Home LightingLicht als System: Die Light + Building 2026 zwischen Atmosphäre und Intelligenz

Licht als System: Die Light + Building 2026 zwischen Atmosphäre und Intelligenz

von Markus Schraml
Unter dem Leitthema „Starting Points“ zeigte PROLICHT anhand architektonischer Lichtlösungen, wie Ideen Gestalt annehmen und wie das Unternehmen bei Lichtprojekten von Beginn an Mehrwert liefert. © PROLICHT

Die jüngste Ausgabe der Light + Building machte deutlich, wie grundlegend sich das Verständnis von Licht verändert hat. Im Zentrum stand nicht mehr das einzelne Leuchtmittel, sondern das vernetzte System: adaptiv, datengesteuert und zunehmend durch KI unterstützt. Licht wird zur Plattform – für Atmosphäre, Energieeffizienz und die Integration in smarte Gebäude.

Präzision, Emotion und neue Materialität

Ein übergreifender Trend war die Verschmelzung von technologischer Präzision und emotionaler Raumgestaltung. Adaptive Beleuchtungssysteme reagieren heute in Echtzeit auf Nutzerverhalten, Tageslicht oder Nutzungsszenarien. Sensorik, hybride Steuerungen und intelligente Algorithmen schaffen dynamische Lichtstimmungen, die weit über klassische Szenarien hinausgehen.

Dabei spielt Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Hersteller setzen verstärkt auf umweltfreundlicheres Aluminium, recycelbare Komponenten und Cradle-to-Cradle-Konzepte. Auch Remanufacturing – also die Wiederaufbereitung bestehender Leuchten – gewinnt an Bedeutung.

Lichtlenkung und konstruktive Klarheit

Luce&Light zeigte zurückhaltende, hochpräzise Außenleuchten, die Architektur und Landschaft subtil inszenieren. Das italienische Unternehmen präsentierte Außen- und Architekturleuchten, die sich zurücknehmen und stattdessen die Wirkung von Landschaft und Baukörper betonen. Präzise Lichtlenkung und minimale Sichtbarkeit der Leuchten standen hier im Vordergrund – ein Ansatz, der sich durch viele Beiträge der Messe zog.

Luce&Light realisierte die architektonische Beleuchtung im Rahmen des Relaunchs von HIGHLINE Milano und trägt so zur Aufwertung eines der emblematischsten Orte der Stadt bei: dem Skywalk, der zur Sala degli Orologi (Uhrensaal) der Galleria Vittorio Emanuele II führt. Foto © Alessio Tamborini

Einen anderen, aber ebenso reflektierten Zugang zeigte serien.lighting, das sein 40-jähriges Bestehen feierte. Die Frankfurter Marke demonstrierte eindrucksvoll, wie sich technische Innovation mit gestalterischer Kontinuität verbinden lässt. Charakteristisch bleibt der Fokus auf konstruktive Klarheit und eine beinahe poetische Reduktion, die sich auch in neuen Produktentwicklungen widerspiegelt.

Mit dem Design der kreisförmigen Deckenleuchte SLICE² PI Ceiling hat serien.lighting eine lichttechnisch anspruchsvolle Interpretation eines Archetyps geschaffen. © Studio Olaf Becker

Technologisch setzte Trilux mit dem LiveLink Bluetooth NLC Gateway ein Zeichen. Die Lösung erweitert klassische DALI-Infrastrukturen um drahtlose Komponenten und ermöglicht so die einfache Smartifizierung bestehender Gebäude. Ergänzt wurde dies durch Effizienz steigernde Weiterentwicklungen wie die E-Line Pro mit optimierter Linsentechnik.

Einen kreativen Ansatz verfolgte PROLICHT: Unter dem Titel „Starting Points“ wurde gezeigt, wie individualisierbare Leuchten mittels 3D-Druck und im Sinne der Circular Economy Teil architektonischer Konzepte werden. Der Optikspezialist LEDiL wiederum adressierte ein zentrales Thema urbaner Beleuchtung. Mit neuen Reflektoren wird Streulicht reduziert und Lichtverschmutzung gezielt minimiert.

Das Schweizer Duo ZweGiele zeigte, wie „Pluq in“ gemeinsam mit PROLICHT entwickelt wurde – von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt. © Fabiana Zanola

Intelligente Infrastruktur als Rückgrat

Parallel dazu präsentierte sich die Gebäudetechnik als eigenständiges, zukunftsweisendes Feld. Der Fokus lag auf der Transformation bestehender Gebäude: Retrofitting ohne aufwendige Neuverkabelung, modulare Plug-and-play-Systeme und hybride Netzwerke prägen die Entwicklung. Gebäude werden zunehmend zu energieaktiven Systemen – mit Blick auf Dekarbonisierung, integrierte Ladeinfrastruktur und effizientes Energiemanagement.

Ein zentraler Akteur war Siemens mit seiner Plattform Building X. Sie bündelt Energie, Komfort und Sicherheit in einem digitalen Ökosystem und zielt auf „human-centric autonomous buildings“. Ergänzt wird dies durch Systeme wie Desigo CC, die als offene Managementplattform unterschiedliche Gewerke integrieren.

Unter dem Motto „Technology to transform building infrastructure“ zeigte Siemens seine Vision für den Weg von smarten zu menschenzentrierten, autonomen Gebäuden. © Siemens AG

Ein echtes Messe-Highlight war die AI Lounge. Dort wurde demonstriert, wie automatisierte Schaltplanerstellung, Predictive Maintenance und digitale Zeiterfassung den Arbeitsalltag im Handwerk verändern. Technologien wie LiDAR erweitern zudem die Möglichkeiten der Gebäudeüberwachung, indem sie Personenströme anonym erfassen und so eine bedarfsgerechte Steuerung von Klima- und Lichtsystemen ermöglichen. Gleichzeitig wirft diese Entwicklung grundlegende Fragen auf: Auch wenn die Datenerhebung anonymisiert erfolgt, bleibt ein Spannungsfeld zwischen Effizienzgewinn und dem Gefühl permanenter Beobachtung. Wo endet die funktionale Optimierung von Gebäuden, und wo beginnt eine schleichende Normalisierung von Überwachung im Alltag? Die Branche steht hier vor der Herausforderung, technische Innovation mit Transparenz, Datenschutz und gesellschaftlicher Akzeptanz in Einklang zu bringen.

In der Gesamtschau zeigte die Light + Building 2026 eine Branche, die Licht und Gebäudetechnik nicht länger getrennt denkt. Vielmehr entsteht ein integriertes Verständnis von Raum – gesteuert durch Daten, gestaltet durch Licht und getragen von intelligenter Infrastruktur.


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