Das Lake Como Design Festival bietet in seiner siebten Ausgabe ein umfangreiches Programm mit Ausstellungen, Talks sowie offenen Studios in der Stadt Como und rund um den See. „Fragmente“ lautet das diesjährige Motto des Festivals. Gemeint ist Fragmentierung als regenerativer Akt, der als Chance für Wiederaufbau, Erinnerung und Wiederentdeckung genutzt werden kann.
„Fragmentierung ist allgegenwärtig“, meint Lorenzo Butti, Gründer und künstlerischer Leiter des Festivals. Für ihn spaltet und zerstreut sich die Gesellschaft immer mehr in einer Form des kollektiven Individualismus, der jeden Menschen von sich selbst, von anderen und vom Rest der Natur trennt. Gleichzeitig hängt über allem der langweilige Nebel der Konformität. „Doch in einer Welt, die zur Uniformität tendiert, kann Fragmentierung auch ein Akt der Rebellion sein, eine bewusste Geste, die Konformität infrage stellt und das Recht auf vielfältige Ausdrucksformen einfordert“, gibt sich Butti zuversichtlich.
Fragmente der Erinnerung
Der Fokus von drei großen Ausstellungen in Como liegt recht spezifisch auf diesem Begriff. So thematisiert die Gruppenausstellung „Fragments of Memory“ in der Villa del Grumello das Fragment als lebendige Spur, als ein Element, das Geschichten, Visionen und Erinnerungen enthält. Zu sehen sind unter anderem Werke, die von den Keramiken und Gravuren von Enzo Cucchi über traumhafte Teppiche, die von Bruno Munari inspiriert wurden, bis hin zu wandelbaren Möbeln von Vico Magistretti reichen. Es soll eine Reise durch Materialien, Formen und Sprachen sein, die Erinnerungen hinterfragen und ihre Bedeutungen neu entdecken lassen.

Zeitgenössisches internationales Design
Die Contemporary Design Selection 2025 im Chilometro della Conoscenza, kuratiert von Giovanna Massoni, ist eine kollektive Erkundung der „Kraft des Fragments“. Mit dem diesjährigen Open Call waren Designer, Kunsthandwerker, Architekten und Künstler dazu aufgerufen, drei Gestaltungsperspektiven zu untersuchen: Fragilität – die Ästhetik des Bruchs und der Transformation, der Wert des Vergänglichen und Veränderlichen; der regenerative Akt – Neuzusammensetzung und Wiederherstellung, die Umwandlung weggeworfener Elemente in neue, bedeutungsvolle Objekte; sowie Erinnerung – konzipiert als Archiv von Fragmenten, eine Plattform für Geschichten, Techniken und Kulturen, die alt und/oder vergessen sind.
Einige Beispiele: Studio Lilium (Italien) kreiert handgefaltete Papierlampenschirme, angereichert mit Kakaobohnenresten, die einen erdigen Duft verströmen. Gensuke Kishi (Japan/Frankreich) verwendet recycelten Naturstein und stellt ihn der Vergänglichkeit einer Blume gegenüber, um an die Kostbarkeit endlicher Ressourcen zu erinnern. Das österreichische studio högl borowski schafft funktionale Skulpturen aus Harz und Holz, die Nuancen, Verdichtungen, Knotenpunkte sowie Lebensspuren offenbaren und zu sinnlicher Materie werden.

Aldo Rossis Gedanken zum Fragment
Ein weiteres Highlight ist die Ausstellung Aldo Rossi. Architecture in Fragments, kuratiert von Chiara Spangaro in Zusammenarbeit mit der Aldo Rossi Stiftung. Präsentiert wird eine Interpretation des Fragmentbegriffs in Aldo Rossis (1931–1997) theoretischem und architektonischem Werk, ein Thema, das sich seit den 1960er Jahren durch seine gesamte Arbeit zog. Die Ausstellung, die in der ehemaligen Kirche San Pietro in Atrio stattfindet, ist nach einem Text von Aldo Rossi benannt, der im Architekturarchiv des MAXXI aufbewahrt wird: Fragmente. Eine Architektur der Fragmente oder eine Architektur des Möglichen. Um das Konzept des Fragments herum ist die Ausstellung auch aufgebaut und beleuchtet eines der tiefgreifendsten und wiederkehrenden Themen im Denken und Handeln des Architekten.
Das Lake Come Design Festival läuft bis zum 21. September 2025. Neben den erwähnten Ausstellungen finden eine Reihe weitere Events statt, wie die erste Soloschau von Ico Parisi, die Ausstellung Alvaro Molteni, Sketches, das Forschungsprojekt Voci Sull’Acqua oder die Lobby Nomade von Nomade und Ultrapresent Studio. Zudem öffnen viele Designstudios ihre Türen, es gibt Touren zu „rationalistischen“ Gebäuden in Como und Talks im Greenhouse.