Home DesignUnsichtbare Hintergründe – „Show Not Show“ bei Rotterdam Art Week 2026

Unsichtbare Hintergründe – „Show Not Show“ bei Rotterdam Art Week 2026

von Markus Schraml
Unter anderem in der Ausstellung zu sehen – Sitzmöbel von Dear Objects - Marc Meeuwissen. Foto © Frank Penders

Im Rahmen der Rotterdam Art Week 2026 präsentiert das Kollektiv SHOW NOT SHOW eine Ausstellung, die Objekte als Ausgangspunkt nutzt, um den Blick auf die gedanklichen und konzeptionellen Hintergründe ihrer Entstehung zu lenken. Unter dem programmatischen Titel SHOW NOT SHOW wird das Objekt nicht als Endpunkt, sondern als Träger eines immateriellen Gedankens verstanden. Im Zentrum steht das Konzept selbst – als unsichtbare, aber wirkmächtige Grundlage gestalterischer Praxis.

Die Präsentation, initiiert von Collectors Network in der „Gallery“ im Rotterdamer Kaapkwartier, setzt auf eine immersive Inszenierung. Besucher sind eingeladen, weniger die Form als vielmehr deren gedankliche Herleitung nachzuvollziehen. Damit positioniert sich die Schau gegen eine rein visuelle Konsumierbarkeit von Design und plädiert für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Prozessen, Intuition und Bedeutung.

„StepSlide 2“ (Höhe: 3 Meter) von Frank Penders entstand in Kooperation mit ALOI Design. Foto © Frank Penders

Positionen zwischen Material und Idee

Die beteiligten Designer spiegeln diese Haltung auf unterschiedliche Weise. Frank Penders etwa zeigt mit „StepSlide 2“ ein hybrides Objekt zwischen Treppe und Rutsche, das Fragen nach Raum, Funktion und Wahrnehmung aufwirft. Seine Arbeit operiert mit dem Wechselspiel von Positiv- und Negativraum und verweist auf seinen fotografischen Hintergrund.

Auch Lucas Zito verschiebt Wahrnehmungsgrenzen, indem er Licht durch transparente Materialien physisch erfahrbar macht. Seine „BUOY“-Leuchten verdichten Licht zu einem beinahe greifbaren Volumen. Einen streng reduzierten Ansatz verfolgt Marc Meeuwissen (Dear Objects), der mit minimalen Mitteln und einem Werkzeug funktionale, zugleich poetisch fremdartige Objekte entwickelt.

Setting mit (unter anderem) Edelstahlmöbeln von Frank Penders, dahinter Tisch und Stuhl von MOKKO sowie BUOY-Leuchten von Lucas Zito. © SHOW NOT SHOW

Das Amsterdamer Studio MOKKO setzt hingegen auf zeitlose Möbel mit skulpturaler Präsenz, während Pepijn Fabius Clovis Alltagsmaterialien in präzise austarierte, zwischen Kunst und Gebrauch oszillierende Formen überführt. Luuk van Laarhoven schließlich erforscht mit thermisch behandelten Metallen deren transformative Oberflächen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt der Gastausstellerin Aleksandra Adamchyk. Die in Amsterdam tätige Designerin, bislang vor allem im Bereich maßgeschneiderter Interieurs aktiv, präsentiert erstmals eine eigenständige Möbelserie. In Zusammenarbeit mit Ango entstehen Objekte, die sich von ihrem architektonischen Kontext lösen und als autonome Einheiten behaupten. Ihre Entwürfe folgen einer klaren, funktional begründeten Geometrie, in der Reduktion und konstruktive Präzision zentrale Prinzipien darstellen.

„Show not Show“ erweist sich damit als programmatischer Beitrag zur aktuellen Designdebatte: weg von der bloßen Form, hin zu einer Reflexion über das, was Gestaltung im Innersten zusammenhält.


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