: Für Projekte entstanden unter anderem Auftragsarbeiten von Anish Kapoor, Bosco Sodi und Pae White. (Quelle: Interior Design, https://interiordesign.net/designwire/lsm-35-years-of-design/)


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