Im TASCHEN Verlag erscheinen nun zwei zentrale Publikationen zum Werk von Norman Foster in neuen, preisgünstigen Ausgaben: Works und Networks. Die ursprünglich 2023 veröffentlichte zweibändige XXL-Monografie wird damit erstmals einzeln und in zugänglicherem Format verfügbar. Ab dem 27. Februar 2026 können die beiden Bände separat bestellt werden. Während Works das gebaute Œuvre dokumentiert, richtet Networks den Blick auf die gedanklichen, kulturellen und biografischen Verflechtungen hinter den Projekten. Der folgende Bericht widmet sich diesem zweiten Band – einer Sammlung von Essays, in denen Foster sein Einfluss- und Gedankenuniversum in eigenen Worten darlegt.
Networks beinhaltet acht Kapitel – von „Roots“ über „Flight“, „Nature“ und „Art“ bis zu „Making“, „Place“, „Cities“ und „Alpine“. In den reich bebilderten Texten beschreibt Foster Architektur nicht als isolierte Disziplin, sondern als „Schnittpunkt von Leidenschaften, Disziplinen und gelebten Erfahrungen“. Das Buch ist weniger Autobiografie als intellektuelle Selbstverortung, ein Versuch, die Triebkräfte hinter sechs Jahrzehnten Praxis offenzulegen.

Im Essay „Flight“ etwa schildert Foster seine frühe Faszination für Flugmaschinen. „Meine allererste Skizze“, schreibt er rückblickend, „zeigte meine Position im Cockpit eines Flugzeugs.“ Das Fliegen sei für ihn mehr als Fortbewegung. Es vermittle ein Gefühl von Leichtigkeit und struktureller Logik. Aus der Luftfahrt habe er gelernt, „wie sehr Effizienz und Eleganz einander bedingen“. Diese Haltung überträgt er auf seine Gebäude. Konstruktionen sollen präzise, ressourcenschonend und zugleich sinnlich erfahrbar sein. Die Reduktion von Gewicht, das Streben nach Klarheit – Prinzipien der Aeronautik – werden zu architektonischen Leitmotiven.
Kunst und Architektur – ein kultureller Resonanzraum
„Art“ erweitert den Horizont auf die bildenden Künste. Foster beschreibt seine intensive Auseinandersetzung mit Künstlern und Werken als kontinuierlichen Dialog. Kunst sei für ihn kein Beiwerk, sondern ein Resonanzraum für architektonisches Denken. „Ich habe Künstler nie imitiert“, hält er fest, „sondern versucht zu verstehen, wie sie die Welt sehen.“ Diese Offenheit schärfe den Blick für Material, Proportion und Bewegung im Raum. Architektur erscheine so als Teil eines größeren kulturellen Netzwerks, in dem Disziplinen einander „bereichern und herausfordern“.

Im Kapitel „Making“ rückt der Akt des Herstellens in den Mittelpunkt. Foster bekennt: „Ich glaube zutiefst an die Verbindung zwischen Entwerfen und Machen.“ Modelle und Prototypen seien keine Präsentationsobjekte, sondern Werkzeuge des Denkens. Er habe sich stets ermutigt, so schreibt er, „das Erlebnis der schlammigen Stiefel auf der Baustelle zu suchen“ – also die unmittelbare Erfahrung von Konstruktion und Material. Architektur entstehe im Austausch mit Ingenieuren, Handwerkern und Spezialisten. Sie sei das Ergebnis kollektiver Präzision.
Die Komplexität des Kontextes
„Place“ schließlich thematisiert die Bedeutung des Orts. Gebäude müssten „mit einem Bewusstsein für die Vergangenheit“ entworfen werden, zugleich aber für eine Zukunft, „die im Wesentlichen unbekannt ist“. Kontext, Klima und Geschichte seien keine Einschränkungen, sondern produktive Kräfte. Der Ort werde zum Ausgangspunkt jeder Entscheidung und kein Fall für nachträgliche Anpassungen.

Mit nahezu tausend Abbildungen – Fotografien, Skizzen, Filmstils und Referenzen – ist Networks zugleich visuelles Archiv und theoretischer Kommentar. Der Band legt offen, welche Denkfiguren und Leidenschaften hinter ikonischen Bauten stehen, ohne sich in Projektdetails zu verlieren. So entsteht ein dichtes Geflecht aus persönlichen Erinnerungen, kulturellen Bezügen und professionellen Überzeugungen. Es ist ein detaillierter Einblick in die Ideenwelt Lord Norman Fosters.
Norman Foster. Networks
Hardcover, 22.8 x 28.9 cm, 2.11 kg, 368 Seiten, ISBN 978-3-7544-0682-3, Ausgabe: Englisch
Norman Foster. Works
Hardcover, 22.8 x 28.9 cm, 712 Seiten, ISBN 978-3-7544-0584-0, Ausgabe: Englisch