Home Design-TickerDer Design-Ticker | 9. September 2026

Der Design-Ticker | 9. September 2026

von redaktion

Im heutigen Design-Ticker steht auffallend oft die Frage im Mittelpunkt, wie Gestaltung auf ihre Umgebung reagiert. In Brisbane wird das subtropische Klima zum Ausgangspunkt eines Bürohochhauses, in Kalifornien zwingt die Gefahr von Waldbränden Architekten dazu, selbst kleinste konstruktive Details neu zu denken. Auf der Seadeck 9 wiederum bestimmt das Meer die Organisation der Räume. Daneben zeigen Mauricio Romanos Uhren und Yinka Iloris Möbel, dass Innovation auch aus der Neuinterpretation längst vertrauter Dinge entstehen kann – vom mechanischen Prinzip bis zum einfachen Stuhl.

Dezeen – Ein Bürohochhaus nach dem Prinzip des Queenslander House

Mit 205 North Quay haben Hassell, REX und Richards & Spence in Brisbane einen Büroturm realisiert, der auf das subtropische Klima der australischen Stadt reagiert. Inspiration liefert das traditionelle Queenslander House mit seinen Veranden, Verschattungen und luftigen Übergangszonen. Terrassen auf allen Ebenen, eine offene Plaza und eine Fassade mit großformatigen Sonnenschutzelementen sollen Innen und Außen stärker miteinander verbinden. Dazu kommen ungewöhnliche Angebote für ein Bürogebäude, darunter ein Wellness-Geschoß mit 25-Meter-Pool.(Quelle: Dezeen, https://www.dezeen.com/2026/09/09/205-north-quay-brisbane/)

designboom – Wie baut man ein Haus, in dem man sicher vor Waldbränden ist?

Nach den verheerenden Bränden in Kalifornien wird Feuer zunehmend bereits beim Entwurf eines Hauses mitgedacht. designboom zeigt anhand mehrerer Projekte, wie Architekten darauf reagieren: Metall- statt Schindeldächer, Beton und Stahl, geschützte Lüftungsöffnungen, reduzierte Dachgeometrien und vegetationsfreie Zonen unmittelbar am Gebäude sollen vor allem verhindern, dass fliegende Glut ein Haus entzündet. Projekte wie das Frame House von Mork-Ulnes Architects oder Faulkner Architects’ Pine Flat Residence zeigen dabei, dass widerstandsfähige Architektur keineswegs wie ein Bunker aussehen muss. Entscheidend ist vielmehr eine Vielzahl konstruktiver Details – absolute Sicherheit kann allerdings auch das beste Design nicht garantieren. (Quelle: designboom, https://www.designboom.com/architecture/california-design-house-live-wildfire-fire-resistant/)

Domus – Ein Matratzengeschäft, das sich wie eine Wohnung anfühlt

Für Curtidores 32 in Madrid hat das Büro JOTAJOTA+ die klassische Verkaufslogik eines Matratzengeschäfts aufgebrochen. Statt Produkte einfach nebeneinander auszustellen, führt ein freier Parcours durch unterschiedlich gestaltete Bereiche, in denen Betten beinahe wie in privaten Räumen erlebt werden können. Ein umlaufendes Holzelement organisiert Kopfteile und Produktinformationen, während unterschiedliche Bodenbeläge, abgehängte Elemente und große Vorhänge intimere Zonen schaffen. Schon der Eingang mit seiner markanten gelben Rahmung macht deutlich, dass hier aus einer Verkaufsfläche eine räumliche Inszenierung werden soll. (Quelle: Domus, https://www.domusweb.it/en/interiors/gallery/2026/09/04/shop-curtidores-32-jotajota-madrid.html)

Core77 – Uhren ohne klassisches Räderwerk

Der mexikanische Industriedesigner Mauricio Romano experimentiert mit einem vertrauten Objekt und einer ungewohnten Mechanik. Seine konzeptionellen Uhren bewegen die Zeiger nicht über das klassische Zusammenspiel von Zahnrädern, sondern mithilfe mechanischer Gelenk- und Hebelverbindungen. Dadurch wird die Konstruktion selbst zum gestalterischen Mittelpunkt. Das Ablesen der Zeit verbindet sich mit der Beobachtung einer permanent arbeitenden Mechanik. Romano untersucht die Uhr weniger als optimiertes Präzisionsinstrument denn als kinetisches Objekt. (Quelle: Core77, https://www.core77.com/posts/145286/Experimental-Linkage-Based-Clocks)

Interni – Azimut Seadeck 9: Die Yacht als schwimmende Wohnlandschaft

Mit der 26 Meter langen Seadeck 9 überträgt Azimut zunehmend Prinzipien der Wohnarchitektur auf den Yachtbau. Alberto Mancini zeichnet für das Exterieur verantwortlich, Matteo Thun und Antonio Rodriguez für die Innenräume. Herzstück am Heck ist die „Fun Island“, die sich bei diesem Modell zu einem 180-Grad-Pooldeck mit Infinity Pool und einer sieben Quadratmeter großen beweglichen Badeplattform erweitert. Große Glasflächen, zu öffnende Seitenfenster und terrassierte Ebenen sollen die Grenze zwischen Innenraum und Meer möglichst weit auflösen. Carbon für rund 40 Prozent der Struktur und ein effizienter Rumpf sollen zudem Gewicht und Verbrauch reduzieren. (Quelle: Interni, https://www.internimagazine.com/on-board-2026-en/azimut-seadeck-9-manifesto-del-benessere-sullacqua/)

Design Milk – Yinka Ilori und der Stuhl als Geschichtenerzähler

„Chairman“ heißt die erste umfassende Publikation über die Möbelarbeiten des britisch-nigerianischen Designers Yinka Ilori. Das bei ORO Editions erschienene Buch blickt auf mehr als ein Jahrzehnt seiner Arbeit zurück und zeigt, wie zentral Farbe, Muster und erzählerische Elemente darin sind. Einen Ausgangspunkt bildeten alte Stühle aus Londoner Charity Shops, deren vorhandene Geschichte Ilori nicht auslöschen, sondern durch neue Farben und Dekors weiterschreiben wollte. Gerade am alltäglichen Möbeltyp Stuhl demonstriert er, wie aus einem Gebrauchsgegenstand ein expressives Objekt zwischen Design, Erinnerung und spielerischer Provokation werden kann. (Quelle: Design Milk, https://design-milk.com/yinka-ilori-chairman-furniture-book/)


Weitere TOP-Artikel