Fünf Projekte aus vier Kontinenten stehen im Finale des Internationalen Hochhaus Preises 2026/27. Aus 30 nominierten Gebäuden wählte die Jury Hochhäuser aus Brüssel, Curitiba, Guangzhou, Sydney und Singapur. Der seit 2004 alle zwei Jahre vergebene Preis zählt zu den wichtigsten internationalen Architekturauszeichnungen für Hochhäuser. Der Sieger wird am 3. November in Frankfurt bekannt gegeben.
Umbauen statt abreißen
ZIN in Brüssel zeigt, wie sich bestehende Hochhäuser grundlegend transformieren lassen. Von den früheren World-Trade-Center-Türmen blieben die Erschließungskerne und fünf Untergeschosse erhalten. Eine neue Gebäudescheibe verbindet die beiden Türme und schafft flexible Flächen mit doppelten Geschosshöhen. Büros, Wohnungen und Hotel werden durch Sportbereiche, eine öffentliche Orangerie und einen Dachgarten ergänzt. So wird aus einem ehemaligen Bürokomplex ein vertikales Stadtquartier.
AGE 360 in Curitiba (Brasilien) setzt auf Wohnen und Begrünung. Das 124 Meter hohe Gebäude besitzt ein markantes Exoskelett aus hellem Beton, das Tragwerk und Sonnenschutz verbindet und stützenfreie Grundrisse ermöglicht. Nur 33 Wohnungen mit bis zu 600 m² verteilen sich auf den Turm. Terrassen, Pool, Spa, Gemeinschaftsräume und bepflanzte Außenbereiche sorgen für ein vielfältiges Angebot.
Vertikale Stadt und schwebender Turm
Jean Nouvels 207 Meter hoher Tencent Tower in Guangzhou interpretiert das Hochhaus als senkrecht aufragende Stadt. Auf allen zehn Geschossen öffnen große „Sonnendächer“ den Bau nach außen. Begrünte Plattformen, Atrien, Treppen und Rampen verbinden Büros mit Cafés, Geschäften, Ausstellungsflächen und Ateliers. Spektakulärer Abschluss ist eine fast 30 Meter auskragende Dachebene.
Bei 88 Walker in Sydney wird die Konstruktion selbst zum architektonischen Thema. Der 180 Meter hohe Glasturm teilt sich das Grundstück mit einer historischen Feuerwache. 45 Etagen kragen fast neun Meter über das Bestandsgebäude aus; mächtige Stahl- und Betonstützen machen die statische Leistung sichtbar. Hotel und flexible Büroflächen finden sich in dem schlanken Baukörper.
One Pearl Bank in Singapur schließlich verbindet extreme Wohndichte mit ungewöhnlich viel Grün. Zwei geschwungene Türme nehmen 774 Wohnungen auf. 18 gemeinschaftliche Gärten mit fast 200 Hochbeeten, bepflanzte Balkone, Sky Gardens und Dachflächen erweitern das Wohnen ins Freie. Zugleich öffnet die Landschaftsplanung das Grundstück zum benachbarten Pearl’s Hill City Park.
So unterschiedlich die fünf Hochhäuser in Nutzung, Konstruktion und städtebaulichem Kontext sind, verbindet sie doch ein gemeinsamer Ansatz. Aktuelle Hochhäuser werden mit flexiblen Nutzungen sowie Gemeinschaftsflächen ausgestattet und vor allem einer Begrünung, die längst vom dekorativen Beiwerk zum festen Bestandteil der Architektur geworden ist.