Dass die Schweiz über eine hohe Qualität im Bereich Grafikdesign verfügt, beweist alljährlich etwa die Ausstellung 100 BESTE PLAKATE, wo Beiträge der Eidgenossen immer wieder überdurchschnittlich stark vertreten sind. Nun zeigt das Museum für Gestaltung Zürich, dass der Nachwuchs das Potenzial hat, diese Tradition fortzusetzen. „Junge Grafik Schweiz!“ (24. Oktober 2025 – 6. April 2026) präsentiert Arbeiten von 12 Designern und Studios aus der deutsch-, französisch- sowie italienischsprachigen Schweiz, die beispielhaft für die vielfältigen Ansätze und Arbeitsweisen in der jungen Grafikszene stehen.
KI und Kreation
Der Anspruch der Kuratorin Nora Wüthrich geht eindeutig in die Richtung Aufdeckung der Hintergründe. Was treibt die Grafikjugend von heute an? Welchen Zugang haben sie im Hinblick auf Technologie und gestalterische Haltung? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Dabei wird schnell klar, dass das heiß diskutierte Thema der KI auch in dieser Berufssparte längst angekommen ist. Als Tool für lästige Aufgaben eingesetzt, greift Künstliche Intelligenz immer mehr auch in den Schaffensprozess selbst ein. Demgegenüber steht das wachsende Bewusstsein, dass der Mensch für kreative Gestaltung unersetzbar ist. Eine genuine Idee kann nicht aus einer Software kommen, die mit Inhalten des Existierenden gefüttert wurde. Dazu kommt bei vielen ein steigendes Bedürfnis physisch zu gestalten.
Eine weitere spannende Frage ist, warum haben eigentlich die Schweizer im Grafikdesign die Nase vorne. Verantwortlich dafür sind hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten und natürlich das reiche nationale Erbe dieser Branche, das als methodische Grundlage dient. Auf dieser Basis entwickeln die Jungen eigenständige Ideen, die immer auch vom rasanten Fortschritt der Technologie beeinflusst sind.
Vielfalt einer Generation
Die Ausstellung besteht im Wesentlichen aus zwölf individuell gestalteten Wandinstallationen. Gezeigt werden Projekte aus den letzten fünf Jahren, die zusammen mit persönlichen Audioberichten Einblick in die gestalterischen Denkprozesse und Arbeitsansätze geben. Ergänzt wird dies mit einer filmisch dokumentierten Diskussionsrunde, in der Fragestellungen offen gelegt werden, die die junge Szene derzeit bewegen. Zu dem wird eine Auswahl an Portfolios weiterer junger Grafikdesigner aus der Schweiz geboten, deren Arbeiten sich erkunden lassen und zusätzlich Einblick in die gestalterische Vielfalt dieser Generation (Mitte 20 bis Mitte 30) eröffnen.