Erstmals 2005 vergeben, feiert der wienwood heuer sein 20-jähriges Bestandsjubiläum. Zur Einreichung waren Bauprojekte zugelassen, die zwischen Juni 2021 und Juni 2025 fertiggestellt wurden. Aus den 36 eingereichten Projekten wurden von einer Fachjury vier Preisträger gekürt sowie ein Sonderpreis und drei Anerkennungen vergeben. Ziel des Wettbewerbs ist es, das Bewusstsein für die vielfältigen gestalterischen sowie technischen Möglichkeiten des Baustoffs Holz zu stärken.
Die Preisträger
Das faszinierendste Projekt haben Dietrich Untertrifaller Architekten und Andi Breuss mit der Erweiterung der Rudolf-Steiner-Schule in Wien Mauer umgesetzt. Die Waldorfschule ist auf zwei Gebäude aufgeteilt: das Maurer Schlössl und ein gegenüber liegendes eingeschossiges Herrenhaus. Während die Fassade des Altbaus Denkmalschutzgerecht restauriert wurde, entstand im dahinter liegenden Garten ein L-förmiger Neubau. Dieser verfügt über ein großes, dunkles Dach aus Faserzementplatten, das gleichzeitig die Fassade des Obergeschosses bildet. Neben dem Foyer, Speisesaal und Kindergarten im Altbau sind im Neubau nun flexible Klassenzimmer mit Zugang zum Garten und vor allem die abgesenkte Turnhalle zu finden. Für den Neubau wurde Holz aus Rippen- und Hohlkastenelementen verwendet, mit natürlichen Dämmstoffen als Wärmeschutz. Der Innenausbau erfolgte mit Lehmbauplatten und verputzten Lehmoberflächen. Es sollten weitgehend „chemiefreie“ Innenräume geschaffen werden. Die Holz-Lehmwände erfüllen nicht nur die hohen bauphysikalischen Anforderungen an ein Schulgebäude, sondern verbessern auch das Raumklima. Für die Lehmoberflächen wurde das Aushubmaterial vor Ort verwendet.

Lichtdurchflutete Schwimmhalle
Im Zuge der Bäderstrategie 2030 werden in Wien mehrere baugleiche Bäder aus den frühen 1980er Jahren saniert und erweitert – darunter auch das Bad in der Großfeldsiedlung im 21. Bezirk. Die Stadt wünschte sich ein Konzept in ökologischer Bauweise, das als Vorbild für die Erweiterung auch anderer Schwimmbäder dienen könnte. Von außen hebt sich der Neubau von illiz architektur mit einer Fassade aus senkrechten Holzlatten, Rankgerüst, verglastem Obergeschoss und der auskragenden Dachscheibe vom Bestand ab. Zwei Brücken verbinden das alte mit dem neuen Bad. Die neue Schwimmhalle ist als fast sechs Meter hoher Raum lichtdurchflutet und verströmt eine äußerst angenehme Atmosphäre. Dieser Eindruck wird von dem schlanken Holztragwerk und den hohen Verglasungen, vor denen einige alte Bäume stehen, unterstützt. Das Tragwerk besteht aus Brettschichtholzstützen, weit gespannten Brettschichtholzträgern und einem Dach aus Brettsperrholz, was für ein stimmiges Gesamtbild sorgt.

Nachverdichtung mit Holz
Woody – M von Freimüller Söllinger Architektur ist eine Wohnanlage aus Holz mit 85 frei finanzierten Mietwohnungen inmitten des 12. Wiener Bezirks. Die fünf- und sechsgeschossigen Wohnhäuser mit attraktiver Lärchenfassade sind in Brettsperrholzbauweise errichtet, die mit Balkonen sowie Laubengängen aus Betonfertigteilen verbunden sind. Die Wohnungen verfügen über eine Raumhöhe von 2,7 Metern. Um Material zu sparen, haben die Architekten die Deckenstärken auf die jeweiligen statischen Anforderungen angepasst. Im Hinblick auf den Brandschutz wurden anstelle von sonst üblichen auskragenden Blechen als Geschosstrennung vorstehende Fensterschürzen verwendet.

Wohnen auf 35 m²
Zu den vier Preisträgern gehört auch ein Kleingartenhaus am Rande des Wienerwalds. Es bietet auf einer Grundfläche von nur 35 m² ungewöhnlich viel Wohnraum, in dem eine vierköpfige Familie Platz findet. Diese Villa Minimale von Architekt Clemens Kirsch folgt den strengen Regeln, denen der Bau Wiener Kleingartenhäuser unterliegt. Und Kirsch machte das Beste daraus. Unter einem mehrfach gefalteten Pultdach sind vier gleich große „Holzkästen“ um ein zentrales, zweigeschossiges Atrium angeordnet. Das obere Geschoss beherbergt drei Schlafkojen, in denen jeweils gerade mal eine Matratze passt. Wände und Dach des Gartenhauses bestehen aus Brettsperrholzlatten. Außen schützt eine hinterlüftete Fassade aus unterschiedlich breiten Lärchenholzlatten die Konstruktion.

Das Preisgeld beträgt insgesamt 15.000 Euro. Der wienwood 25 wurde von proHolz Austria in Kooperation mit der Stadt Wien und unterstützt von Wiener Städtische Versicherung ausgeschrieben.
Waldland Österreich
Der Holzvorrat in Österreichs Wäldern ist in den letzten Dekaden kontinuierlich angestiegen. Seit Beginn der 1970er Jahre hat er sich um mehr als die Hälfte erhöht und nun mit rund 1,12 Milliarden Vorratsfestmetern in den Ertragswäldern ein Maximum erreicht. Viele alte Waldbestände erlauben kaum mehr weiteren Zuwachs. Die Nutzung des vorhandenen Holzes fördert die notwendige Verjüngung der Wälder.